Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
10.02.2023. Der Guardian schwelgt in der White Chapel Gallery in den Farben und Emotionen der abstrakten Expressionistinnen. Der Tagesspiegel will den Streit um das frühere Al-Qaida- und Taliban-Mitglied Mohamedou Ould Slahi Houbeini als Leiter des African Book Festivals ins Programm integriert sehen. Die FAZ wirft einen Blick auf die russischsprachige Literatur in Zeiten des Krieges. Die Musikkritiker trauern um Burt Bacharach, dessen unendlich komplizierte und kühne Songs die FAZ feiert.
09.02.2023. Die NZZ bestaunt die "Milles Arbres", mit denen der japanische Architekt Sou Fujimoto den Périphérique in Paris überbauen möchte. Gustavo Dudamel ist der neue Chef der New Yorker Philharmoniker: Die Welt winkt ab, alles nur Diversity-Opportunismus. Dunkle Liebesmystik durchlebt die FAZ mit Dominik Grafs Film "Gesicht der Erinnerung". Standard, Zeit und SZ sind hingerissen von der Ereignislosigkeit in den Bildern Vermeers. Warum ein Comic für einen Hedgefond plötzlich Millionen wert ist, erklärt in der SZ der Comichistoriker Alexander Braun.
08.02.2023. Die Expertenkommission legt ihren Bericht zum Antisemitismus auf der Documenta fifteen vor: Die Feuilletons sehen schön sortiert, wie viel Ignoranz, Verharmlosung und Abwehr am Werk und wie bedenklich das Kollektiv-Prinzip war. Auch, dass Handeln eine gedankliche Grundlage braucht, hält das Gremium fest. Der Guardian delektiert sich an Vermeers sublimen Alltagsszenen. Welt und Tagesspiegel bewundern Sarah Polleys Drama "Die Aussprache" über Missbrauch und Emanzipation in einer Mennoniten-Gemeinde.
07.02.2023. Im Tagesspiegel wehrt sich Carlo Chatrian gegen Vorwürfe, mit fünf deutschen Filmen im Wettbewerb die Berlinale zu einem regionalen Schaufenster zu machen. FAZ und NZZ jubeln über Inga Kalnas und Stephen Costello in einer Zürcher Inszenierung von Donizettis Tudor-Oper "Roberto Devereux. SZ und Nachtkritik können sich nicht wirklich darüber empören, dass Zürich die Intendanten Stemann und Blomberg ziehen lässt. Die taz fragt, ob Kunsthäuser mit dem Emirat Schardscha kopperieren sollten. Außerdem: Grammyregen für Beyoncé und Harry Styles.
06.02.2023. Im Standard entdeckt Clemens J. Setz im parallelen Denken Poesie und Messiness. Die taz entdeckt die Künstlerin Margaret Raspé, die einst das dumme Huhn in sich tötete. In der SZ glaubt der Dramaturg Roland Zag nicht, dass eine Reform der Förderung den deutsche Film poetischer oder radikaler machen wird. Der Tagesspiegel stellt fest, dass Berlin literarisch unattraktiv geworden ist. Die FAZ mischt sich bei der Hamburger Biennale für Neue Musik unter das endlich wieder junge Publikum. Und alle trauern um den Theatermacher Jürgen Flimm.
04.02.2023. Die gute Nachricht des Tages: Jafar Panahi wurde gegen Kaution freigelassen. In der FAZ erklärt Karl Ove Knausgård, warum der Roman wichtig ist: Er betrachtet die Welt von innen. Die Welt hat erst einmal genug von Schamexzessen in der Literatur. In der FAS wünscht sich Virginie Despentes mehr Sanftheit und Zärtlichkeit. Der Tagesspiegel trifft in München auf Killertulpen. Und die NZZ lernt auf der Fotobiennale in Bamako, wie sich Mali selbst dekolonialisiert.
03.02.2023. FAZ und FR lernen in der Frankfurter Schirn, dass Niki de Saint Phalle nicht nur poppig war, sondern auch eine große, politisch denkende Künstlerin. Im Kunstforum Wien kann man ähnliches bei Kiki Kogelnik entdecken, die lange als Spaßmacherin galt, versichert der Standard. Die SZ plädiert im Namen der Kunstfreiheit auf zwei Seiten dafür, endlich Maxim Billers Roman "Esra" lesen zu dürfen. Die FR berichtet vom Hungerstreik Jafar Panahis, der immer noch im Gefängnis sitzt, obwohl das Urteil gegen ihn verjährt ist.
02.02.2023. Die SZ berauscht sich an der tahitischen Phantasmagorie, die Albert Serra in seinem Film "Pacifiction" ausmalt. Die NZZ bewundert in einer Berner Ausstellung die Alterswildheit Joan Mirós. Und sie stellt fest: Der Rollkragenpullover erlebt ein Comeback bis in die höchsten Führungsebenen. Die FAZ hört dreieinhalb Stunden Prokofjews Monumentaloper "Krieg und Frieden" in Budapest. Ein hingerissener Tagesspiegel durchwandert mit Davide Ferrarios Dokumentation "La Bibliotheca del Mondo" die Bibliothek Umberto Ecos. Van wüsste gern von den Berliner Philharmonikern, ob sie wirklich keine einzige Komponistin aus den 50er- und 60er Jahren kennen?
01.02.2023. Tagesspiegel und epdFilm feiern Park Chan-wooks sinnlich-lyrisches Kriminaldrama "Die Frau im Nebel". Der Standard freut sich im Kunstforum Wien über Kiki Kogelniks feministische, aber quietschbunte Ästhetik. Die FAZ erinnert an den Fall des Burgschauspielers Alfred Lohner, dessen Pädophilie noch den missbrauchten Mädchen als Massenpsychose angekreidet wurde. SZ und Welt melden, dass der 34-jährige Lahav Shani neuer Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker werden soll.
31.01.2023. Die NZZ lässt sich von Peter Knapps Fotografien an die Zeit erinnern, als junge Mode noch den Alltag und Zukunft gestalten wollte. Die Nachtkritik feiert die Lebendigkeit des polnischen Theaters, das sich allen Tabus und politischen Widerständen widersetzt. Die taz bewundert, wie die ukrainische Bildhauerin Zhanna Kadyrova die Schrecken des Krieges bändigt. Die FAZ erkennt das klare Süd-Nord-Gefälle in guter Architektur. Die SZ huldigt der Saxofon-Königin Lakecia Benjamin. Eher gähnen muss die FR über einen im Netz aufgetauchten Porno mit Michel Houellebecq.