Efeu - Die Kulturrundschau
Jenes unvorstellbar Zauberhafte
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30.11.2024. Boualem Sansal "erleidet diese Haft als Symbol unserer Freiheit, also sind alle aufgefordert, ihn zu verteidigen", ruft die SZ noch einmal ins Gedächtnis. Jemand sollte Nan Goldin erklären, dass ihre Privatmeinung noch keine Politik ist, meint die FAZ. In der Berliner Zeitung glaubt Barrie Kosky, die CDU bestrafe die Komische Oper für ihre DDR-Geschichte und Diversität. Die FAZ bewundert in München die ekstatischen Blumensymphonien der Barockmalerin Rachel Ruysch, die das halbe aristokratische Europa einst mit Stillleben belieferte. Wenn Martina Hefter ihren Buchpreisroman "Hey, guten Morgen, wie geht's dir" auf die Bühne in Leipzig bringt, wird's der nachtkritik doch zu politisch korrekt.
9punkt - Die Debattenrundschau
vom
30.11.2024
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Literatur
"Mit dem völlig überraschenden Zugriff provoziert die algerische Regierung die internationale Öffentlichkeit, beweist ihre brutale Missachtung der Kunstfreiheit und reiht sich ein in eine lange Reihe tyrannischer Regimes, die derzeit das Leben der Menschen in aller Welt beschweren", schreibt Nils Minkmar in der SZ zur Verhaftung Boualem Sansals. "Deutschland unterhält enge und wichtige wirtschaftliche Beziehungen nach Algerien. Die Bundesregierung ist nun aufgefordert, rasche Schritte zu unternehmen, um Sansals Befreiung zu erwirken. Ein Friedenspreisträger ist ein Botschafter der Literatur weltweit und die Gelegenheit für die Bundesregierung zu zeigen, dass das Land der Dichter und Denker sich auch um solche kümmert, wenn sie elend im Knast sitzen. Sansal erleidet diese Haft als Symbol unserer Freiheit, also sind alle aufgefordert, ihn zu verteidigen."
"Ein Plädoyer von solcher Prominenz hat es aus Deutschland seit langer Zeit nicht mehr gegeben", staunt Andreas Platthaus in der FAZ, ohne zu erwähnen, dass der Aufruf vom Perlentaucher und der Geschäftsstelle Friedenspreis des Deutschen Buchhandels lanciert wurde. Dieses Plädoyer sei "ganz im Sinne von Sansal, der in seiner Friedenspreisrede auch gesagt hat: 'Wir Völker des Südens versuchen, uns vom Joch unserer bösartigen und archaischen Diktaturen zu befreien, in dieser arabisch-muslimischen Welt, die einst ruhmreich und tatkräftig war, nun aber schon so lange verschlossen und erstarrt ist, dass wir schon vergessen haben, dass wir Beine haben und einen Kopf, und dass man auf seinen Beinen stehen und gehen und laufen kann, oder auch tanzen, wenn einem der Sinn danach steht, und dass man mit seinem Kopf jenes unvorstellbar Zauberhafte tun kann, nämlich sich eine Zukunft ersinnen und diese dann auch leben, hier, in der Gegenwart, in Frieden, in Freiheit, in Freundschaft.' Die Freilassung Boualem Sansals wird der Prüfstein darauf sein, ob man von so etwas wenigstens noch offen reden kann, wenn man es schon nicht offen leben kann."
Weitere Artikel: "Der Streit, der Charlotte Gneuß belastete und Ingo Schulze beschädigte, ist symbolisch beigelegt worden", schreibt Andreas Platthaus in "Bilder und Zeiten" der FAZ und macht dies daran fest, dass in der neuen, von Gneuß herausgegebenen Ausgabe der Neuen Rundschau zum Thema "Wie erzählen wir die DDR" auch Schulze mit einem Aufsatz vertreten ist. Tilman Krause (WamS) und Lorenz Jäger (FAZ) gratulieren dem Schriftsteller Botho Strauß mit großen Essays zum 80. Geburtstag. Thomas David spricht für die FAS mit der irischen Schriftstellerin Claire Keegan: "Literatur ist die Aufzeichnung menschlicher Erschütterungen und all dessen, was es heißt, lebendig zu sein", sagt sie. Der Lyriker Alexandru Bulucz erinnert sich in seiner von "Bilder und Zeiten" dokumentierten Dankesrede zur Auszeichnung mit dem Hölty-Preis an seine Kinderzeit auf einem Gehöft in Rumänien: Es "ist das Epizentrum meiner Gedichte". Michael Pilz porträtiert in der WamS die Schriftstellerin Ruth Maria Thomas. Die Schriftstellerin Teresa Präauer zeigt sich in der SZ entsetzt darüber, dass Wien die bislang hartnäckig eingenommene Spitzenposition unter Ex-Pats als unfreundlichste Stadt an Berlin und München verloren hat und ruft ihre weichgewordenen Mit-Wiener daher zum konsequenten Ungustl-tum auf. Und: Die Jury der SWR Bestenliste hat Ronya Othmanns "Vierundsiebzig" über den Genozid an den Jesiden zum Buch des Jahres erklärt.
Besprochen werden unter anderem Alain Finkielkrauts Essay "Revisionismus von links" (taz), Mircea Cartarescus "Theodoros" (Intellectures), Sasha Filipenkos "Der Schatten einer offenen Tür" (taz), Udo Kawassers Gedichteband "tarquinia" (FR), Jayrôme C. Robinets Debütroman "Sonne in Scherben" (taz), Roman Ehrlichs "Videotime" (FAZ), die Ausstellung "Kafka - Metamorphosis of an Author" in der Israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem (FAZ) und Heinz Strunks "Der Zauberberg 2" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Außerdem liegt der FAZ heute eine Literaturbeilage zum Advent bei, unter anderem legt darin Clemens J. Setz uns Alan Moores Romanepos "Jerusalem" allerwärmstens ans Herz.
"Ein Plädoyer von solcher Prominenz hat es aus Deutschland seit langer Zeit nicht mehr gegeben", staunt Andreas Platthaus in der FAZ, ohne zu erwähnen, dass der Aufruf vom Perlentaucher und der Geschäftsstelle Friedenspreis des Deutschen Buchhandels lanciert wurde. Dieses Plädoyer sei "ganz im Sinne von Sansal, der in seiner Friedenspreisrede auch gesagt hat: 'Wir Völker des Südens versuchen, uns vom Joch unserer bösartigen und archaischen Diktaturen zu befreien, in dieser arabisch-muslimischen Welt, die einst ruhmreich und tatkräftig war, nun aber schon so lange verschlossen und erstarrt ist, dass wir schon vergessen haben, dass wir Beine haben und einen Kopf, und dass man auf seinen Beinen stehen und gehen und laufen kann, oder auch tanzen, wenn einem der Sinn danach steht, und dass man mit seinem Kopf jenes unvorstellbar Zauberhafte tun kann, nämlich sich eine Zukunft ersinnen und diese dann auch leben, hier, in der Gegenwart, in Frieden, in Freiheit, in Freundschaft.' Die Freilassung Boualem Sansals wird der Prüfstein darauf sein, ob man von so etwas wenigstens noch offen reden kann, wenn man es schon nicht offen leben kann."
Weitere Artikel: "Der Streit, der Charlotte Gneuß belastete und Ingo Schulze beschädigte, ist symbolisch beigelegt worden", schreibt Andreas Platthaus in "Bilder und Zeiten" der FAZ und macht dies daran fest, dass in der neuen, von Gneuß herausgegebenen Ausgabe der Neuen Rundschau zum Thema "Wie erzählen wir die DDR" auch Schulze mit einem Aufsatz vertreten ist. Tilman Krause (WamS) und Lorenz Jäger (FAZ) gratulieren dem Schriftsteller Botho Strauß mit großen Essays zum 80. Geburtstag. Thomas David spricht für die FAS mit der irischen Schriftstellerin Claire Keegan: "Literatur ist die Aufzeichnung menschlicher Erschütterungen und all dessen, was es heißt, lebendig zu sein", sagt sie. Der Lyriker Alexandru Bulucz erinnert sich in seiner von "Bilder und Zeiten" dokumentierten Dankesrede zur Auszeichnung mit dem Hölty-Preis an seine Kinderzeit auf einem Gehöft in Rumänien: Es "ist das Epizentrum meiner Gedichte". Michael Pilz porträtiert in der WamS die Schriftstellerin Ruth Maria Thomas. Die Schriftstellerin Teresa Präauer zeigt sich in der SZ entsetzt darüber, dass Wien die bislang hartnäckig eingenommene Spitzenposition unter Ex-Pats als unfreundlichste Stadt an Berlin und München verloren hat und ruft ihre weichgewordenen Mit-Wiener daher zum konsequenten Ungustl-tum auf. Und: Die Jury der SWR Bestenliste hat Ronya Othmanns "Vierundsiebzig" über den Genozid an den Jesiden zum Buch des Jahres erklärt.
Besprochen werden unter anderem Alain Finkielkrauts Essay "Revisionismus von links" (taz), Mircea Cartarescus "Theodoros" (Intellectures), Sasha Filipenkos "Der Schatten einer offenen Tür" (taz), Udo Kawassers Gedichteband "tarquinia" (FR), Jayrôme C. Robinets Debütroman "Sonne in Scherben" (taz), Roman Ehrlichs "Videotime" (FAZ), die Ausstellung "Kafka - Metamorphosis of an Author" in der Israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem (FAZ) und Heinz Strunks "Der Zauberberg 2" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Außerdem liegt der FAZ heute eine Literaturbeilage zum Advent bei, unter anderem legt darin Clemens J. Setz uns Alan Moores Romanepos "Jerusalem" allerwärmstens ans Herz.
Kunst

Das halbe aristokratische Europa bestellte Blumenbilder bei der niederländischen Barockmalerin Rachel Ruysch, "und das Besitzbürgertum der großen Handelsstädte verzehrte sich nach ihren Arrangements von Blüten, Faltern und Reptilien", weiß Andreas Kilb (FAZ), der sich freut, dass die "Blumenvirtuosin" nun auch in der Schau "Nature into Art" in der Alten Pinakothek in München wiederentdeckt werden kann: "Wer durch die Münchner Ausstellung geht, begegnet siebenundfünfzig meisterhaften Kompositionen aus Flora und Fauna, alle mit derselben Unbedingtheit im Detail und derselben erlesenen Balance von Farben und Formen, Blüten und Blattwerk, hellen und dunklen Partien. Mal ist die diagonale Bewegung von links unten nach rechts oben, die zumal in Ruyschs Frühwerk auffällt, stärker betont, mal mischen sich Früchte, Vogelnester und totes Laub in die stumme Symphonie der Blumen, aber kein einziges Mal lässt die Spannung nach, die diese ekstatisch kühlen, wie nächtliche Visionen aus ihrem tiefschwarzen Hintergrund aufsteigenden Bilder zusammenhält."
Im gestrigen FR-Interview (unser Resümee) hatte Nan Goldin der Neuen Nationalgalerie Zensur vorgeworfen, ein Dia, in dem sie Solidarität mit "mit den Menschen in Gaza, im Westjordanland und im Libanon. Und mit den israelischen Zivilisten, die am 7. Oktober getötet wurden" zeige, habe sie herausnehmen müssen. Dem widerspricht deren Direktor Klaus Biesenbach, das Dia sei ohne Rücksprache eingefügt worden, die israelischen Opfer nicht erwähnt worden, schreibt Andreas Kilb heute in der FAZ: Wenn das Dia, das Goldin eingefügte, "wirklich so aussah, wie Biesenbach behauptet, ist es keine künstlerische Intervention, sondern ein Stück Agitation", meint Kilb: "Sie ist unklug genug, der Nationalgalerie nachträglich vorzuwerfen, sie habe 'keinen Hinweis auf meine Politik' in ihrer Präsentation zugelassen. So wird die Cancel-Karte immer wieder hervorgezogen, wenn der antiisraelische Aktivismus irgendeinen Widerspruch erfährt. Vielleicht sollte jemand Nan Goldin erklären, dass die Privatmeinung einer berühmten Künstlerin noch keine Politik ist und der 'Raum für Trauer', den sie einfordert, allen Opfern des Nahostkonflikts gebührt."
"Die Neue Nationalgalerie hielt dagegen dem durch die Antisemitismus-Resolution des Bundestages erhöhten Druck stand und blieb bei Nan Goldins Ausstellung, auch um als Beispiel für andere Kulturinstitutionen voranzugehen", kommentiert Nicola Kuhn im Tagesspiegel: "Die Künstlerin dankt es dem Museum schlecht. Man könnte sagen: Nan Goldin hat den Test nicht bestanden. Ihr geht es um Selbstinszenierung." Und in der Welt wird Marcus Woeller allgemeiner: "Seitdem die Documenta wegen der Ausstellung antisemitischer Exponate und fehlendem Verantwortungsbewusstsein zum Fiasko wurde, sind die schmalen Meinungskorridore zugeschüttet. Resolutionen der Politik werden sie nicht wieder frei schaufeln können. Die Kunstwelt hat sich eine Dialektik von Boykott und Gegenboykott angewöhnt."
Weitere Artikel: Auf den Bilder und Zeiten-Seiten der FAZ bespricht Astrid Kaminski das bisher nur auf Niederländisch erschienene Buch "De Ontdekking van Holland", in dem sich der Autor Jan Brokken der mutmaßlich größten Künstlerkolonie der Welt im niederländischen Volendam widmet. Besprochen wird die Ausstellung "Saltimbanques" in der Berliner Galerie Mehdi Chouakri (Tsp).
Bühne

Gerade erst ist Martina Hefters Roman "Hey guten Morgen, wie geht es Dir?" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden, schon bringt sie ihn unter dem Titel "Soft War" auf die Bühne des Leipziger Schauspiels - aber überzeugen kann sie Nachtkritikerin Katrin Ullmann nicht. Hefter, eigentlich Performancekünstlerin, steht selbst auf der Bühne und versucht "Abbitte" zu leisten, wenn sie dem Kolonialismus des Westens eine Mitschuld am Love-Scamming von Männern aus dem "Globalen Süden" gibt: Dabei will sie alles richtig machen und "politisch korrekt sein und auf keinen Fall rassistisch (wer will das schon?), will faktenreich argumentieren (369 Fälle von Love Scammern weist allein eine Statistik des LKA Sachsen im Jahr 2023 nach), Unrechtsgefühle nachweisen (das ist Betrug), Verletzbarkeit aufzeigen (da war ein Versprechen), aber zugleich die eigenen Privilegien (weiß, westlich) hinterfragen. Das ist für einen Theaterabend ganz schön viel und zugleich auch zu wenig - Haltung. Da geht vor lauter Behutsamkeit die Reibungsfläche verloren, verliert sich der feine Text, das freche Experiment in den vielen selbst gesetzten Ausrufungszeichen."
Die Berliner Zeitung hat mit einem wütenden Barrie Kosky über den Baustopp der Komischen Oper telefoniert: Für Kosky "ist die Sache glasklar: 'Die CDU will die Komische Oper schließen. Das muss auf den Tisch. Sie lügen, wenn sie sagen, dass sie das Haus in der Behrenstraße erhalten wollen! Ich denke, dass der Finanzsenator Evers und auch andere in der CDU schon lange davon träumen, nur zwei Opernhäuser in Berlin zu haben. Die Deutsche Oper im Westen und die Staatsoper Unter den Linden im Osten. Und die Komische Oper wird bestraft: für ihren Erfolg, für ihre DDR-Geschichte, dafür, dass dieses kleine Haus für Diversität und Vielfalt sorgt. Dass sie jetzt sagen, die Komische Oper sei ihnen wichtig, das ist Bullshit.'" Kosky weist im Gespräch auch darauf hin, dass das Problem nicht mal die Kürzungen im Kulturetat seien, sondern dass sie so kurzfristig kommuniziert wurden.
Weitere Artikel: Für die FR spricht Judith von Sternburg mit dem Bühnenbildner Etienne Pluss, der verantwortlich ist für das Bühnenbild von R.B. Schlathers Inszenierung von Verdis "Macbeth", die am Wochenende in Frankfurt Premiere feiert, über Zusammenarbeit mit Regie und Dirigat im Allgemeinen und mit Claus Peymann im Besonderen. Die russische Theaterkritikerin Marina Davydova verlässt die Salzburger Festspiele als Schauspieldirektorin, meldet unter anderem Christiane Lutz in der SZ: Laut Pressemitteilung sei das Vertragsverhältnis "infolge von Verstößen gegen vertragliche Dienstpflichten, insbesondere durch die weder angezeigte noch genehmigte Tätigkeit Marina Davydovas bei einem Berliner Theaterfestival" aufgelöst worden. In der FAS besucht Albrecht Selge den albanischen Tenor Saimir Pirgu, der in seiner Heimat Tirana in der Puccini-Oper "Tosca" auf der Bühne steht.
Besprochen werden eine Berliner Veranstaltungsreihe des Dokumentationszentrums Mena Prison Forum im Berliner HAU, die sich mit Gefängnis und Folter in Nahost beschäftigt (taz) und Matthias Ripperts Inszenierung von Lot Vekemans Stück "Blind" am Münchner Residenztheater (nachtkritik)
Architektur
Fünf Jahre nach dem Brand wird die Pariser Kathedrale Notre-Dame am 7. Dezember wiedereröffnen. Im FAZ-Gespräch mit Stefan Trinks gibt der Kunsthistoriker Stephan Albrecht, der Mitglied in Macrons Wiederaufbau-Beirat ist, erste Einblicke: "Der Innenraum wurde von der unglaublich dicken Schmutzschicht fast erstickt. Nach der Reinigung ist die Qualität der Skulptur endlich wieder erlebbar. Die Oberflächen im Mittelschiff haben nun einen steinfarbenen, dünnen Schutzanstrich erhalten. Die Kapellenwände leuchten in den bunten Farben, die unter dem Schmutz fast intakt zutage traten. Es wurden kaum Ergänzungen hinzugefügt. Sensationell! Die architektonischen Glieder sind nach dem Farbschema des 19. Jahrhunderts neu gefasst. Das ist nicht ganz konsequent, aber vertretbar. Kritik wird es vielleicht geben, Notre-Dame hält das aus."
An der Place du Palais Royal, fußläufig entfernt von der Bourse de Commerce, die die Privatsammlung von Francois Pinault beherbergt, entsteht auf fast 10.000 Quadratmetern die neue Fondation Cartier, dafür hat Architekt Jean Nouvel einen kompletten Häuserblock entkernen lassen, staunt Martina Meister in der Welt, die den Franzosen getroffen hat: "Die neue Fondation Cartier ist ein Projekt der Superlative: 8500 Quadratmeter groß, davon 6500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, ein Block von 150 Metern, 'die Länge des Centre Pompidou', bemerkt Nouvel stolz. ... Man wird später durch das Gebäude durchblicken können, vom Louvre auf das Palais Royal schauen. Bestückt hat Nouvel den Innenraum mit fünf mobilen Plattformen, jede 1250 Quadratmeter groß, die man beliebig in der Höhe verändern kann, eine Innovation, 'angesiedelt zwischen der Spitzentechnologie von militärischen Flugzeugträgern und den Maschinerien von Theatern und Opernhäusern', die theoretisch ein ganzes Wohnhaus tragen kann, erklärt Nouvel."
An der Place du Palais Royal, fußläufig entfernt von der Bourse de Commerce, die die Privatsammlung von Francois Pinault beherbergt, entsteht auf fast 10.000 Quadratmetern die neue Fondation Cartier, dafür hat Architekt Jean Nouvel einen kompletten Häuserblock entkernen lassen, staunt Martina Meister in der Welt, die den Franzosen getroffen hat: "Die neue Fondation Cartier ist ein Projekt der Superlative: 8500 Quadratmeter groß, davon 6500 Quadratmeter Ausstellungsfläche, ein Block von 150 Metern, 'die Länge des Centre Pompidou', bemerkt Nouvel stolz. ... Man wird später durch das Gebäude durchblicken können, vom Louvre auf das Palais Royal schauen. Bestückt hat Nouvel den Innenraum mit fünf mobilen Plattformen, jede 1250 Quadratmeter groß, die man beliebig in der Höhe verändern kann, eine Innovation, 'angesiedelt zwischen der Spitzentechnologie von militärischen Flugzeugträgern und den Maschinerien von Theatern und Opernhäusern', die theoretisch ein ganzes Wohnhaus tragen kann, erklärt Nouvel."
Film

Mit Aaron Schimbergs "A Different Man" und Joanna Arnows "Dieses Gefühl, dass der Zeitpunkt, etwas zu tun, vorbei ist" kommen in den nächsten Wochen zwei neue Filme aus New York in die deutschen Kinos. Arnow trat auch schon mal in einem Film von Schimberg auf. Zeichnet sich da - nicht zuletzt auch durch Sean Baker, dessen "Anora" im Frühling in Cannes ausgezeichnet wurde - ein neuer Independent-Zusammenhang aus der US-Metropole ab? "Noch ist es zu früh, um dies zu ermessen", schreibt Bert Rebhandl in der FAS. Auch kommen die drei Genannten "eher aus Traditionen eines einsamen Autorenkinos, wie es Jim Jarmusch geprägt hat, der seit vierzig Jahren sein eigenes Ding macht. ... 'Dieses Gefühl, dass der Zeitpunkt, etwas zu tun, vorbei ist' ist im Grunde eine Hollywood-Komödie, nur im Modus einer subversiven Beiläufigkeit. 'A Different Man' ist ein Gruselfilm wie aus den besten Zeiten des Studiokinos, nur philosophisch deutlich radikalisiert. Beide Filme sind großes Kino, nur eben im Zeichen einer kritischen Differenz, die man früher manchmal Eigensinn nannte."
Weitere Artikel: Sollte die Reform der Filmförderung mit dem Ampel-Aus ebenfalls scheitern, "droht rund eine halbe Milliarde Euro Produktionsvolumen in andere Länder zu gehen", fürchtet Helmut Hartung in der FAZ. Teresa Schaur-Wünsch spricht für die Presse mit Devrim Lingnau über ihre Rolle als "Sisi" in der nunmehr zweiten Staffel der Netflix-Serie "Die Kaiserin". Valerie Dirk empfiehlt im Standard die Retrospektive Lana Gogoberidze im Österreichischen Filmmuseum.
Besprochen werden Markus Steins Dokumentarfilm "Baldiga - Entsichertes Herz" über den Fotografen Jürgen Baldiga, der in den Achtzigern die schwule Szene Westberlins begleitete (Tsp), der Disney-Animationsfilm "Vaiana 2" (Standard) und Vicente Amorims Netflix-Serie "Ayrton Senna" (FAZ).
Musik
Christoph Irrgeher annonciert im Standard ein Wiener Bachkonzert von John Eliot Gardiner samt Constellation Choir und dem Constellation Orchestra. Jürgen Kesting (FAZ) und Christian Wildhagen (NZZ) schreiben über Giacomo Puccini, der vor 100 Jahren gestorben ist. Dlf Kultur würdigt Puccini mit einer "Langen Nacht" von Jürgen König. Corinne Holtz erinnert in der NZZ an den Komponisten Klaus Huber, der dieser Tage 100 Jahre alt geworden wäre. Andreas Hartmann hat für die taz den (auch im Netz gewerblich tätigen) Schallplattenladen Kontor Records im brandenburgischen Kyritz besucht, der sich Hoffnungen auf eine Auszeichnung mit dem morgen in Köln verliehenen "Emil" macht. Dirk Peitz blickt für Zeit Online auf aktuellen Streitigkeiten um den Benefiz-Schmierensong "Do They Know It's Christmas?", dem mal wieder Paternalismus statt echter Solidarität vorgeworfen wird. Jean-Martin Büttner berichtet in der NZZ von einer Vernissage zur Veröffentlichung von zwei Büchern zur Schweizer Mundartgruppe Züri West.
Besprochen werden eines der seltenen Konzerte der Krautrock-Legende Agitation Free um Gitarrist Lutz "Lüül" Ulbrich (taz) und ein Auftritt von BAP in Frankfurt (FR).
Besprochen werden eines der seltenen Konzerte der Krautrock-Legende Agitation Free um Gitarrist Lutz "Lüül" Ulbrich (taz) und ein Auftritt von BAP in Frankfurt (FR).
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