Efeu - Die Kulturrundschau
Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.
12.06.2023. Die NZZ fragt, warum der Kunstunternehmer Walter Smerling schon wieder öffentliche Gelder ohne Ausschreibung erhalten hat, diesmal für ein Kunstprojekt der Bahn. FAZ und Tagesspiegel lassen sich von Giorgio Battistellis Teorema-Oper an Pasolinis bitter-ernsthafte Selbstbefragung erinnern. Im Standard feiert Klaus Maria Brandauer das Theaterleben. ZeitOnline vertieft sich in die neue Väterliteratur, in der sich die Autoren selbst als Opfer männlicher Härte sehen.
10.06.2023. Der Guardian streift mit Anselm Kiefer durch James Joyce' "Finnegans Wake" und stößt auf psychedelische Monets. Die FAZ sieht Hoffnung für das vom Abriss bedrohte Potsdamer Rechenzentrum: Die deutsche Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Die Theaterkritiker amüsieren sich prächtig auf Yael Ronens "Planet B", wo aktivistische Hühner und sexpositive Influencer-Füchse dem Artensterben trotzen. Die Welt fürchtet, dass Wes Anderson von KI-Klonen zu Tode umarmt wird. Im VAN-Gespräch enthüllt der Musikwissenschaftler Maarten Norduin: Beethovens Spätwerk wird zu langsam gespielt.
09.06.2023. Die NZZ erliegt in Winterthur der bizarren Schönheit von Wimperntierchen in den Werken von Odilon Redon, die FAZ sieht sich mit Diane Arbus in Arles derweil in Nudistencamps und Altersheimen um. FAZ, SZ und Freitag versuchen die teils bizarren Kommentare zur Rammstein-Debatte einzuordnen. Die SZ schaut sich in der Berliner Akademie der Künste außerdem die Knusperhäuschen der Nazis an. Die taz hört japanischen Postpunk von Non Band und Saboten.
08.06.2023. Der Tagesspiegel bewundert Talent, Wahnsinn und großartige Frisuren wie den ghanaischen Mehrfachdutt in Thomas Hardimans Whodunit "Medusa Deluxe". Die NZZ amüsiert sich mit Sylvie Fleury, die im Kunstmuseum Winterthur die großen Meister der Nachkriegskunst persifliert. Die Welt unterhält sich mit Diogenes-Chef Philipp Keel. Die taz fragt mit Daniel Goldhabers Film "How to Blow Up a Pipeline", ob so eine kleine Explosion den Kampf gegen den Klimawandel nicht weiterbringen würde.
07.06.2023. Im Tagesspiegel erzählen Olena Goncharouk und Maria Glazunova, wie der Krieg den postsowjetischen Geist aus den ukrainischen Filmarchiven vertrieb. Der Freitag fürchtet mit der Rammstein-Debatte die Rückkehr des unschuldigen weiblichen Opfers. Die SZ staunt, wie normal und mittig in Berlin die neue Diversität in der Architektur daherkommt. Die FAZ wiegt sich noch einmal in den Bossanova-Klängen, die Astrud Gilberto einst in die Welt trug.
06.06.2023. In der Berliner Zeitung erzählt der russische Regisseur Artur Solomonow, wie er dem traurigsten Publikum seines Lebens begegnete. Die NZZ liest George Orwell in China. Der Guardian stürzt sich mit Chris Ofilis "Sieben Todsünden" in den reinsten Bilderrausch. Die SZ erzählt, wie die Schauspielerin Merve Dizdar in der Türkei zur Verräterin gestempelt wird, weil sie in Cannes ein paar feministische Worte wagte. Außerdem schwant ihr, dass Groupietum schon immer Unterdrückung war.
05.06.2023. Die Feuilletons stehen fassungslos vor dem Abgrund, der sich mit Rammsteins Ausbeutungsystem vor ihnen auftut. Die Welt fragt, warum Till Lindemanns Vergewaltigungsfantasien so lange mit dem lyrischen Ich verharmlost werden konnten. Der taz war das Spektakel um die Band eh nie geheuer. Die SZ lässt sich derweil von Bonaventure Ndikung in den Bann des Pluriversums schlagen. Die FAZ fragt nach Kyle Abrahams Choreografie "Mixed Repertoire", warum der moderne Tanz jemals Körper nach Geschlechtern trennte.
03.06.2023. Die FAZ fragt sich mit der amerikanischen Autorin R.F. Kuang, wie kreative Freiheit und Ideologie zusammenpassen. In der Welt denkt der 101-jährige Georg Stefan Troller ganz wunderbar über die Liebe nach. Der Filmdienst widmet dem zeitgenössischen Kino Argentiniens einen Essay. Monopol bewundert bildschöne Synthesen aus Pflanzen und Maschinen beim New Now Festival für Digitalkunst in Essen. Die Filmkritiker trauern um die Schauspielerin Margit Carstensen, deren sibyllinisches Lächeln sie vermissen werden.
02.06.2023. Die Welt freut sich auf eine Rainald-Goetz-Uraufführung am Deutschen Theater Berlin und hofft auch sonst auf weniger biedere Gemütlichkeit am DT unter der neuen Intendanz von Iris Laufenberg. FAZ und Tagesspiegel empfehlen begeistert das geheimnisvolle vierstündige Erzählkunstwerk "Trenque Lauquen" der Filmregisseurin Laura Citarella. Es gibt kaum Vergleichbares im Kino von heute, versichert auch Artechock. Die SZ begeistert sich für die Ökonomie radikal begrenzter Klänge und Klangbewegungen in Salvatore Sciarrinos Oper "Venere e Adone".
01.06.2023. Die FAZ lässt sich von Clemens Setz eine Dicyaninbrille aufsetzen. Die SZ unterhält sich mit Axel Ranisch über dessen Opern-Kino-Mashup "Orphea in Love". Die FR staunt über den fantastischen Stilmix im Zeichentrickfilm "Across the Spider-Verse". Die nmz hüpft mit Lorenzo Fioronis Inszenierung von Jules Massenets selten gespielter Oper "Hérodiade" fröhlich zwischen Belle Epoque und Gegenwart hin und her. In der Zeit erklärt Bonaventure Ndikung, neuer Leiter des Hauses der Kulturen der Welt, warum er so gern katholisch ist.