Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
09.04.2026. Die taz lernt in Remagen den politischen Günther Uecker kennen, der die Menschenrechtserklärung nach China schmuggelte. Die SZ verschmilzt in Mannheim mit Kaari Upson in Hugh Hefners Playgirlgrotte. ZeitOnline listet die Künstler auf, die die Begleitmusik zum Antisemitismus in Großbritannien liefern. Die FAZ fragt, was Boualem Sansal wohl bewogen hat, von Gallimard ausgerechnet in den Verlag des extrem rechten Medienmoguls Vincent Bolloré zu wechseln. Und der Perlentaucher erlebt mit Barbara Loden die Enttäuschung der Feministinnen der Siebzigerjahre.
08.04.2026. Karin Bergmann wird neue Intendantin der Salzburger Festspiele - eine Posse, meint die Welt: ihr Vorgänger wurde gefeuert, weil er sich für sie stark machte. Die FAZ bejubelt derweil die fluffigen Klänge einer Rameau-Barockoper, die in Genf aufgeführt wird. Weit mehr als nur Postkartenbilder liefert "Pompeji: Unter den Wolken", ein per Streaming verfügbarer politischer Dokumentarfilm des italienischen Regisseurs Gianfranco Rosi, freut sich die taz.
07.04.2026. Die brutale Gegenwart in Israel seit dem 7. Oktober erlebt die FAZ beim Theaterfestival "Isradrama", bei dem Deutschland als einziger Gast aus Westeuropa anreiste. Die NZZ bewundert in Paris die strahlenden Algen, die Henri Matisse in seinem zweiten Leben schuf. Wann hat Popmusik eigentlich zuletzt provoziert, fragt sich die Welt. Im Perlentaucher erinnert sich Angela Schader mit Devika Reges' Debütroman an ein Indien vor Narendra Modi. Dank einer leuchtenden Siri Hustvedt in Sabine Lidls Porträtfilm vergessen FAZ und Standard kurz die hässliche amerikanische Gegenwart.
04.04.2026. Die FAS fragt sich, ob Olivier Assayas' Verfilmung von Giuliano da Empolis Roman "Der Magier im Kreml" Propaganda für Russland machen will. Viel Spaß haben die Feuilletons, wenn Lars Eidinger in Molières "Der Geizige" an der Berliner Schaubühne als deutscher Boomer im Autohaus auftritt. Die taz blickt andächtig auf kleine Rothkos in Florentiner Mönchszellen. Und in der NZZ rechnet Apples Ex-Designer, der Schwarzwälder Hartmut Esslinger, mit Apple ab. Und der Perlentaucher wünscht Frohe Ostern!
02.04.2026. Die taz hofft mit den mutigen russischen Medienmacherinnen aus Julia Loktevs Doku "My Undesirable Friends: Part I" auf ein neues Jahr ohne Putin. Die FAZ schwebt auf Twyla Tharps Tanzstück "In the Upper Room" davon. KI-generierte Musik ist für das menschliche Ohr nicht mehr von echter zu unterscheiden, erfährt die FAZ von Deezer-CEO Alexis Lanternier. Die taz lernt außerdem, wie gefährlich Punks in Manila leben.
01.04.2026. Donald Trump präsentiert Entwürfe für seinen neuen Ballsaal und die SZ mokiert sich über Treppen, die ins Nichts führen. Lustvoll plattwalzen lässt sich die Welt von Raphael Pichons majestätischer neuer "Johannespassion"-Einspielung. Die Zeit tanzt in Carla Simóns Film "Romería - Das Tagebuch meiner Mutter" mit Geistern. Die FAZ begegnet in Apolda den märchenhaften Aktfotografien Günter Rösslers. critic.de bejubelt Barbara Lodens unter die Haut gehenden Klassiker "Wanda", der erstmals in die deutschen Kinos kommt.
31.03.2026. FAZ und SZ applaudieren einer grandiosen Anna Netrebko in Rafael R. Villalobos "Maskenball"-Inszenierung in Berlin - die Welt ist nicht glücklich. Die SZ taucht in einer vor fünfzig Jahren gecancelten Ausstellung in Dortmund in das Leben griechischer Gastarbeiter ein. Der wahre Horror besteht darin, sterblich zu sein, verrät die Regisseurin Julia Ducournau im Filmdienst-Interview. Die Schauspielerin Kim Novak lehnt es ab, in einem Biopic von Sydney Sweeney gespielt zu werden, weiß die SZ: "zu sexy".
30.03.2026. Alle strömen zu den Osterfestspielen in Salzburg, um Kirill Serebrennikows Inszenierung des "Rheingold" als rauschendes Klangfest zu erleben. Für James Blake hat Musik, die von Menschen geschaffen wurde und nicht von KI, etwas Widerständiges, sagt er im Zeit-Interview. Die taz taucht tief in die frühen Alben von Popol Vuh ein. Harry Lightons Langfilmdebüt über eine BDSM-Affäre überzeugt NZZ und Standard mit seiner Offenheit für eine ganz eigene Szene. Im frühen 19. Jahrhundert war der Künstler Joseph Kyselak sowas wie ein früher Sprayer, erfahren wir aus dem Standard.
28.03.2026. So arbeitet man DDR-Vergangenheit auf, ruft eine amüsierte taz mit Blick auf Philipp Ladages Clipserie "DDR Mondbasis". Die Welt lässt sich von Thomas Ostermeier erklären, warum Molières "Der Geizige" so gut in die Gegenwart passt: Denn hier geht es um einen Egozentriker, der es nicht rafft. Die FR staunt über Sachar Prilepins Vorschlag für einen russischen Literaturnobelpreis - natürlich als "antikoloniales" Projekt. Die NZZ erzählt die Geschichte des Museums für zeitgenössische Kunst in Teheran. Die SZ versucht die Anziehungskraft der US-Indieband Geese zu verstehen: Ist es das menschlich Analoge?
27.03.2026. Die Feuilletons trauern um Alexander Kluge, den vielleicht letzten Renaissance-Menschen unserer Gegenwart. Die Salzburger Festspiele steuern nach dem Absägen des Intendanten Markus Hinterhäuser auf die größte Krise der Nachkriegszeit zu, befürchtet die FAZ. Überhaupt steckt das "Theater zwischen Krisen", erfährt die nachtkritik aus einem gleichnamigen Forschungsband. Der Guardian lernt in Cambridge von Frank Bowling, dass auch abstrakter Expressionismus politisch sein kann.