Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Mit einer Robbe durchgebrannt

09.02.2024 Mit Spannung folgt die FAZ mit Julia Schneidawind den schicksalsreichen Wegen der Bibliotheken deutsch-jüdischer Autoren. Die NZZ empfiehlt nachdrücklich Theodor W. Adornos Vortrag zur Bekämpfung des Antisemitismus aus dem Jahr 1962. Nicht nur Jugendlichen legt die SZ Martin Schäubles unvoreingenommene Geschichte der Israelis und Palästinenser ans Herz. Die taz seziert mit einem frühen Roman von Joan Didion das "kommunikativ zerstörte Soziotop" Hollywoods. Und der Dlf lässt sich von Mely Kiyak eine besondere Vater-Tochter-Geschichte erzählen.

Ein "Hurra, die Welt geht unter" - Gefühl

08.02.2024 Die Zeit rühmt Han Kangs zarte Liebesgeschichte zwischen einer verstummten Schriftstellerin und ihrem Griechischlehrer. Die FAZ freut sich über Gedichte des polnischen Lyrikers Miron Bialoszewski, der im scheinbar Banalen eine ganze Welt aufscheinen ließ. Auch die FR liest Poesie: In Tom Schulz' neuem Gedichtband "Die Erde hebt uns auf" werden die kritischen Aspekte der Verbindung von Mensch und Natur nicht ausgespart. Die taz denkt mit Büchern von Eva Schörkhuber und Birgit Fuß über den Tod nach.

Ein starkes Liebespaar

07.02.2024 Die SZ verliebt sich in das erste auf Jiddisch gedichtete Heldenepos "Bovo dʼAntona" von Eliah Levita. Die Welt ist sehr angetan von Sandra Langereis' Biografie über Erasmus von Rotterdam, der zeitlebens von einer "geheimnisvollen Naturgewalt" zum Schreiben getrieben wurde. Die FAZ ergründet mit Theodora Beckers kenntnisreichem Buch die "Dialektik der Hure" in Zeiten des Warenkapitalismus.

Eine mögliche Roboterzukunft

06.02.2024 Die NZZ feiert die Wiederentdeckung der spätmittelalterlichen Frühfeministin Christine de Pizan, die ihre frauenfeindlichen Kollegen in die Schranken wies. Mit "Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten" von Slata Roschal vertieft sich die FAZ in das eindringliche Porträt einer Zugewanderten. Mit dem neuen Buch von Alex Capus schlendert die SZ weinselig durch ein vordigitales Piemont. Theodor W. Adornos Essays "Zur Bekämpfung des Antisemitismus heute" sind nicht von gestern, nickt die Welt. Und Dlf Kultur gefällt der Verzicht auf jede Sozialromantik in Cho Nam-Joos Roman über eine junge Frau im Seoul des späten 20. Jahrhunderts.

Die Zeichen der Zeit

05.02.2024 Eine düstere, aber höchst lesenswerte Entdeckung macht die FAZ mit Mark SaFrankos Krimi "AmeriGone", in dem sich zwei Manager auf einen blutigen Trip zwischen Gesellschaftskritik, Philosophie und Wahnsinn begeben. Die SZ ist beeindruckt von Christian Bommarius' Kriegs-Montage "Todeswalzer". Die taz erfährt von Ann Marks, wie die Fotografin Vivian Maier ihr Leben selbst in die Hand nahm. Mit J.J. Voskuils Roman "Nachbarn" ergründet sie die versteckte Homophobie eines niederländischen Ehepaars.

Anhand des alten Goethe

03.02.2024 Die FAZ staunt mit Ernst Osterkamp über Goethes Altersradikalität.Die taz fühlt sich von Heinz Budes "Boomern" git unterhalten, wenn auch nicht wissenschaftlich weitergebildet - und zweifelt am Sinn des Generationenporträts. Der Deutschlandfunk lässt sich von Gerhard Henschels "Schelmenroman" in die lauschigen Neunziger entführen. Die FR steigt mit Karl Schlögel auf den Hoover-Damm. Die NZZ besucht Iris Wolffs "Lichtungen" in Siebenbürgen.

Anhand von Kuchenstücken

02.02.2024 Die NZZ lernt von Florence Hazrat, dass F. Scott Fitzgerald das Ausrufezeichen verachtete, Albert Camus es vermied und Salman Rushdie es liebt. Die FAZ schaut mit Fatma Keser und Andreas Stahl in die "Gesichter des politischen Islam". Die FR schwärmt von Henning Ziebritzkis Essays über Poesie, die André Breton gefallen hätten. Kate Kitagawa und Timothy Revell rücken mit ihrer alternativen Mathematik-Geschichte Frauen und People of Colour ins Rampenlicht, freut sich Dlf Kultur.

Poesie der Übergänge

01.02.2024 Die FAZ blickt mit Yavuz Ekincis Familienroman "Das ferne Dorf meiner Kindheit" entsetzt auf das armenische wie das kurdische Trauma. Mit Jose A. Oliver liest sie Andalusisch, Alemannisch, Deutsch und Spanisch. Die FR amüsiert sich in Josephine Teys "Wie ein Hauch im Wind" mit der Londoner Prominenz im Dörfchen Salcott St Mary. Die SZ liest bei Michel Friedman, was heute Judenhass ist. Die Zeit lernt eine extrem traurige und kluge 10-Jährige kennen in Karen Köhlers Kinderbuch "Himmelwärts".

Psychotherapeutisches road movie

31.01.2024 Dlf Kultur besteigt mit Michael Köhlmeier im Jahr 1922 "Das Philosophenschiff" und begegnet dort Lenin, der mit einer 14-Jährigen über Macht diskutiert. Die FAZ erfährt mit einer Graphic Novel von Barbara Yelin das psychische Abenteuer des Überlebens der KZ-Überlebenden Emmie Arbel. Der Dlf  überfliegt mit Hannes Bajohrs "(Berlin, Miami)" die höchste Metaebene der Literatur. Die NZZ macht Bekanntschaft mit Maja Haderlaps "Nachtfrauen".

Durch Kriege und über Kontinente

30.01.2024 Dlf Kultur ist begeistert von Aleksandar Hemons neuem Roman "Die Welt und alles, was sie enthält", dessen Protagonist gleichzeitig pikaresker Held, sephardischer Jude, Poet und Opiumjunkie ist. Ein luftiges Kunstwerk hat Alex Capus mit seinem schmalen Band "Das kleine Haus am Sonnenhang" geschaffen, schwärmt die NZZ. Die taz verliert sich gerne in Elias Hirschls irrem Roman "Content" - ein bisschen unbehaglich wird ihr bei dieser Dystopie über das Web 2.0 aber auch. Die SZ sieht in Laszlo Krasznahorkai einen modernen Kafka.

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