Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Verlangen, an anderen Existenzen teilzuhaben

21.11.2025 Die FAZ lässt sich von der portugiesischen Autorin Lidia Jorge in den Mikrokosmos eines Altenheims entführen. So schreibt man klug über Popmusik, lobt die taz nach der Lektüre von Hendrik Otrembas Essays über die Kölner Band Can. Die Welt erfährt von dem Politikwissenschaftler Jan Gerber, wie der Erinnerung an den Holocaust immer wieder ausgewichen wurde. Der Dlf staunt, wie Sasa Stanisic selbst das öde Genre der Dankesreden sprengt. Dlf Kultur empfiehlt mit Tezer Özlüs Erinnerungen an "Die kalten Nächte der Kindheit" ein "dunkel schimmerndes" Buch und schaut amüsiert Tine Steens kochenden Affen über die Schulter.

Schonungs-, jedoch nicht schamlos

20.11.2025 Fasziniert blickt die FR in einem Bildband über Insekten der Hirschlausfliege in die Augen. Begeistert begibt sich der Dlf mit Oswald Egger in den Kopf von Oskar Fiala. Außerdem staunt er über die Aktualität von Aldous Huxleys "Aufruf zu Wachsamkeit und Engagement". Dlf Kultur tröstet sich mit der sizilianischen Schriftstellerin Maria Messina und gerösteten Kichererbsen über die Härte des Lebens hinweg. Die Zeit erscheint heute mit einer kleinen Weihnachtsbeilage - und legt uns besonders Manfred Pfisters Prachtband über die englische Renaissance ans Herz, auf den selbst England neidisch sein dürfte.

Den Augenblick heiligen

19.11.2025 Die FAZ sieht die nach vierzig Jahren wiederentdeckte türkische Autorin Tezer Özlü in einer Reihe mit Ingeborg Bachmann und Sylvia Plath. Mit Colette Andris' Roman "Eine Frau, die trinkt" verliert sie sich im Rausch. Die FR plädiert mit Thomas Piketty "Für einen ökologischen Sozialismus". Die NZZ folgt Lili Körber ins New Yorker Exil der Dreißiger Jahre, "durchweht von den Stimmen der Emigration". Dlf Kultur wird von Basma Hallaks Jugendroman darüber aufgeklärt, was Kinderfotos im Internet anrichten können. 

TikTok für Hoffnungslose

18.11.2025 Die FAZ watschelt begeistert mit Thomas Steinfeld und der nordeuropäischen Wildgans durch das zwanzigste Jahrhundert. Die FR widmet sich mit Till Kösslers Biografie dem ewigen Faschisten Franco. Die taz begeistert sich für einen Bildband der DDR-Fotografin Sibylle Bergemann, die den Bau des Marx-Engels-Forum Westberlins festhielt. Dlf empfiehlt Sophia Klinks Roman "Kurilensee". Und Dlf Kultur wohnt mit Alaa al-Aswani den nächtlichen Sitzungen einer Gruppe von Freigeistern im diktatorischen Ägypten Gamal Abdel Nassers bei. 

Husten, Rascheln, lautes Lachen

17.11.2025 Die FAZ ist hingerissen vom Humor, dem Freiheitsdrang und der unbedingten Theaterliebe Angela Winklers, die charmant ihre Autobiografie vorliest. Die NZZ lässt sich von Josefine Rieks' Influencer-Roman "Wie es euch gefällt" in einen fatalen Strudel aus Diät, Workout, Tierporn und Gewalt ziehen. Die SZ wird von Susanne Götze und Annika Joeres vor der europäischen Abhängigkeit von russischem Öl und Gas gewarnt. Dlf stellt sich mit Franziska Meiers Biografie den unzähligen Rätseln im Leben des Boccaccio.  

Seltsam, im Nebel zu wandern

15.11.2025 Die FAZ erfährt von Jaime Bayly, weshalb Mario Vargas Llosa seinem Freund Gabriel García Márquez einst die Nase brach. Bei Gayl Jones lernt sie eine moderne Medusa kennen. Die FR reist mit Claudia Sievers durch ukrainische Mikrogeschichte in Peremoha. Die taz begibt sich derweil mit Alpa Shah und einer Gruppe maoistischer Guerillas, den Naxaliten, auf eine Reise durch Ostindien. Die Welt verliebt dich dank Roland Kaehlbrandt einmal mehr in die deutsche Sprache. Und der Dlf Kultur versucht zu ergründen, weshalb sich die Priester in Michal Ajvaz’ tschechischem Meisterwerk nur auf Skiern fortbewegen.

Aus dem Alltag gerissen und auf eine neue Seite geklebt

14.11.2025 Die FAZ lässt sich von Jörg Blech und Matthias Rillig in das brennende Problem der Bodenausbeutung- und erhaltung einführen. Wie bedroht die Natur und vor allem die Tiere sind, wusste die amerikanische Schriftstellerin Josephine W. Johnson schon 1969, bemerkt die FR. Um den Verlust der Arten geht es auch in dem von Matthias Jügler herausgegebenen Band, in dem Schriftsteller wie T.C. Boyle oder Clemens J. Setz Porträts der Stellerschen Seekuh oder des Schuppenkehlmohos zeichnen und den der Dlf empfiehlt. Dlf Kultur lernt die belarusische Lyrikerin Julia Cimefieva als fantastische Künstlerin kennen.

Eine Katze namens Heidegger

13.11.2025 Welt und Dlf freuen sich, dass Salman Rushdie mit seinen neuen Erzählungen wieder ganz der Alte ist. Die FAZ irrt mit Tomasz Rozycki in 130 Kurztexten durch Europa und findet die Wahrheit. Die SZ unterhält sich in Patti Smith’ zweiter Autobiografie Kröten und Beckett. Von Anthony Hopkins erfährt sie, wie er dem Alkoholismus entkam. Die taz blickt mit Sonja Eismann gnadenlos auf den Sexismus der Musikbranche. Und Dlf Kultur erfährt von Steven Pinker, wie wichtig gemeinsames Wissen ist.

Die Maria Stuart unter den Neuropathologen

12.11.2025 Die NZZ sieht in Salman Rushdies neuem Buch "Die elfte Stunde" eine reichhaltige, zärtlich-melancholische Reflexion aufs eigene Überleben im Angesicht des Todes. Die FAZ liest im fünften Band der "Brautbriefe" von Sigmund Freud und Martha Bernays von der Sehnsucht des jungen Psychoanalytikers nach Frankreich und seinen Geldproblemen. Die FR freut sich über psychologische Feinheiten in den Erzählungen der argentinischen Schriftstellerin Samantha Schweblin, in denen das "Übel überall lauert". Die Welt stürzt sich mit Clemens Marschall ins Leben der Wanda Kuchwalek, die als "erster Zuhälter" die Straßen von Wien unsicher machte. 

Gut platzierte Schönheitsflecken

11.11.2025 Die FR bejubelt die vor Ideen überquellende Prosa im neuen Erzählungsband Salman Rushdies: Es geht um Geister, den Tod und die Sprache selbst. Dlf vermisst hingegen bei all der Fabulierlust einen höheren Sinn. Die FAZ freut sich über feministische Literatur aus Südkorea von Kim Eui-kyung, die die Patientinnen einer Kinderwunsch-Klinik begleitet. Ulrich Haltern erklärt ihr derweil die komplexen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten. Die NZZ erfährt von Karl Banghard, dass die Germanen weniger Krieger und mehr Jäger und Sammler waren. 

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