Perlentaucher-Autor

Thierry Chervel

Thierry Chervel, geboren 1957, hat in Berlin Musikwissenschaften studiert. Er war Redakteur bei der taz (Film, Musik, Tagesthemen), freier Autor bei der FAZ und anderen Zeitungen, Kulturkorrespondent für die Süddeutsche Zeitung in Paris und Redakteur auf der Berliner Seite der Süddeutschen. Er hat auch an der Website für seinen Vater Marc Chervel mitgearbeitet. Thierry Chervel ist Mitbegründer des Perlentauchers.
Mail: chervel@perlentaucher.de
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Gespenster hinter Milchglas

Essay 10.04.2023 Reinhard Bingener und Markus Wehner zeigen in ihrem Buch "Die Moskau-Connection", wie moralische Taubheit, maßgeblich verkörpert von der SPD, in die politische Katastrophe führte. Kumpanei mit einem Unrechtsregime trug dazu bei, es zur schlimmsten Diktatur in Europa seit Hitler und Stalin zu machen, das seine Nachbarn mit Krieg überzieht. Eine Aufarbeitung findet nicht statt. Zu breit war der gesellschaftliche Konsens für diese Politik. Heutige Koalitionspartner sind zu höflich, um einen Untersuchungsausschuss zuzulassen. Und die Opposition erst recht. Von Thierry Chervel

So wie es ist: "20.000 Bienenarten" von Estibaliz Urresola Solaguren (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 22.02.2023 Auch bukolischen Idyllen (aber sind nicht alle Idyllen bukolisch?) sollte man nicht über den Weg trauen. Was dort behauptet wird, stimmt regelmäßig auch nicht ganz. Und irgendwann bricht immer ein Gewitter aus. Aber dieser Film ist nun mal eine Landpartie. Er folgt damit einer Tradition aus glücklicheren, romanischen Gefilden. Solche Muster kennt man aus Frankreich, Italien oder Spanien - in diesem Fall spielt die Geschichte im Baskenland, im spanischen und französischen. Selbst nicht so reiche Familien wie die um die dreifache Mutter und zurecht verhinderte Künstlerin Ane haben dort eine Großmutter auf dem Land und zudem eine Großtante, die Imkerin ist und bei der sie ihre Ferien verbringen können. Sie erweist sich in diesem Film als noch wichtiger als die Großmutter. Von Thierry Chervel

Staub im Spätlicht: "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Emily Atef (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 17.02.2023 Marlene Burow und Felix Kramer in  "Irgendwann werden wir uns alles erzählen".Wer wie ich in einem früheren Leben als Filmkritiker schon in den achtziger Jahren nach Cannes reiste und die Berlinale besuchte, erinnert sich an eine Art Film, die man vielleicht am besten als "Festivalfilm" bezeichnet. Filme sind das, die man sich eben nur in der Zwangskonstellation eines Festivals ansehen würde - langsam, getragen, gediegen, schon ein bisschen mit Autorenprätention, aber doch auch auf einer literarischen Vorlage beruhend, so wie "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" auch. Wie viel hundert dieser Filme mag ich seitdem vergessen haben? Von Thierry Chervel

Entweder Nie wieder oder Nie wieder

Essay 12.05.2022 Es gibt nicht ein "Nie wieder", es gibt zwei. Es gibt ein "Nie wieder Krieg" und ein "Nie wieder Auschwitz". Sie sind alles andere als miteinander identisch. Die Emma-Brief-Autoren ziehen auch aus dem jüngsten Krieg noch die Lehren aus den fünfziger Jahren: Es zeigt sich, dass wir den Schock des Krieges viel tiefer verinnerlicht haben als den des Holocaust. Habermas, Kluge, Schwarzer und Co. haben die antitotalitären Lehren aus der Geschichte  nie gezogen. Von Thierry Chervel

Historikerstreit 2.0, zweiter Teil

Essay 20.06.2021 Von der Mbembe-Debatte über das Papier der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" bis zur "Jerusalem Declaration" und A. Dirk Moses' Spott über den "Katechismus der Deutschen": Die Saison 20/21 wird nicht nur als die der Coronakrise in die Geschichte eingehen, sondern auch als Moment eines (zumindest eifrig betriebenen) Paradigmenwechsels in der Debatte über den Holocaust. Im ersten Historikerstreit hatte Ernst Nolte den Holocaust als "asiatische Tat" relativiert. Die Protagonisten des zweiten Historikerstreits stellen die Bedeutung des Holocaust von links, aus der Warte des Postkolonialismus, in Frage. Ein Überblick über die wichtigsten Texte der Debatte. In diesem zweiten Teil geht um A. Dirk Moses' "Katechismus" und die Folgen. Von Thierry Chervel

Historikerstreit 2.0 - eine Chronologie

Essay 20.06.2021 Von der Mbembe-Debatte über das Papier der "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" bis zur "Jerusalem Declaration" und A. Dirk Moses' Spott über den "Katechismus der Deutschen": Die Saison 20/21 wird nicht nur als die der Coronakrise in die Geschichte eingehen, sondern auch als Moment eines (zumindest eifrig betriebenen) Paradigmenwechsels in der Debatte über den Holocaust. Im ersten Historikerstreit hatte Ernst Nolte den Holocaust als "asiatische Tat" relativiert. Die Protagonisten des zweiten Historikerstreits stellen die Bedeutung des Holocaust von links, aus der Warte des Postkolonialismus, in Frage. Ein Überblick über die wichtigsten Texte der Debatte. Von Thierry Chervel

Wo der Hammer hängt

Essay 04.03.2021 Laut Aleida Assmann, den versammelten deutschen KulturfunktionärInnen und über tausend zustimmenden KünstlerInnen kann man entweder einen richtigen oder einen falschen Antisemitismusbegriff haben. Wer letzteren verwendet, ist "rechts", weil er "Unterdrückungserzählungen monoploisieren" will. Krasser wurde der Holocaust seit Ernst Nolte nicht relativiert. Aber zum Trost hat diese Schule noch ein "Sowohl als auch" parat: BDS zum Beispiel ist sowohl falsch als auch richtig. Ein Paradigmenwechel, und wie er zu Politik wird. Von Thierry Chervel
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