Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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wunderplunder

27.04.2026 Die FAZ empfiehlt heute eine ganze Reihe Kinderbücher. Am besten gefallen ihr Arne Rautenbergs Gedichte über Erdbeermilch trinkende Muthasen und Heinz Janischs Lyrikband, in dem Pferde über Wolken reiten. Die FR lässt sich im neuen Roman von Charles Lewinsky von einem Hollywood-Insider in 40 Therapiestunden von Doris Day und dem Trauma des Holocaust berichten. Die SZ lernt von Jörg Lau, dass die USA schon vor Trump kein Freund Europas mehr waren. Die NZZ bewundert die Worte, die Judith Schalansky in ihren Poetikvorlesungen aus Marmor meißelt. Und die Welt bekommt dank Dave Goulson Appetit auf sehr kleine Fische.

Störgeräusche

25.04.2026 Dlf Kultur stürzt sich mit Farai Mudzingwas Roman "Die Avenues" in das Straßenleben Harares. FAZ und Dlf tauchen begeistert in die gesammelten fantastischen Erzählungen von Jorge Luis Borges ein. Die taz liest mit Craig Browns "Q" eine fast phänomenologische Annäherung an die verstorbene Queen Elizabeth II.. Die Welt lernt mit Olivier Guez' Biografie Gertrude Bells, "Die Welt in ihren Händen", eine fast vergessene Architektin des heutigen Nahen Ostens kennen.

Die Erde als Blumenplanet

24.04.2026 "Großes literarisches Kino" verdankt die FR Markus Orths, der in "Die Enthusiasten" so wahnsinnig fabuliert wie kein Zweiter. Außerdem wären sie gern wie "Rocky", nachdem sie den von Sylvester Stallone zusammengestellten Bildband durchgeblättert hat. Die taz erinnert sich dank Irene Sieben an die Choreografin Manja Chmiel, die den Tanz der Sechziger prägte. Der Dlf Kultur lernt von David George Haskell, dass Blütenpflanzen unser Ökosystem umkrempelten. Und nach der Lektüre von Hans Christian Hönes' Aby-Warburg-Biografie möchte sie diesem Haustyrannen lieber nicht über den Weg laufen.

Hundeliteraturverhinderungsgesetz

23.04.2026 Die NZZ liest berührt, wie sich Fleur Jaeggy an ihre große Liebe Ingeborg Bachmann erinnert. Mit Joachim Krause blickt sie auf die Tabus der deutschen Atomgeschichte. Die Zeit erfährt in Essays von Elena Ferrante, wie viel Arbeit hinter dem Schreiben steckt. Dlf Kultur kann den "verschmitzten Humor", mit dem Gharbi M. Mustafa vom Schicksal eines jungen Kurden im Irak erzählt, nur bewundern. Außerdem sticht Dlf Kultur mit sechzehn Kapitäninnen in See. 

Anarchisches Gewimmel

22.04.2026 Die FAZ folgt Golo Maurer ins römische Olevano, das vielen jungen Malern der deutschen Romantik zum Sehnsuchtsort und Verhängnis wurde. Von Siegfried Weischenberg lässt sie sich erzählen, wie sich Journalisten während des Nationalsozialismus verhielten. Die FR rollt mit Kathrin Zipse ein vergessenes Kapitel der Geschichte auf und folgt deutschen Frauen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins ländliche Island übersiedelten. Die SZ ist begeistert von Safia Al Bagdadis Roman "Unser Haus mit Rutsche", über Sebastian Hotz' "Sidekick" kann sie nur müde lächeln.

Ausmaß des Dystopischen

21.04.2026 Die FAZ folgt mit Dario Ferraris Muttersöhnchen Marcello den Spuren eines Revoluzzer-Schriftstellers in Paris. Außerdem versetzt sie sich mit Judith Schalanskys Poetikvorlesungen in verschiedene literarische Aggregatszustände. Die FR versucht in Ali Smith dystopischer Zukunft den roten Linien eines bösen Konzerns zu entkommen. Die SZ macht sich mit Curtis Sittenfeld unabhängig von nervigen Männern. Und Dlf Kultur steigert sicht mit Petr Sestaks gestresstem Fahrradkurier in die Wut auf SUV-Fahrer hinein.  

Mal beschwörend manisch, mal betrübt

20.04.2026 Die NZZ versenkt sich in Andrej Platonows opake Paradoxien über die Zeit der stalinistischen Säuberungen. Die FAZ horcht mit Pascale Hugues "So voller Leben", gelesen von Agnes Mann, in die Seele einer Mutter mit bipolarer Störung. Die SZ empfiehlt allen Demokraten im Schockzustand Matthias Brandts neues Buch "Nein sagen". Mit Oisín McKennas Roman "Hitzetage" über das Leben von Millenials in London bewältigt sie eine Identitätskrise. Die taz zieht mit Paul Christoph Gäbler und der Kreuzberger Gang "36 Boys" durch das Berlin der Achtziger

Ästhetischer Sprengstoff

18.04.2026 Der Dlf lässt sich von Christian Haller zart in die „Kammer des alten Alters“ überführen. Die FAZ lernt von Frank Schäfer, dass Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister nicht weniger Antikriegslyriker war als Bob Dylan. Die Welt lernt von Marie Kondo die kulturelle Grammatik der Schönheit. Die FR freut sich, dass Dieter Bongartz’ Familienroman „Vaterland“ eine zweite Chance bekommt. Kaum erträglich, aber umso wichtiger findet die taz die Augenzeugenberichte, die die syrische Journalistin Samar Yazbek von Überlebenden aus Gaza zusammengetragen hat. Empfehlenswert findet sie auch Thomas Söltings Essay über die Franco-Diktatur und ihr Nachleben. 

Brachiale Literatur über brachiale Verhältnisse

17.04.2026 Als kleine Sensation würdigt die FAZ, wie Julia Wolf in ihren Erzählungen elf Frauen zwischen Beherrschung und Entgleisung porträtiert. Gern verirrt sie sich auch im erzählerischen Labyrinth des spanischen Autors Enrique Vila-Mata. Der Dlf amüsiert sich prächtig mit den vielen Anekdoten, die Craig Brown aus dem Leben der Queen zu berichten weiß. Dieser Popliterat ist gut gereift, befindet der Dlf außerdem nach der Lektüre von Joachim Blessings "Wachs und Gold". Dlf Kultur gibt mit Gary Victor die Hoffnung auf bessere Zeiten in Haiti nicht auf.

Kraft und Glitzer

16.04.2026 Die FAZ empfiehlt Reportagen von Rebecca West, Janet Flanner und Martha Gellhorn über die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Mit Markus Messling blickt sie auf Bartholdis Champollion-Statue und denkt neu über Kolonialismus nach. Auf die lange Geschichte des russischen Kolonialismus blickt derweil die taz mit dem illustrierten Handbuch des ukrainischen Journalisten Maksym Eristravi. Und Dlf Kultur begleitet mit Kae Tempest den queeren Rothko auf dem Weg der Transition.

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