
30.04.2026 Die Literaturkritiker sind offenbar schon ins lange Wochenende verschwunden. Die FR amüsiert sich aber vorab noch prächtig, wenn Nicolas Mahler Handke, Koeppen, Beckett und Co. beim Scheitern und Schimpfen über die Schulter blickt. Die NZZ liest interessiert Sam Apples Biografie des schwulen jüdischen Krebsforschers Otto Warburg, der unter den Nazis unbehelligt weiterarbeiten konnte. Im letzten Roman des kürzlich verstorbenen Portugiesen Antonio Lobo Antunes blickt der Dlf aus 23 Perspektiven auf das Leben von Júlio de Melo Fogaça, einen vergessenen homosexuellen politischen Häftling der Salazar-Diktatur.

29.04.2026 Wie in einem Bosch-Gemälde fühlt sich die FAZ, wenn sie mit Irene Sola und einer Frauensippe auf einem katalanischen Landsitz den Tod der Matriarchin erwartet. Von Beschreibungsgenie Robert Seethaler lässt sie durch Sackgassen der Gesellschaft führen. Die NZZ begegnet dank Slobodan Snajder derweil den Bewohnern der ältesten Straße Zagrebs. Die SZ kürt Christoph Möllers Buch über öffentliche Kunstfreiheit zum neuen Standardwerk. Die Zeit liest berührt, wie Tupoka Ogette den Rassismus in der DDR erlebte. Als eindringliches Leseerlebnis würdigt der Dlf Kultur Thomas Medicus' Roman über den Selbstmord seines Vaters.

28.04.2026 Die FAZ lässt sich von Bojan Pancevski die ganze brisante Geschichte der Nordstream-Sprengung erzählen. Eine äußerst streitbare Nacht verbringt sie mit Ethan Taubes und seinem Vater Jacob. Einen letzten Weckruf vernimmt die NZZ, wenn Jana Puglierin auf eine bessere europäische Sicherheitspolitik drängt. Der Dlf erfährt von Rainer Hermann, wie lange die Hamas den 7. Oktober plante. Immerhin die FR schöpft noch Hoffnung mit musikalischen Gedichten von Anja Bachl.

27.04.2026 Die FAZ empfiehlt heute eine ganze Reihe Kinderbücher. Am besten gefallen ihr Arne Rautenbergs Gedichte über Erdbeermilch trinkende Muthasen und Heinz Janischs Lyrikband, in dem Pferde über Wolken reiten. Die FR lässt sich im neuen Roman von Charles Lewinsky von einem Hollywood-Insider in 40 Therapiestunden von Doris Day und dem Trauma des Holocaust berichten. Die SZ lernt von Jörg Lau, dass die USA schon vor Trump kein Freund Europas mehr waren. Die NZZ bewundert die Worte, die Judith Schalansky in ihren Poetikvorlesungen aus Marmor meißelt. Und die Welt bekommt dank Dave Goulson Appetit auf sehr kleine Fische.

25.04.2026 Dlf Kultur stürzt sich mit Farai Mudzingwas Roman "Die Avenues" in das Straßenleben Harares. FAZ und Dlf tauchen begeistert in die gesammelten fantastischen Erzählungen von Jorge Luis Borges ein. Die taz liest mit Craig Browns "Q" eine fast phänomenologische Annäherung an die verstorbene Queen Elizabeth II.. Die Welt lernt mit Olivier Guez' Biografie Gertrude Bells, "Die Welt in ihren Händen", eine fast vergessene Architektin des heutigen Nahen Ostens kennen.

24.04.2026 "Großes literarisches Kino" verdankt die FR Markus Orths, der in "Die Enthusiasten" so wahnsinnig fabuliert wie kein Zweiter. Außerdem wären sie gern wie "Rocky", nachdem sie den von Sylvester Stallone zusammengestellten Bildband durchgeblättert hat. Die taz erinnert sich dank Irene Sieben an die Choreografin Manja Chmiel, die den Tanz der Sechziger prägte. Der Dlf Kultur lernt von David George Haskell, dass Blütenpflanzen unser Ökosystem umkrempelten. Und nach der Lektüre von Hans Christian Hönes' Aby-Warburg-Biografie möchte sie diesem Haustyrannen lieber nicht über den Weg laufen.

23.04.2026 Die NZZ liest berührt, wie sich Fleur Jaeggy an ihre große Liebe Ingeborg Bachmann erinnert. Mit Joachim Krause blickt sie auf die Tabus der deutschen Atomgeschichte. Die Zeit erfährt in Essays von Elena Ferrante, wie viel Arbeit hinter dem Schreiben steckt. Dlf Kultur kann den "verschmitzten Humor", mit dem Gharbi M. Mustafa vom Schicksal eines jungen Kurden im Irak erzählt, nur bewundern. Außerdem sticht Dlf Kultur mit sechzehn Kapitäninnen in See.

22.04.2026 Die FAZ folgt Golo Maurer ins römische Olevano, das vielen jungen Malern der deutschen Romantik zum Sehnsuchtsort und Verhängnis wurde. Von Siegfried Weischenberg lässt sie sich erzählen, wie sich Journalisten während des Nationalsozialismus verhielten. Die FR rollt mit Kathrin Zipse ein vergessenes Kapitel der Geschichte auf und folgt deutschen Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins ländliche Island übersiedelten. Die SZ ist begeistert von Safia Al Bagdadis Roman "Unser Haus mit Rutsche", über Sebastian Hotz' "Sidekick" kann sie nur müde lächeln.

21.04.2026 Die FAZ folgt mit Dario Ferraris Muttersöhnchen Marcello den Spuren eines Revoluzzer-Schriftstellers in Paris. Außerdem versetzt sie sich mit Judith Schalanskys Poetikvorlesungen in verschiedene literarische Aggregatszustände. Die FR versucht in Ali Smith dystopischer Zukunft den roten Linien eines bösen Konzerns zu entkommen. Die SZ macht sich mit Curtis Sittenfeld unabhängig von nervigen Männern. Und Dlf Kultur steigert sicht mit Petr Sestaks gestresstem Fahrradkurier in die Wut auf SUV-Fahrer hinein.

20.04.2026 Die NZZ versenkt sich in Andrej Platonows opake Paradoxien über die Zeit der stalinistischen Säuberungen. Die FAZ horcht mit Pascale Hugues "So voller Leben", gelesen von Agnes Mann, in die Seele einer Mutter mit bipolarer Störung. Die SZ empfiehlt allen Demokraten im Schockzustand Matthias Brandts neues Buch "Nein sagen". Mit Oisín McKennas Roman "Hitzetage" über das Leben von Millenials in London bewältigt sie eine Identitätskrise. Die taz zieht mit Paul Christoph Gäbler und der Kreuzberger Gang "36 Boys" durch das Berlin der Achtziger.

18.04.2026 Der Dlf lässt sich von Christian Haller zart in die „Kammer des alten Alters“ überführen. Die FAZ lernt von Frank Schäfer, dass Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister nicht weniger Antikriegslyriker war als Bob Dylan. Die Welt lernt von Marie Kondo die kulturelle Grammatik der Schönheit. Die FR freut sich, dass Dieter Bongartz’ Familienroman „Vaterland“ eine zweite Chance bekommt. Kaum erträglich, aber umso wichtiger findet die taz die Augenzeugenberichte, die die syrische Journalistin Samar Yazbek von Überlebenden aus Gaza zusammengetragen hat. Empfehlenswert findet sie auch Thomas Söltings Essay über die Franco-Diktatur und ihr Nachleben.

17.04.2026 Als kleine Sensation würdigt die FAZ, wie Julia Wolf in ihren Erzählungen elf Frauen zwischen Beherrschung und Entgleisung porträtiert. Gern verirrt sie sich auch im erzählerischen Labyrinth des spanischen Autors Enrique Vila-Mata. Der Dlf amüsiert sich prächtig mit den vielen Anekdoten, die Craig Brown aus dem Leben der Queen zu berichten weiß. Dieser Popliterat ist gut gereift, befindet der Dlf außerdem nach der Lektüre von Joachim Blessings "Wachs und Gold". Dlf Kultur gibt mit Gary Victor die Hoffnung auf bessere Zeiten in Haiti nicht auf.

16.04.2026 Die FAZ empfiehlt Reportagen von Rebecca West, Janet Flanner und Martha Gellhorn über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Mit Markus Messling blickt sie auf Bartholdis Champollion-Statue und denkt neu über Kolonialismus nach. Auf die lange Geschichte des russischen Kolonialismus blickt derweil die taz mit dem illustrierten Handbuch des ukrainischen Journalisten Maksym Eristravi. Und Dlf Kultur begleitet mit Kae Tempest den queeren Rothko auf dem Weg der Transition.

15.04.2026 Die FAZ kürt Steffen Martus' Literaturgeschichte ab 1989 zu einem künftigen Klassiker der Literaturwissenschaft. Die NZZ zieht den Hut vor David Vajdas Roman "Diamanten", in dem eine Künstler-Familie mit dem Tod der Mutter umgehen muss. Die SZ macht sich mit Ildiko von Kürthy und Christiane Rösinger Gedanken über das Älterwerden als Frau. Die taz schmökert in den gesammelten Comics über Manfred Sommers Kriegfotografen Frank Cappa. Und die FR findet in Daniel Fehrs Kinderbuch eine freundliche Kuh in ihrem Bett vor.

14.04.2026 Die FAZ lässt sich von Daniel Gerlach die Geschichte des Nahen Ostens neu erzählen. Mit Niklas Weber steigt sie in die frühen Eisenbahnen, die sowohl Ort der Demokratisierung als auch der Diskriminierung waren. Die FR lässt sich von Julia Webers Heldin Ruth in ein Tier verwandeln. Die NZZ klettert mit dem Bildband von Francisco Paco Carrascosa, Matthias Oberli und Emanuel Tschumi Schweizer Katzentreppen hinauf. Dlf legt uns den Coming-of-Age Roman "Kekeli" von Jessica Mawuena Lawson ans Herz, während Dlf Kultur mit Francois Saranos Walen tanzt.

13.04.2026 Die SZ applaudiert Dana Grigorceas Roman "Tanzende Frau, blauer Hahn", der von einer sommerlichen Liebe in Ceaușescus Rumänien erzählt. Außerdem lobt sie Claudia Kemferts Buch "Kurzschluss" als unerschrockenes Plädoyer für eine neue Energiepolitik. Die taz schmökert in den neuen Essays von Karl Ove Knausgard. Die FR verschlingt John Grishams neuen Thriller "Das Vermächtnis". Die NZZ folgt Matthias Nawrat in "Das glückliche Schicksal" in eine raffniertes literarisches Labyrinth.

11.04.2026 Die FAS hätte gern noch mehr von Monika Marons Tagebüchern gelesen. Die SZ findet die rechte Sprachkritik "Links - Deutsch, Deutsch - links" rechts. Die FAZ liest mit großem Interesse den Roman "Was die Zeit nicht nimmt " von Marek Torčík, den sie als Erzähler von Rang begrüßt. Die FR lernt mit Petro Rychlo viel über die deutsch-ukrainischen Literaturbeziehungen und mit Margret Schepers einiges über die Frauenbewegung der Siebziger. Die Welt fragt mit Judith Schalansky, woraus die Welt gemacht ist, nämlich aus "Marmor, Quecksilber, Nebel".

10.04.2026 Eine eklatante Forschungslücke schließt Karen Hagemann mit ihrem monumentalen Werk über vergessene Soldatinnen, freut sich der Dlf. Die FR fürchtet dank Andreas Fulda, dass alles noch schlimmer kommen könnte, wenn China Taiwan angreift. Der Dlf Kultur schöpft mit Volker Perthes derweil Hoffnung, dass eine multipolare Weltordnung gelingen könnte. Außerdem empfiehlt er Margaret Laurence’ wunderbaren Emanzipationsroman „Glücklichere Tage“ aus dem Jahr 1974. Die FAZ denkt mit Fernando Esposito über die "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" nach.

09.04.2026 Wie „präzise Kurzfassungen von Trauer“ erscheinen der FAZ die musikalischen Gedichte der Dänin Tove Ditlevsen. Die Zeit findet sogar Trost, wenn ihr der Schwede Stig Dagerman in seinen poetischen Geschichten von Mord und Totschlag erzählt. Und auch eine unerwiderte Liebe ist gar nicht so schlimm, lernt sie von der Philosophin Miriam Metze. Wie böse Messalina, der Gattin des römischen Kaisers Claudius, von Männern mitgespielt wurde, erfährt die NZZ von der Historikerin Honor Cargill-Martin. Die FR lässt sich von Franketiennes Klassiker der haitianischen Literatur zum Kampf auffordern. Und der Dlf Kultur stärkt den Globalen Süden mit Patrick Kaczmarczyk.

08.04.2026 SZ und NZZ betrachten mit dem Journalisten Nicholas Potter besorgt die Radikalisierung von Teilen der Linken. Die FR reist mit Octavia E. Butler ins Jahr 1815 in den USA und erlebt die Brutalität der Sklaverei. Außerdem bewundert sie die bewusstseinserweiternde lyrische Kraft von Henning Ahrens. Die FAZ lässt sich von Jens Soentgen in die Geheimnisse der Luftforschung einweihen. Die taz lernt in einer Graphic Novel von Niels Schröder den Widerständler Otto Weidt kennen, der seine jüdischen Mitbürger vor der Deportation durch die Nazis bewahren wollte.

07.04.2026 Die FAZ freut sich über Daniel Faßbenders "Surf-Noir"-Krimi "Heaven's Gate", in dem ein wellenreitender Privatdetektiv die Schattenseiten einer philippinischen Insel entdeckt. Mit Thomas Knüwer streift sie durch geheimnisvolle "lost places" und findet dort unverhofft Gemeinschaft. Die SZ empfiehlt den Erinnerungsband der aus Russland geflohenen Autorin Natalja Kljutscharjowa. Die NZZ empört sich mit Madame Nielsen im Theater. Und Dlf Kultur amüsiert sich prächtig mit den verrückten Hühnern aus Melanie Garanins und Massuda Kassems Kinderbuch "Chicken Survivor".

04.04.2026 Die FAZ lässt sich von Marie Luise Kaschnitz durch das Frankfurt der Sechziger führen. Die FAS gibt dank der Reportagen von Ceyda Nurtsch die Hoffnung nicht auf, dass die Spaltung in der türkischen Gesellschaft irgendwann überwunden werden kann. Die taz lässt sich von Jörg Lau Deutschlands außenpolitische Herausforderungen vor Augen führen. Die Welt rät zur Lektüre von Tierno Monénembos Roman „Der schwarze Terrorist“, der an den französischen Widerstandskämpfer Addi Bâ Mamadou erinnert. Mit Golo Maurer amüsiert sich über jene Gruppe deutscher Maler, die in Olevano die deutsche Kunst erfanden. Und die FR lernt von Sally Coulthard alles über Frösche.

02.04.2026 Die FAZ folgt Armin Nassehi interessiert beim Versuch, die Funktion von Antisemitismus systemtheoretisch zu analysieren. Die NZZ lässt sich von Stefan Hentz durch das aufregende Leben von Jazzlegende Miles Davis führen. Der Dlf versinkt in einer neuen Joseph-Roth-Werkausgabe und erinnert sich mit Siri Hustvedt an Paul Auster. Und Dlf Kultur denkt mit Wolfgang Ullrich über die Macht von Memes nach.

01.04.2026 Die FAZ ist restlos begeistert von Anjet Daanjes Roman "Das Lied von Storch und Dromedar", eine so originelle wie dunkle Hommage an die Schwestern Brontë. Mit Tomer Gardi folgt sie dem eritreischen Rider Filmon, der für einen Hungerlohn in Israel Essen ausfährt. Die Zeit vertieft sich in die Tagebücher von Monika Maron, die das Dagegensein nie aufgegeben hat. Dlf Kultur empfiehlt Nicola Denis Roman "Wo die Kaffeekirschen leuchten", der ins Kolumbien der fünfziger Jahre führt.