Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
21.04.2026. Die taz stellt den kurdisch-stämmigen Modedesigner Sezgin Kivrim vor, der mit der kurdischen Flagge auf einem Pulli einen Shitstorm ausgelöst hat. Die FAZ wandert durch die poststrukturalistisch angelegten Ausstellungsräume der neuen David Geffen Galleries in LA und überlegt, was Elitismus ist. Monopol feiert in Baden-Baden die so unheimliche wie schöne Kunst von Katharina Wulff. Die NZZ wirft jungen Schriftstellerinnen wie Sally Rooney und Caroline Wahl vor, nur sozialverträglich aufmüpfig zu sein.
20.04.2026. Das Gorki-Theater verabschiedet sich von Shermin Langhoff - die Kritiker sehen mit Marta Górnickas "Kassandra" ein Deutschland anklagendes, aber rauschhaftes Stück. Die FAZ pilgert in das von Christoph Mäckler entworfene Terminal 3 des Frankfurter Flughafens. Der Verbrecher Verlag beklagt im Freitag die Masse an antisemitischen Kommentaren, mit denen er sich in sozialen Medien herumschlägt. Warum wollen wir gerade jetzt Filme über den Iran sehen und aus welchem Blickwinkel, fragt der Filmdienst. Regisseur Markus Schleinzer wünscht sich in dem Standard Erlösung im Zwischenmenschlichen und nicht auf der Leinwand.
18.04.2026. Die NZZ feiert in Zürich die Wiederentdeckung der Künstlerin Marisol, die die indigene Schnitzkunst in die Pop-Art brachte. Außerdem porträtiert die NZZ bei ihrem Rundgang über die Diriyah-Biennale saudische Künstler, die sich nicht einschüchtern lassen. Die FAS wird sich nach einer Ausstellung in München beim Friseur künftig vorm Zähneziehen fürchten. Die SZ träumt nach dem Besuch der Mailänder Designwoche vom Leben im Eames House. Der große Teil der Literaturkritik verzichtet aufs Verreißen, weil der ein oder andere Kritiker bereits einen Buchvertrag unterzeichnet hat, glaubt die taz. Und der Perlentaucher erinnert mit Tete Loepers Roman "Shut up and hide!" an den Genozid an den Tutsi in Ruanda.
17.04.2026. Die Theaterkritiker verlieren sich beim Berliner FIND-Festival mit Katie Mitchell und Maggie Nelson im Mund einer Mohnblume in Suff, Sex und Trauer. So hinreißend ist Raffael nie entzaubert worden, freut sich die Welt in einer monumentalen Ausstellung im New Yorker MET. Monopol findet Balance dank Alexander Calder in Paris. Artechock stöhnt angesichts der neofeudalen Gremien, die darüber entscheiden, dass Kunst die Bürger nicht ärgern darf. Und Boards of Canada geben ihr erstes Lebenszeichen nach 13 Jahren.
16.04.2026. Die FAZ ärgert sich, dass die Feier der Sexarbeit in der Bonner Bundeskunsthalle alle Probleme der Prostitution ausblendet. Die SZ hat lange nicht so grandioses Musiktheater gesehen wie in Tobias Kratzers Hamburger Inszenierung "Frauenliebe und -sterben". Aber darf ein männlich gelesener Regisseur überhaupt den Feminismus ins Musiktheater tragen, fragt die nachtkritik. Außerdem feiert die SZ Michel Houellebecq als Nachtwächter der europäischen Kultur. Die NZZ staunt in Anna Rollers gleichnamiger Verfilmung, wie schnell Leif Randts Roman "Allegro Pastell" aus der Zeit gefallen ist.
15.04.2026. Sind spanische Literaturpreise zu hoch dotiert? Nein, eher deutsche zu niedrig, findet die SZ. Moses Pelham darf - wahrscheinlich - Kraftwerk samplen, entscheidet der Europäische Gerichtshof. Der Tagesspiegel glaubt allerdings, dass die Entscheidung künftig die Kunstfreiheit eher einschränken wird. Die FAZ schlägt Alarm: Das Chemnitzer Bühnenkulturangebot könnte bald halbiert werden, wenn es nach der örtlichen SPD geht. Ebenfalls die FAZ ist ergriffen von Lee Millers Buchenwald-Fotografien, die zur Zeit in Weimar ausgestellt werden.
14.04.2026. FAZ und FR erleben in Andrea Breths Inszenierung der Puccini-Oper "Turandot" den Alptraum eines zeitlosen totalitären Regimes. Monopol erfährt vom polnischen Künstlerduo Bogna Burska und Daniel Kotowski, die den diesjährigen Biennale-Pavillon gestalten, wie Gebärdensprache und Walgesänge zusammenhängen. Die taz sieht bei einer Retrospektive der Filme von Hara Kazuo verstörende Bilder von japanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Die Welt freut sich über eine angenehm prunklose Performance von Justin Bieber beim Coachella-Festival.
13.04.2026. Franz Schrekers Oper "Das Spielwerk und die Prinzessin" begeistert die Kritiker in Halle. Outlook India trauert um die Sängerin Asha Bhosle, die große Stimme Bollywoods. Die SZ fragt sich, wie es mit der Sammlung Bührle weitergehen soll. Die FAZ wirft einen Blick auf den schon über zwanzig Jahre dauernden Kritiker-Streit zwischen Elke Heidenreich und Denis Scheck. Die Rolling Stones haben eine neue Single rausgebracht - aber nur auf Vinyl und unter dem Alias The Cockroaches, melden die Kritiker.
11.04.2026. In der taz ist Feridun Zaimoglu total genervt von den deutschen Supertürken. Was wird denn jetzt aus dem Haus von Jürgen Habermas am Starnberger See, fragt die SZ und hat auch eine Idee. Außerdem amüsiert sie sich königlich bei den Proben zu Beth Steels Hochzeits-Familiendrama "Wenn die Sterne fallen" am Theater Osnabrück. In der FAZ erzählt B. K. Tragelehn, warum er Anfang der Neunziger aufgehört hat zu inszenieren: Zu viel Ironie. Details sind die Primzahlen der Prosa, verkündet Michael Maar in der FAZ, und die kann KI nicht.
10.04.2026. Die Feuilletons trauern um Mario Adorf, die "Seele und das Herz" des deutschen Films, wie die FR schreibt. ZeitOnline hofft, dass durch den New Yorker Verleger Edwin Frank Hans Erich Nossacks Novelle "Der Untergang" aus dem Jahre 1948 in den deutschen Kanon gelangt. Hyperallergic freut sich indes für die Amerikaner, dass sie jetzt auch Gabriele Münter kennenlernen dürfen. Monopol lässt sich von nichts abhalten, gut gelaunt über die Diriyah-Biennale in Riad zu flanieren. Und die FAZ kann nur müde lächeln, wenn Norman Foster Queen Elisabeth II Biodiversität widerspiegeln lässt.