Perlentaucher-Autor

Thomas Groh

Thomas Groh, geboren 1978, lebt seit 1997 in Berlin, dort Studium der Film-, Kultur-, Publizistik- und Kommunikationswissenschaften an der Humboldt und Freien Universität. Seit 2001 freier Filmkritiker für zahlreiche Print- und Online-Publikationen, darunter die Filmzeitschrift Splatting Image, taz, Tagesspiegel und natürlich den Perlentaucher. Seit 2017 Redakteur bei Deutschlandfunk Kultur.
Stichwort: Trash - 22 Artikel - Seite 2 von 2

Trash-Sex im Kellerloch: Hans Peter Mollands 'En Ganske Snill Mann'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 16.02.2010 An obskurem Sex ist dieser Wettbewerb gewiss nicht arm. Im begähnenswerten "Greenberg" geht Ben Stiller Greta Garwig sehr unvermittelt an die Wäsche und bricht ebenso unvermittelt wieder ab. Im sehr großartigen "Caterpillar" gibt es mehrfach Amputiertensex. Dass in "En Ganske Snill Mann" dann eine Frau fortgeschrittenen Alters mit deutlich ins Bild gesetzten schwieligen Beinen plötzlich ihre ranzige Unterhose auszieht, sich flach aufs Bett legt und den in ihrem Kellerloch untergebrachten Ex-Knasti mit traurig-fahlem Altherrenhintern anfährt, ob er denn zum Beischlaf noch eine Einladung benötige, um anschließend, bei erfolgter mechanischer Bebeischlafung, auf wildes "Jesus Christus"-Schreien zu verfallen, hat dann aber doch eine sehr eigene Qualität. Die erstgenannten Filme verhalten sich in der Zwischenzone von Hinsehen und Distanzwahren. "En Ganske Snill Mann" verfolgt nur ein Projekt: Die konsequente Desavouierung jeder seiner Figuren. Dass dabei plump um die Komplizenschaft eines amüsierwilligen Publikums gebuhlt wird, ist das eigentlich Unappetitliche. Von Thomas Groh

Im Kabinett des Dr. Scorsese: 'Shutter Island'

Außer Atem: Das Berlinale Blog 13.02.2010 "Vernunft ist keine Option, für die man sich frei entscheidet", sagt Dr. Cawley (Ben Kingsley) an einer Stelle. Die Patientin, über die er spricht, lebt, seit sie ihren Nachwuchs ertränkt hat, in einer fiktiven eigenen Welt, in der Psychologen Postboten, Ärzte Milchmänner und die Kinder in der Schule sind. Im Verlauf von "Shutter Island", Martin Scorseses Rückkehr zum Psychothriller mit Gothic-Horroreinschlag, beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass es dem Regisseur mitunter ähnlich ergeht. Die Karnickel, die er mit großer Geste aus dem Hut zieht, die Tricks aus den Schubladen der Filmgeschichte, die Scorsese hier zur Anwendung bringt, stehen einem als solche lange schon vor Auge, während der Regisseur noch von der Virtuosität seines Treibens völlig überzeugt ist. Von Thomas Groh

Berlinale 4. Tag

Außer Atem: Das Berlinale Blog 09.02.2009 Maren Ades Wettbewerbsfilm "Alle Anderen" erkundet jede mögliche Gasse und Sackgasse zwischen Ironie und Postironie. Michael Glawoggers "Das Vaterspiel" schlägt Funken. Die "Geschichte des israelischen Kinos" von Raphael Nadjari ist mit dreieinhalb Stunden einfach zu kurz. Dominic Murphy feiert in "White Lightning" einen drogensüchtigen steppenden Psychopathen. Luc Moodyssons Film "Mammoth" findet's zu Hause doch am schönsten. Von Thekla Dannenberg, Thomas Groh

Berlinale 3. Tag

Außer Atem: Das Berlinale Blog 08.02.2009 Macht es sich gemütlich in seiner Latte-Macchiato-Umgebung: Andrew Bujalskis "Beeswax". Ulli Lommels "Absolute Evil" ist ein Monstrum von einem film noir. Simone Bitton dokumentiert den Tod der amerikanischen Friedensaktivistin Rachel in Gaza. Tommy Lee Jones gesellt sich für ein Foto zu den Toten in Bertrand Taverniers "In the electric mist". Spanische Frauen legen jeden Macho aufs Kreuz, beweist Agustin Diaz Yanes in "Solo quiero caminar". Außerdem besprochen: Lars Jessens "Dorfpunks", Hans-Christian Schmids "Sturm", Sebastian Schippers "Mitte Ende August" und John Cooks "Schwitzkasten". Von Thekla Dannenberg, Lukas Foerster, Thomas Groh, Ekkehard Knörer
1|2
Stichwörter