Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Mit Watte gepolsterte Welt

16.07.2024 Die FAZ folgt Enrique Vila-Matas in "Montevideo" durch eingebildete Türen zu magischen Koffern und philosophischen Reflexionen - und amüsiert sich dabei prächtig. Dlf Kultur schmökert in Karel Capeks Reiseberichten aus Italien. Die SZ nimmt mit Shashi Tharoors "Zeit der Finsternis" die indische Perspektive auf die britischen Kolonialverbrechen ein. Die FR liest mit Spannung Aroa Moreno Durans Roman über die dunkle Vergangenheit einer baskischen Hafenstadt. Und Dlf schwebt mit Elena Winter "Im Orbit".

Gefühle bleiben nicht latent

15.07.2024 Die NZZ erkennt in Janko Polić Kamovs Roman "Austrocknen" über einen tuberkulosekranken Bohemien ein faszinierendes Stück literarischer Avantgarde "am Vorabend eines Weltenzusammenbruchs". Die FR verliert sich gerne in Rachel Cusks experimentellem Roman "Parade". Die FAZ wird in Beatrice Salvionis "Malnata" Zeuge einer Mädchenfreundschaft vor dem Hintergrund des italienischen Faschismus. Die SZ bereitet sich mit Marcus Bensmann auf den Widerstand gegen Rechtsextreme vor.

Die archaische Mentalität Solinger Familien

13.07.2024 Die FAS freut sich über eine Neuentdeckung: Rosemary Tonks, die sie mit "Der Köder" durch das Swinging London begleitet. Sehr gut gefallen hat ihr auch José Henrique Bortolucis Roman "Was von meinem Vater bleibt", der die Geschichte des Vaters, einem LKW-Fahrer auf der Transamazônica, mit der Entwicklung Brasiliens verbindet. Die taz amüsiert sich mit Najem Walis Krimi "Stadt der Klingen". Die FAZ ackert sich mühsam durch Jie-Hyun Lims "Opfernationalismus", ohne dafür belohnt zu werden. Die SZ vermisst die große Geste in Armin Nassehis "Kritik der großen Geste".

Reiz des Verrätselten

12.07.2024 Die FAZ betrachtet nur zu gerne die Costiera Amalfitana durch die bewundernden Augen Dieter Richters. Mit Emmanuel Faye fragt sie sich, ob Hannah Arendt an der Zerstörung des Denkens durch Martin Heidegger beteiligt war. Die FR liest neue Gedichte Jürgen Beckers. Die taz lässt sich gern von Maren Kames' "Hasenprosa" überfordern. Der Dlf versinkt in Joseph O'Neills Roman "Godwin" um einen jungen Fußballer aus Benin.

Kleine Schritte

11.07.2024 Keine Benzin-, aber auch keine Elektromotoren mehr - die Apokalypse in Jonathan Lethems Roman "Der Stillstand" mündet in einen Biohof, in den KI einbricht. Die FAZ hat's amüsiert. Sehr empfehlen kann sie auch Aroa Moreno Durans "Ruths Geheimnis", ein Familienroman aus dem Baskenland zu Zeiten des spanischen Bürgerkriegs. Die FR liest Armin Nassehis "Kritik der großen Geste". Der Dlf erlebt mit Chukwuebuka Ibehs "Wünschen" ein Coming out im schwulenfeindlichen Nigeria.

König mit selbsterdachtem Königreich

10.07.2024 Die SZ fragt sich mit Yevgenia Belorusets, ob Tiere nicht die besseren Menschen sind. Dlf Kultur lässt sich von José Henrique Bortoluci mit Freuden die Geschichte seines Vaters erzählen. Die NZZ steigt in Maren Kames' Roman "Hasenprosa" hinab in mittelhessische Partykeller. Die FR erfährt von Philip Manow in "Unter Beobachtung", dass nicht Rechtsextreme die Demokratie gefährden, sondern der zu starke Glaube an Verfassungsgerichte.

Refugium erschöpfter Existenzen

09.07.2024 Sanam Mahloudjis Roman "Die Perserinnen" erzählt von einer iranischen Familie im Exil: Dlf Kultur begrüßt dieses lebendige und lustige Buch über die Wechselwirkungen von Leben und Politik. Die FAZ bekommt hier eine Anleitung, wie man sich als Familie auch in Zeiten der Krise zusammenraufen kann. Bei Kim Ho-yeon verfolgt sie Außenseiter und Alltagsdramen in einem 24-Stunden-Supermarkt in Seoul. Die NZZ bewegt sich mit Volha Hapeyevas Roman "Samota" frei zwischen den Welten. Die Zeit trifft in Madame Nielsens Buch "Mein Leben unter den Großen" dänische Schriftsteller in der guten Stube oder nackt am Strand. 

Von Glamour bis Absteige

08.07.2024 Dlf Kultur entdeckt mit Marion Löhndorf das Hotel als "Traumtheater der Gegenwart". Die FR verschlingt Rivka Galchens Roman über den Hexenprozess gegen die Mutter von Johannes Kepler. Die Welt ist nicht ganz überzeugt von Hannah Arendts Aufsätzen "Über Palästina". Die SZ bewegt sich mit Sascha Lübbe "Ganz unten im System", wo Arbeitsmigranten für einen Hungerlohn schuften. 

Skizze des Philosophen als Diskursräuber

06.07.2024 SZ und Welt küren Jörg Späters Studie über „Adornos Erben“ zum neuen Standardwerk. Die Welt denkt mit dem neuen Roman von Rachel Cusk außerdem über Kunst und Weiblichkeit nach, die SZ erkennt hinter Sidik Fontanas „dünnen Wänden“ einen neuen großen New-York-Roman. Die FAS ergründet den Erfolg von Sasa Stanisic: Er lässt uns an das Gute im Menschen glauben. Die FAZ lässt sich von Heike Melzer über Onlinesüchte aufklären. Und die taz lernt in einem Band, wie Einsamkeit und Ressentiments zusammenhängen.

Ein Zimmer für sich allein

05.07.2024 Die FAZ reist mit Onur Erdur in die "Schule des Südens" und lernt die "kolonialen Differenzerfahrungen" von Bourdieu, Foucault und Co. kennen. Die FR lässt sich von Scholastique Mukasonga ruandische und christliche Mythen erzählen. Der Dlf liest bei Anthony Veasna So, was es bedeutet Khmer und queer zu sein. Mit Andreas Bernard macht der Dlf mystische Erfahrungen beim Flippern.

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