Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
29.03.2023. Die FAZ erkennt, warum nur Gérard Depardieu in Patrice Lecontes neuer Simenon-Verfilmung den Maigret spielen kann. Einen divenhaft charmanten, aber auch zynischen Tschaikowsky erlebt die NZZ in Kirill Serebrennikows dunklem Film "Tchaikovsky's Wife". Die FAZ taucht zu mystischen-meditativen Sinfonien in Refik Anadols Maschinen-Halluzinationen. Die taz würde sich lieber nicht von Ole Scheerens spektakulären Bauten überwältigen lassen. In der taz möchte auch die Literaturwissenschaftlerin Sigrid Köhler lieber nicht mehr Wolfgang Koeppen lesen.
28.03.2023. Tja, die Sanierung des Pergamonmuseums wird etwas teurer als geplant, dauert dafür aber auch länger, melden die Zeitungen. Die FAZ erlebt in Darmstadt, wie die moderne Kunst mit ihrem großen Sprung zurück dem Manierismus des Fin de siècle entkam. Welt und Tagesspiegel halten sich bei Katharine Mehrlings rasanter Kurt-Weill-Peformance an ihren Sitzen fest. Romane sollten nicht aus dem Schulunterricht entfernt werden, weil darin Rassismus auch in rassistischen Formulierungen reflektiert wird, meint Harry Nutt in der FR. Und allen Zitaten zum Trotz haben es De la Soul jetzt doch in die Streamingdienste geschafft, freut sich die SZ.
27.03.2023. Man kann also auch großzügig und freundlich über identitätspolitische Themen nachdenken, lernen SZ und FAZ in Yasmina Rezas Stück "James Brown trug Lockenwickler". Der Tagesspiegel lernt von der dänischen Architektur die Linien straff zu ziehen. Die FAZ staunt beim Comic-Festival "Fumetto" in Luzern, wie hervorragend Sprechblasen mit Bildern funktionieren. Die Welt fragt sich, was die Filmakademie gegen Christian Petzold hat. Im Filmdienst erklärt Emmanuel Mouret, warum Sexszenen im Film so schwierig sind.
25.03.2023. Die Berliner Zeitung begeistert sich für die fliegenden, orgiastischen Körperteile der amerikanischen Künstlerin Christina Quarles. Zuviel Obsession für den weiblichen Körper kann aber auch nerven, bemerkt die nmz in einer Genter Inszenierung von "Tristan und Isolde". Die taz hofft, dass demnächst KI strunzlangweilige Musikerinterviews aufpeppt. Die Welt trifft sich mit Georg Klein auf der Reeperbahn, um über das Jenseits zu plaudern. Die FAZ fordert einen sofortigen Baustopp für den geplanten Erweiterungsbau des Kanzleramts. Die SZ schwelgt in "Garden Futures".
24.03.2023. Nach vielen Wirren und Antisemitismus-Vorwürfen , die nicht zutrafen, dürfte Wajdi Mouawads Stück "Die Vögel" am Münchner Metropoltheater eigentlich gezeigt werden, darf aber nicht - die NZZ ist bestürzt. Der tatsächliche Antisemit Roger Waters soll nur auftreten, ruft Ronen Steinke in der SZ. Bei Lana del Reys neuem Album "Did You Know That There's a Tunnel Under Ocean Blvd" wird Pitchfork ganz lyrisch. Navid Kermani spricht im Van Magazin über seine Liebe zu klassischer Musik und begründete schlechte Laune im WDR. Überall wird Daniel Sagers Relotius-Doku besprochen.
23.03.2023. Ursula Schultze-Bluhm, genannt "Ursula" stach mit dem Pinselstiel in die noch feuchte Farbe. Das Ergebnis ist jetzt in Köln zu sehen und fasziniert den Tagespiegel. Bei artechoc erklärt John Malkovich, was er mit der Kamera und diese mit ihm macht. Forscher untersuchten Beethovens Gene und fanden laut FAZ heraus: Er war gar kein Beethoven. Und er war weiß. Und Depeche Mode singen Neues "zu gewaltigen Pauken" und erschüttern Zeit online.
22.03.2023. Die SZ hat herausgefunden, welche Architekturbüros sich für Saudi-Arabiens groteskes Wüstenprojekt Neom in der saudi-arabischen Wüste hergeben, darunter etliche, die Nachhaltigkeit predigen. Der Guardian erlebt in der National Gallery einen kunsthistorische Schock: Cézanne war moderner als van Gogh. Die FAZ interpretiert die Missklänge in der russischen Propagandamusik. Außerdem erinnert sie an das Schwellenjahr 1997, als junge Designer die Haute Couture übernahmen.
21.03.2023. FAZ und FR stürzen in Frankfurt mit Richard Strauss' Elektra" in einen wahren Musikrausch. In der Nachtkritik berichtet Regisseur Yiannis Panagopoulos, warum die griechische Kunstwelt auf die Barrikaden geht. Die FAZ stellt die italienischen Künstlerinnen vor, die es mit ihren notorischen Verbrecherkollegen aufnehmen konnten. Die taz bewundert, wie die iranische Künstlerin Farkhondeh Shahroudi Sprechen und Schreiben verwebt. Und die Literaturkritik liest ein Frühlingsgedicht von Brecht: Die Kälte wird vorübergehen, der Krieg wird kommen.
20.03.2023. Größtes Opernglück erlebt die SZ in Paris mit Francis Poulencs schräger Minioper "Les Mamelles de Tirésias" und Sängergroßmeisterin Sabine Devieilhe. Tagesspiegel und FR baden an der Deutschen Oper in Berlin im Schlagsahnenklang von Richard Strauss' "Arabella". In der NZZ beschreibt Konstantin Akinsha, wie in Russlands Kunstbetrieb die Zensur durchgesetzt wird. In der FAS erzählt die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga, wie Simbabwes Obrigkeiten sie einzuschüchtern versuchen. Die taz huldigt dem DIY-Ethos der japanischen Punk-Musikerin Phew.
18.03.2023. In der NZZ erzählt der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch, wie er an der Kriegsfront in der Ukraine auch die Freiheit seiner Familie verteidigt. In der FAS konfrontiert Ronya Othmann die Leitung des African Book Festivals mit den angeblich "unbelegten Vorwürfen" gegen Mohamedou Ould Slahi. Die NZZ lässt sich von Wayne Thiebaud in Basel ein bisschen Glück spenden. Die Berliner Zeitung erkennt in Moritzburg, wie die Malerin Doris Ziegler westlichen Feminismus in den realen Sozialismus schleuste. Und ZeitOnline hört schaurig-absurden Schweinerock von Yves Tumor.