Perlentaucher-Autor

Lukas Foerster

Lukas Foerster, geboren 1981 in Freiburg im Breisgau, hat an der Freien Universität Berlin Filmwissenschaft und Japanologie studiert. Seit 2005 schreibt er als freier Autor über Kino.
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Ein eingelöstes Versprechen: Ly Bun Yims '12 Sisters' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012

Es war von Anfang an ein großes Versprechen: Drei Filme aus der klassischen Phase des kambodschanischen Kinos hat das Forum dieses Jahr in seinem Programm. Drei Filme aus einem Kino, das kaum überliefert ist, weil die Roten Khmer nach der Machtübernahme in den Siebzigern mit dem filmischen Erbe so gründlich aufgeräumt hatten, dass die Archivlage dort heute noch verheerender ist als in anderen südostasiatischen Ländern. Die Kopien (in einem Fall leider nur eine DVD-Kopie) gelangten unter abenteuerlichen Bedingungen nach Berlin, vorgeführt werden können sie nur ein einziges Mal, da eine Restaurierung und Sicherung der kostbaren Rollen noch aussteht.
Von Lukas Foerster

Fraktionen des Bösen im Nazihauptquartier: Volker Schlöndorffs 'La mer à l'aube' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 14.02.2012

"La mer a l'aube", eine Fernsehproduktion von Volker Schlöndorff, die, was Ausstattung und filmische Mittel angeht, auch so aussieht, erzählt von der Hinrichtung 150 französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Anordnung Hitlers als "Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag auf einen deutschen Offizier im Oktober 1941 von den deutschen Besatzern in Zusammenarbeit mit französischen Hilfstruppen geplant und durchgeführt wurde.
Von Lukas Foerster

Untersucht den ungeklärten Tod zweier Roma: Philip Scheffners Dokumentarfilm 'Revision' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012

Ein Weizenfeld nahe der polnischen Grenze. Im Sommer 1992 war das Feld Tatort eines im juristischen Sinne bis heute unaufgeklärten Verbrechens. Gut 19 Jahre später, im Herbst 2011, filmt Philip Scheffner denselben Ort für seinen Film "Revision". Der gelbe Weizen rauscht sanft im Wind, die Schatten der Rotorblätter einer Windkraftanlage ziehen über das Feld. Die Windräder und ihr Schattenwurf tauchen immer wieder auf im Film, sie wirken in ihrer gleichmäßigen Bewegung leitmotivisch rhythmisierend, aber in ihnen steckt noch mehr: In den Windkraftanlagen materialisiert sich die zeitliche Differenz, die 19 Jahre zwischen dem inzwischen historischen Kriminalfall um zwei erschossene Roma und ihrer filmischen Revision. Tatsächlich stellt der (insbesondere im Osten Deutschlands evidente) Siegeszug der Windparks den größten Einschnitt in das Landschaftsbild Deutschlands in den letzten zwei Jahrzehnten dar (vermutlich ist das sogar noch untertrieben). Dass sie aufmerksam sind für solche scheinbar nebensächlichen Details, für auf den ersten Blick völlig kontingente Verbindungen, ist kennzeichnend für die Filme des außergewöhnlichen Dokumentaristen Philip Scheffner.
Von Lukas Foerster

Filmt von der Eisscholle: Wladimir Schnejderows 'Zwei Ozeane' (Retrospektive)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 12.02.2012

Die Retrospektive machte in den letzten Jahren abwechselnd einen allzu routinierten und einen allzu beliebigen Eindruck. Präsentiert wurden entweder altbekannte Meisterregisseure (Bunuel, Bergman) oder eher willkürlich zusammengestellte Programme ("City-Girls im Stummfilm", "Traumfrauen der Fünfziger"). Dieses Jahr zeichnet sich die Retro ganz im Gegenteil gleichzeitig durch Wagemut und den Willen zur Konkretion aus: Gezeigt werden sowjetische (und ein paar deutsche) Filme aus den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren, die allesamt von einem einzelnen Studiokomplex produziert wurden: Der "Meschrabpom-Film" und ihrem deutschen Ableger, der Prometheus. Eine Sonderstellung im sowjetischen Kino nahm Meschrabpom nicht nur aufgrund seines Bezugs zu Deutschland ein: Die Verbindung der Studioverantwortlichen zur Staatsmacht waren - zumindest zunächst - verhältnismäßig locker, produziert wurden neben Kultur- und Dokumentarfilmen vor allem Spielfilme mit einer Nähe zum schon damals von Hollywood dominierten Genrekino - eine "rote Traumfabrik" (so der Titel der Retro) eben.
Von Lukas Foerster

Film noir aus Thailand: Pen-Ek Ratanaruangs 'Headshot' (Panorama)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 11.02.2012

Tul war früher Polizist. Nachdem er von einem korrupten Politiker, dem er auf den Fersen ist, erpresst wird, steigt er aus und wechselt die Seiten, wird Auftragskiller (allerdings einer der moralischen Sorte, der nur die "richtigen" killt), es tauchen weitere Schwierigkeiten auf - und eine geheimnisvolle Frau, die den Blick des Films in ihrer ersten Szene regelrecht stillstellt: in Untersicht taucht sie zuerst auf, die Kamera blickt zu ihr hoch, auf ihren ins engste Kostüm gequetschten Körper, dann entspinnt sich ein Gespräch, aber die Kamera bleibt an ihr kleben, verzichtet auf den Gegenschuss auf Tul, der ihr dann folgerichtig hoffnungslos verfällt. Irgendwann bekommt er eine Kugel in den Kopf, er überlebt das zwar, doch die Kugel (John Woos "Bullet in the Head" hatte seinerzeit eine ähnliche Konstellation) verändert ihn: er sieht nun alles falsch herum. Eine klinische Erklärung gibt der Film dafür nicht, man muss es ihm abnehmen, wie man ihm auch einiges anderes abnehmen muss. Und dann ist da noch eine zweite Frau.
Von Lukas Foerster

Fehlt alles Familiäre: Rodrigo Plas Familienfilm 'La demora' (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 10.02.2012

Nichts Spektakuläres passiert in diesem Film. Es geht um eine Frau in Montevideo, eine Mutter, die mit ihrem Leiharbeitergehalt mit Mühe ihre drei Kinder ernähren kann, die dann auch noch ihren Vater versorgen muss (gleich am Anfang wäscht sie ihn, in der Dusche, das ist eine schöne Szene, wie es überhaupt schön ist, wenn sich das Kino dafür interessiert, wie ein Mensch einen anderen pflegt, schon, weil das Berührungen sind, die weniger "gespielt" erscheinen als zum Beispiel in Sex- oder Prügelszenen), die versucht, wenigstens diesen einen Teil des Terrors, der der Alltag für sie ist, von sich weg zu halten, die vom staatlichen Altersheim abgewiesen wird und auch von ihrer Schwester und die den alten, geistig verwirrten Mann dann einfach auf einer Bank neben einem Mietshaus sitzen lässt, ohne jeden Identitätsnachweis, in der Hoffnung, dass sich die offiziellen Stellen nun doch um ihn kümmern werden.
Von Lukas Foerster
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