Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Fast tausend Prozent tröstlich

04.09.2025 SZ und FR lesen den neuen Leif Randt: Die FR fühlt sich gut aufgehoben in diesem popliterarischen Paralleluniversum, die SZ befindet: Die Listen der Mode durchdringt Randt nicht. Die NZZ lernt die ganze Gewaltgeschichte Russlands kennen, wenn Sergej Lebedew bildgewaltig vom Abschuss des Passagierflugzeugs MH-17 erzählt. Auf wundersame Weise befreit fühlt sich die taz derweil, wenn Katerina Poladjan sie in einer Familiengeschichte quer durch Europa führt. Der Dlf staunt über Miguel Bonnefoys gewaltiges Panorama Venezuelas. Geradezu brillant findet die Zeit, wie Hanno Sauer in die Geschichte von Klassengegensätzen blickt.

Expedition ins klaftertiefe, abyssische Nichts

03.09.2025 Die FAZ schwebt mit Clarice Lispector beim Kakerlake-Zerquetschen zwischen existenzialistischer Abstraktion und mystischer Ekstase. Die SZ hat bei der Lektüre von Ferdinand von Schirachs neuem Buch gemischte Gefühle. Die FR zieht sich mit Michael Cunningham in "still-intensive" Reflexionen über die Corona-Zeit zurück. Dlf empfiehlt Amat Levins differenzierte Geschichte Afrikas und die Memoiren des Holocaust-Überlebenden Paul Lendvai.  

Ein wilder Grizzly werden

02.09.2025 Die SZ blickt in Alexander Kluges "Sand und Zeit" durch die "virtuelle Kamera" künstlicher Intelligenz. Die FAZ lernt von Sophie Gilbert, wie die sexualisierte Popkultur der Nullerjahre Solidarität unter Frauen verhinderte. Außerdem empfiehlt sie die Memoiren der Shoah-Überlebenden Jeanette Wolff. Dlf schwirrt nach all den Absonderlichkeiten im neuen Buch von Heinrich Steinfest ein wenig der Kopf. Dlf Kultur schätzt den Gestus eines "stillen und doch beharrlichen Widerstands" der Marginalisierten in den Erzählungen J. M. G. Le Clezios

Potentialentfaltende

01.09.2025 Die SZ liegt mit Richard Sparka, dem Helden aus Jochen Schmidts neuem Roman "Hoplopoiia", auf der Therapiecouch. Die FAZ sieht in Jonathan Coes neuem Roman den "idealen Krimi für das postfaktische Zeitalter". Bei der Lektüre von Fernanda Melchors Kurzgeschichten über mexikanische Geister und Flüchtlings-Schicksale bekommt sie Gänsehaut. Dlf geht mit dem unsympathischen Helden aus Steven Uhlys neuem Roman auf einen Roadtrip durch das "Death Valley". Die NZZ vertieft sich in Hanno Sauers Gedanken über "Klasse". 

Deine Zunge ist in Liebe getaucht

30.08.2025 Die FAZ erinnert sich mit Jina Khayyer an den Iran im Jahr 2000. Die FAS verfällt den „im Spektrum lauwarmen“ Figuren im neuen Roman von Leif Randt. Einen sehr ungewöhnlichen DDR-Roman verdankt sie Karsten Krampitz, der von einer Kommune von Schwerbehinderten erzählt. Die SZ spart nicht an großen Vergleichen nach der Lektüre von Nelio Biedermanns Debütroman über die Geschichte Ungarns. Die taz blickt mit Hannah Lühmann hinter die Fassade von Tradewifes und denkt mit einem von Miriam Lang, Mary Ann Manahan und Breno Bringel herausgegebenen Band über „Grünen Kolonialismus“ nach.

Huhn im Freibad

29.08.2025 Die FR verirrt sich begeistert in Nava Ebrahimis kunstvoll verschacheltem Roman "Und Federn überall". Die NZZ kämpft mit Max Goldt vergnügt gegen die "Schrumpfkommunikation der Medien" an und taucht mit Michael Sommer und Stefan von der Lahr ein in die "verdammt blutige Geschichte der Antike". Die FAZ bewundert, wie Nadia Pantel anhand von Frankreichs Küche französische Gesellschaftsverhältnisse beleuchtet. Schmerzhaft intensiv und "hochpolitisch" erscheint der SZ Albert Ostermaiers Roman über Pasolinis verzweifelte Liebe zu dem viel jüngeren Ninetto. 

Ich liebe doch

28.08.2025 SZ und FAZ setzen sich mit Caroline Wahls Heldin Charlotte gegen einen egomanischen Verlagschef durch. Der FAZ gefällt es zudem ausnehmend gut, wie Slata Roschal in ihren Gedichten nach allen Seiten austeilt. Die Zeit irrt mit Nelio Biedermann und der Familie "Lázár" durch die Wirren des zwanzigsten Jahrhunderts. Dlf erlebt mit Ken Keseys früher Climate Fiction, wie sich in Alaska die Natur gegen den Menschen erhebt. Dlf Kultur bangt mit dem estnischen Autor Rein Raud um das Schicksal einer jungen Liebe im Blick des KGB. 

Am Goldstrand des Fabulierens

27.08.2025 NZZ und FR applaudieren Katerina Poladjan, die mit den Erinnerungen eines Regisseurs von einer Therapiecouch im heißen Rom in die Weiten der Geschichte führt. Dlf lobt Kamel Daouds Roman "Huris" über die Grausamkeiten des "finsteren Jahrzehnts" in Algerien. Die SZ zieht den Hut vor Götz Alys Opus magnum über die NS-Zeit - hat aber auch ein paar Kritikpunkte. Eine schonungslose Selbstbefragung liefert der FAZ der Sänger Marco Wanda.

Unerschöpflich feuernde Fiktionskanonen

26.08.2025 Ganz verzaubert ist die FAZ, wenn sich Anne Serre auf einer somnambulen Zugreise von Paris nach Montauban aus dem eigenen Text herausschreibt. Sofort nach der Lektüre vermisst sie außerdem die Helden aus Lina Schwenks Debütroman "Blinde Geister". Die FR kürt Henning Sußebachs Spurensuche nach seiner Urgroßmutter "Anna" schon jetzt zu einem der Sachbücher der Saison. Mit großem Interesse liest sie auch die Erinnerungen von Verleger K. D. Wolff. Die NZZ verdankt dem Althistoriker Mischa Meier ein neues Bild der Hunnen. 

Geradezu eine Menschwerdung

25.08.2025 Interessiert folgt die SZ dem schwedisch-gambischen Journalisten Amat Levin, wenn der versucht, dem afrikanischen Kontinent seine Geschichte zurückzugeben. Amüsiert und zugleich kritisch blickt sie mit Valentin Groebner auf den Tourismus. Die FR begibt sich derweil mit Percival Everetts „Dr. No.“ auf die Suche nach dem zerstörerischen Nichts. Die FAZ empfiehlt neue Kinder- und Jugendbücher: Besonders gern lässt sie sich von Inga Krause Fahrradtour durch eine Stadt im Memphis-Design nehmen. Die Welt kostet mit Kafka Ofenschlupfer.

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