Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
22.02.2023. Auf der Berlinale lief Angela Schanelecs Film "Music". Die FR feiert größte Filmkunst, aber ihr elliptisches Kino stößt auch auf Vorbehalte. In der FAZ rekonstruiert der litauische Schriftsteller Marius Ivaškevičius die Ermordung des Filmemachers Mantas Kvedaravičius durch russische Soldaten. Standard und Tagesspiegel diskutieren die Glättung von Roald Dahls Geschichten: Liegt's an politischer Logik oder dem Markt? Bei den Händel-Festpielen in Karlsruhe genießt die FR barocke Leidenschaft. Die SZ schwärmt von Brad Mehldaus neuem Album "Your Mother Should Know".
21.02.2023. Roald Dahls Bücher werden von Sensitivity Readern durchkämmt. Absurde Zensur, findet Salman Rushdie auf Twitter. Die SZ staunt: Hexen können gar nicht durch Haareausreißen erkannt werden? FR und Tagesspiegel lauschen hingerissen Vera-Lotte Boeckers golden glänzendem Sopran in Richard Strauss' "Daphne". Die SZ findet den Berlinale-Wettbewerb ziemlich toll. Im Standard spricht Architekt David Chipperfield über seine innere grüne Wende.
20.02.2023. Auf der Berlinale stört Sean Penn mit seiner Ukraine-Doku "Superpower" die Kritiker auf. Die FAZ zieht ein erstes Zwischenfazit des Wettbewerbs und erkennt auf ziellosen ästhetischen Ehrgeiz. In der FAS erinnert die ukrainische Schriftstellerin Iryna Tsilyk ihren Sohn daran, dass es nicht normal ist, keine Angst vor Bomben zu haben. Die FAZ stellt sich im Museum Frieder Burda Louisa Clements Maschinenfrauen. Die FR lauscht im Staatstheater Wiesbaden den Klängen zum Ende der Welt à la Margaret Atwood.
18.02.2023. Auf der Berlinale erzählt Regisseurin Steffi Niederzoll der taz, wie es kam, dass ausgerechnet sie eine Doku über die in Teheran hingerichtete Studentin Reyhaneh Jabbari drehen konnte. Die Berliner Zeitung lernt aus Sepideh Farsis Animationsfilm "La Sirène" (Panorama), dass selbst der Krieg manchmal schön aussehen kann. Die SZ sieht den Frühling auf der Bühne - in Gestalt der Sopranistin Vera-Lotte Boecker als "Daphne". Die taz porträtiert das koreanische Duo Salamanda als Alternative zum K-Pop.
17.02.2023. Die Filmkritiker winden sich bei Rebecca Millers Berlinale-Auftaktfilm "She Came to Me". Die Zeitungen diskutieren über Claudia Roths Reform der Filmförderung: Die FAZ ist jetzt schon gespannt auf diverse Filme über Clanmafias in Neukölln, die ohne sexistische Sprüche und Verbrenner-Karren auskommen. Die SZ stellt sich in Paris in die Schlange, um ein von Yayoi Kusama gestaltetes Louis-Vuitton-Kofferset für 51.500 Euro zu bewundern. In der taz erzählt die Schriftstellerin Sarah Elena Müller von sexuellen Übergriffen in der linksalternativen Szene. Und ZeitOnline flaniert dank Deichkind mit Kim Jong Un durch den Stadtpark.
16.02.2023. Die Volksbühne soll wieder besetzt werden, die Welt zuckt die Schultern: Eine Idee für ein neues Theater haben weder Pollesch noch die Besetzer. Das Zeit Magazin freut sich schon auf "cooltivierte" Louis-Vuitton-Daunenjacken von Pharrell Williams. In der taz erklärt Kuratorin Julia Meer, warum das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe mehr Guerilla Girls braucht. Die Filmkritiker versuchen sich trotz Baustellenslaloms für die Berlinale zu begeistern.
15.02.2023. Der Guardian stellt die Künstlerin Alice Neel vor, die Kritiker einfach sexy fand. Die FAZ berichtet von den ideologischen Säuberungen in Russlands Museen. Die NZZ ist froh, dass sie von einigen Regisseuren nur manipuliert und nicht mit Elektroschocks behandelt wird. In der Welt bewundert Alexander Kluge, wie Friederike Mayröcker die Revolte der Wörter anführte. In ZeitOnline fordern die Schauspielerinnen Gesine Cukrowski, Jasmin Tabatabai und Ruth Reinecke neue Rollenbilder für Frauen über 50. Im Tagesspiegel empfiehlt Farangies Ghafoor den BerlinerInnen, zur Aufpeppung ihres Kleidungstils den Besuch einer afghanischen Hochzeit.
14.02.2023. Nach der Hundekot-Attacke auf eine FAZ-Kritikerin ist Hannovers Ballettchef Marco Goecke erst einmal suspendiert. Die SZ fragt, woher die Verachtung der Kunst für die Kritik rührt: Liegt es an der Schwäche des Gegners? Der Standard vermutet eher das schlechte Gewissen des reichen Vetters. Die taz bedauert das Ende eines Choreografen, dessen Arbeit immer gut und manchmal sensationell war. NZZ und FAZ schwärmen außerdem von der unglaublichen Klangsinnlichkeit der Pianistin Martha Argerich, die Luzern mit einem ihrer seltenen Konzerte beglückte.
13.02.2023. In Hannover sorgt Ballettchef Marco Goecke für einen riesigen Eklat: Er bewirft die Kritikerin Wiebke Hüster vor einer Premiere mit Hundekot. Die FAZ ist außer sich vor Wut, die Staatsoper versichert, ein Ort des respektvollen Miteinanders und Austauschs zu sein. Die taz sucht lieber Humor und Schönheit in der Architektur Aldo Rossis. Der Standard huldigt schreibenden Brüdern, die nicht voneinander loskamen. Die Filmkritik trauert um den spanischen Regisseur Carlos Saura. Die FAS erklärt den unwahrscheinlichen Erfolg des Festivals von Sanremo.
11.02.2023. In der FAZ wünscht sich Art Spiegelman mehr Krawall im New Yorker. Annie Ernaux hätte in der SZ hingegen gern mehr Ruhe. Der Tagesspiegel schaut in der Zitadelle Spandau erschüttert auf Häute von Kriegsgefangenen und Narben in Großaufnahme. artechock ärgert sich über die Auswahl der Berlinale: Mindestens Dominik Grafs schmerzhaft schöner Film "Jeder schreibt für sich allein" hätte in den Wettbewerb gehört. Die SZ rät: Einfach keine Konzerte von Roger Waters mehr besuchen.