Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Wunderkammer abenteuerlicher Gleichzeitigkeit

16.11.2023 Durs Grünbein wehrt sich in seinem neuen Roman "Der Komet" gegen die Ästhetisierung des Schreckens der Nazi-Diktatur, weiß die Zeit. Außerdem endeckt sie in "Freiheit, Gleichheit - Sinnlichkeit" die erotische Literatur des 18. Jahrhunderts und lernt: Schlüpfriges und Autoritätskritik gingen bei Goethe und Co. Hand in Hand. Die NZZ empfiehlt Maria Kuncewiczowas Prosaband "Zwei Monde" von 1933, der von unerfüllten Wünschen in der polnischen Provinz erzählt. Und die FR berührt es sehr, wie Britney Spears in "The Woman in Me" ihren Kampf für Selbstbestimmung schildert.

Urschrei der Literatur

15.11.2023 Die FAZ dringt mit Gedichten von Martin Piekar vor in Bereiche jenseits der "hermeneutischen Bequemlichkeit" und entdeckt letzte Zuckungen des Menschlichen. Außerdem stürzt sie sich auf eine neue Edition von Sigfried Giedions "Die Entstehung des heutigen Menschen". Die FR erkennt in Monika Marons Roman "Das Haus", was passiert, wenn alle Gewissheiten verloren gehen. Dlf Kultur empfiehlt Hans-Christian Oesers hervorragende Neuübersetzung von William Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeiten".

Wilde wütende Fantasie

14.11.2023 Die SZ schätzt die "stille Neugier", mit der Karl Ove Knausgard in "Der Wald und der Fluss" von seinen Begegungen mit Anselm Kiefer erzählt. Joana Bators Roman "Bitternis", der weibliche Schicksale in Polen schildert, möchte sie am liebsten mit allen Sinnen wahrnehmen. Dlf Kultur wird von Irmgard Keuns tragikomischem Exilroman aus Kinderperspektive zum Nachdenken und Schmunzeln angeregt. Und der Dlf findet Erlösendes in Peter Härtlings späten Gedichten.

Von der Steinzeit bis zum Cyberspace

13.11.2023 Franci Rabinek Epsteins Bericht über ihre Erlebnisse als tschechische Jüdin in den Konzentrationslagern Auschwitz und Bergen-Belsen bringt Dlf Kultur das Unbegreifliche näher. Die NZZ beglückwünscht Thomas Kramer zu seinem vielschichtigen Essay über Karl May: ein Buch der Versöhnung von europäischer Moderne mit postkolonialen Theorien, frohlockt sie! Die SZ empfiehlt Frank Trentmanns monumentale Mentalitätsgeschichte über die Moral der Deutschen. Die FR lässt sich von Anja Zimmermann über die politische Geschichte der weiblichen Brust aufklären.

Diese Abgeklärtheit des Grotesken

11.11.2023 Düster ist Georgi Demidows Roman "Fone Kwas oder Der Idiot" über den Gulag, und dennoch konnte taz-Kritiker Dirk Knipphals ihn nicht aus der Hand legen und empfiehlt die Wiederentdeckung dringend zur Lektüre. Ebenfalls eine Wiederentdeckung: Fanny Lewalds Roman "Jenny", ein Roman über Antisemitismus im Preußen des 19. Jahrhunderts und laut FAS zugleich ein wichtiges literarisches Zeugnis jüdischer und weiblicher Emanzipation. Die NZZ empfiehlt eine Neuausgabre von Rilkes "Duineser Elegien".

Roter Teppich zum Höllenschlund

10.11.2023 Die FAZ blickt mit Wolfgang Merkel auf die Krise der Demokratie und mit Florian Werner in die Kulturgeschichte der Zunge. Die SZ trifft mit Michael Krüger vergnügt Lyrikerinnen und Lyriker aus aller Welt. Außerdem bewundert sie, wie witzig und klug Ersin Karabulut in seiner Graphic Novel türkische Geschichte seit den Achtzigern festhält. Wie nah Jurij Devetaks Comic-Fassung Boris Pahors "Nekropolis" kommt, erstaunt indes die taz. Dlf Kultur lässt sich von Christopher Clark durch ein Wimmelbild der Revolutionen und von Stefan Mey in die digitale Gegenwelt führen.

So schön wie Kuhaugen

09.11.2023 Die FAZ verfolgt in Meryem Alaouis Roman "Pferdemund tut Wahrheit kund" hautnah, wie sich eine junge Frau in Marokko gegen das Patriarchat auflehnt. Die NZZ entdeckt den dänischen Schriftsteller und Nobelpreisträger Henrik Pontoppidan mit dem Band "Kein Tag ohne Spektakel" wieder. Auch der Dlf hebt einen literarischen Schatz: Die Essays der feministischen Aktivistin Suzanne Césaire, die das "unbarmherzige Licht der Ereignisse" auf die Verbrechen des Kolonialismus wirft. Und Dlf Kultur ist verliebt in Chris Lauers Lyrikdebüt "Gut verräumte Sternschnuppen".

Wo die Schreie schnell verhallen

08.11.2023 Die FR verkriecht sich mit den Eremiten Matsuo Basho, Kamo no Chomei und Bai Juyi beseelt in die "Klause der Illusionen". Die FAZ lässt sich von Per Leo derweil zu einem äußerst originellen Streifzug durchs Ruhrgebiet einladen. Perfekte Herbstabende verbringt sie mit Christina Viraghs Roman "Montag bis Mittwoch". Dlf Kultur kommt Caspar David Friedrich dank Florian Illies ganz nahe.

Gleichzeitig märchenhaft und lebensecht

07.11.2023 Die SZ liest gerührt die Erinnerungen des kürzlich verstorbenen Schauspielers Peter Simonischek, versammelt im Band "Kommen Sie näher". Die FR schärmt von der Leichtigkeit in den späten Gedichten des Kinderbuchautors Peter Härtling. Die FAZ geht mit dem Protagonisten aus Tim Parks' Roman "Hotel Milano" auf eine Reise nach Italien, die im Angesichts des Todes neues Leben bringt. Und der Dlf ist hin und weg von Joanna Bators Roman "Bitternis" über vier Frauenschicksale in Niederschlesien.

Ein wohlhabender Halbgott

06.11.2023 Die FAZ ist gefesselt von Zoe Becks Thriller "Memoria", in dem die Protagonistin Harriet düstere Visionen plagen. In Gianrico Carofiglios Krimi "Groll" entdeckt sie nicht nur die Realität echter Mafiaprozesse, sondern auch Plutarch und Xavier de Maistre. Helge Schneider schreibt wie er Jazz spielt, freut sie sich außerdem und amüsiert sich köstlich mit seiner neuen Krimi-Satire "Stepptanz". Die NZZ lässt sich von Rainer Hank gerne darüber aufklären "Wie Journalistinnen nach 1945 unseren Blick auf die Welt veränderten".

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