Perlentaucher-Autor

Thekla Dannenberg

Thekla Dannenberg, 1970 geboren, studierte Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut in Berlin, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete als Redakteurin bei der taz. Von 2002 bis 2023 war sie Redakteurin beim Perlentaucher, und schrieb für etliche weitere Medien als Autorin und Kritikerin. 2014 erschien ihre Übersetzung von Robert Warshows Essayband "Die unmittelbare Erfahrung". Seit August 2023 unterrichtet sie an einer Berliner Grundschule in Lichtenberg.
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Verrate mich nicht: "Le Grand Chariot" von Philippe Garrel (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 21.02.2023 Philippe Garrels Film "Le Grand Chariot" beginnt mit einem faszinierenden Moment: Am Anfang, wenn sich der Film noch dokumentarisch gibt, verfolgt die Kamera hinter der Bühne eine Equipe von Puppenspielern, die gerade ein Stück aufführen. Wir sehen die Kulissen, die hochkonzentrierten Gesichter der Spieler, ihre emporgereckten Arme mit den Puppen über der Hand, die wirbelnde Choreografie: Der Prinz lässt eine Nachricht überbringen, rufen sie. Ist es Prinz Herzmund oder Prinz Honigbart? Auf jeden Fall eine Nachricht für Prinzessin Transuse. Helle Aufregung im Puppenland! Man hält inne und stutzt: Schauspieler spielen in einer angetäuschten Doku Puppenspieler, die in Bruchstücken ein Stück spielen - und man folgt ihnen gebannt wie ein Vorschulkind. Der Trick funktioniert auch bei "Hanswursts Beerdigung". Von Thekla Dannenberg

Selig durchs Kanonenrohr: "Superpower" von Sean Penn (Spezial) und "W Ukrainie" von Piotr Pawlus und Tomasz Wolski (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 20.02.2023 Man braucht sich nur einmal die Statements anzuhören, mit denen sich die viele RegisseurInnen und SchauspielerInnen auf den Pressekonferenzen um eine Position zum Ukraine-Krieg herumwinden, um Sean Penns aufrichtiges Engagement zu schätzen zu wissen. Die meisten belassen es bei einem "Ich bin immer für Frieden." Sean Penn Dokumentation "Superpower" ist ein honoriges Unterfangen, die Lauterkeit des Aktivisten wiegt die Eitelkeit des Schauspielstars auf, der häufiger im Bild ist als alle Ukrainer zusammen. Von Thekla Dannenberg

Diese furchtbare Liebe: "Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste" von Margarethe von Trotta (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 19.02.2023 Es ist nur wenige Monate her, dass der Suhrkamp Verlag den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch veröffentlichte, dem tragischen Liebespaar der deutschen Literatur. Bachmann selbst wollte nicht, dass ihre Briefe veröffentlicht werden, sie hatte sie nach der Trennung von Frisch vergeblich zurückgefordert, damit "niemand ein Schauspiel hat eines Tages". Es ist gut, dass sich Bachmanns Geschwister - fünfzig Jahre nach ihrem Tod - über diesen Willen hinweggesetzt haben und die Publikation erlaubten. In ihnen stehen Sätze voller Schönheit: "Du bist ein Meertier, das nur im Wasser seine Farben zeigt. Du bist schön, wenn man Dich liebt, und ich liebe Dich", schreibt Frisch etwa. Von Thekla Dannenberg

Lieber Schmerzen als keine Lust: "Notre Corps" von Claire Simon (Forum)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023 Der weibliche Körper ist seit jeher ein Schlachtfeld, in der Theorie, aber vor allem in der Realität: Er wurde verfügbar gemacht, herabgesetzt und unterworfen, und selbst jene, die ihn idealisierten, verehrten und in Szene setzten, wandten sich meist ab, wenn es blutig wurde. Wenn die französische Filmemacherin Claire Simon ihre Dokumentation über eine Pariser Frauenklinik "Notre Corps" nennt, ist dies eine Setzung in gleich mehrfacher Hinsicht. Von Thekla Dannenberg

Internet in der Luft: "BlackBerry" von Matt Johnson (Wettbewerb)

Außer Atem: Das Berlinale Blog 18.02.2023 In einer der vielen lustigen Szenen von Matt Johnsons "Blackberry" muss Mike Lazaridis, der geniale Ingenieur, der das kanadische Smartphone erfand, auf die Schnelle einen Prototypen zusammenbasteln, um ihn den Vorstandsherren von AT&T präsentieren zu können. Im Kaufhaus sucht er sich dafür das nötige Material zusammen, jede Menge Heimwerkerbedarf, Elektroschrott und Kinderspielzeug. Was er über Nacht fabriziert, sieht grottig aus, funktioniert aber einwandfrei. Aus diesem Geist ist auch Johnsons Film gemacht, mit vielen hektischen Schwenks, unscharfen Einstellungen und selbstgezimmerter Deko. Er sieht aus wie ein B-Movie, läuft aber im Wettbewerb. Von Thekla Dannenberg
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