Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Kleinfamilientraum und blutjunge Tinder-Liebhaber

15.08.2023 Die FR spürt in Hilary Mantels Erzählungen die ganze Enge und Bigotterie einer Kindheit und Jugend im Norden Englands. Der Dlf bewundert, wie Cécile Wajsbrot in ihrem autobiografischen Roman "Mémorial" die Geister einer dunklen Vergangenheit beschwört. Dlf Kultur preist Beliban zu Stolbergs komplexen Erstlingsroman "Zweistromland" über den kurdischen Widerstand. Die FAZ verfolgt mit Johannes Willms' Biografie Liebschaften und Abstieg des Sonnenkönigs.

Meisterin der Lichtbildnerei

14.08.2023 Die FR begibt sich mit Seishi Yokomizos raffiniertem Krimi "Mord auf der Insel Gokumon" auf Spurensuche ins Japan der Nachkriegszeit. Nicht so bekannt, aber umso brillanter ist Ivo Andrics' böser Balkan-Roman über ein maßlos geiziges Fräulein, jubelt die NZZ . Die SZ empfiehlt nachdrücklich Michael Thumanns Analyse des Putin-Regimes. Eckhardt Köhns Band mit Porträtfotografien des Aktivisten Franz Pfemfert ist ein Fest für alle Fotografie-Liebhaber, frohlockt die taz.

Das Prinzip Wunderkammer

12.08.2023 Amerikanische Gebrauchslyrik vom Feinsten empfiehlt die FAZ mit Diane Seuss' "Frank: Sonette". Die FR erinnert an den von Stalin ermordeten ukrainischen Autor Dovid Bergelson, der in seinen Erzählungen das Jahrhundert der Extreme eingefangen hat. Die SZ lernt aus Kohei Saitos "Systemsturz" das der Kapitalismus unreformierbar ist, wüsste aber noch gern, was danach kommen soll. Die taz lernt in Tobias Rüthers Biografie Wolfgang Herrndorfs den Autor auch als Maler kennen. Dlf Kultur erlebt mit Maria Borrelys "Mistral" eine stürmische erste Liebe in der Provence. Und empfiehlt die "Gesammelten Gedichte" der großen Wislawa Szymborska.

Rufe der Kuchenbäcker

11.08.2023 Die FAZ lernt in einem Band mit Gesprächen zwischen Wolfgang Rihm und Peter Trawny, dass es Stille nicht gibt. Das wird die NZZ vermutlich unterschreiben, die in Kai-Ove Kesslers "Geschichte des Lärms" etwa erfährt, dass sich Theodor Lessing den Lärm als Rache der Handwerker an den Verrichtern der Geistesarbeit dachte. Die taz schwelgt derweil mit Simon Reynolds in musikalischen Zukunftsvisionen. Die SZ empfiehlt Kinderbücher, die sich mit Autismus, Außenseitertum und Einsamkeit beschäftigen. Und die NZZ verdankt Helmut Böttiger Essays über Czernowitz eine "Lebensgeschichte osteuropäischer Urbanität".

Gemeinschaft der Einsamen

10.08.2023 Die FAZ lässt sich von Alphonse Daudet in die Fabriken des 19. Jahrhunderts führen, wo der junge Jack zugrunde geht. Die SZ liest erschüttert Nicola Lagiogias Roman "Die Stadt der Lebenden" über einen realen brutalen Mord in der schwulen Partyszene Roms. Die taz wartet mit Tom Kromer während der großen Depression auf Nichts. Die Zeit begibt sich mit Anthony Powell in der Zwischenkriegszeit auf die alkoholbeschwingte Suche nach einen verschwundenen Autor.

Ein Schoß voller Kekse

09.08.2023 Hymnisch bespricht die FR Tatiana Tibuleacs Roman "Der Garten aus Glas", der das schwere Leben in Chisinau zu Gorbatschow- und Tschernobyl-Zeiten erzählt. Die FAZ liest einen Erzählungsband des kurdischen Oppositionspolitikers Selahattin Demirtaş, der zur Zeit im Gefängnis sitzt. Außerdem graut ihr vorm Antiamerikanismus der Dorothee Sölle. Die Graphic Novel "Lose Blätter" von Alexandre Clerisse ist ein Meisterwerk, versichert die taz.

Werden eines aufrührerischen Geistes

08.08.2023 Endlich wieder ein neuer Roman von Andrzej Stasiuk, jubelt die NZZ, und was für einer! Die taz amüsiert sich prächtig mit Nicolas Mahlers Graphic Novel über Akira Kurosawa. Der Dlf freut sich über die Leichtigkeit, mit der Deborah Levy in "Augustblau" die Geschichte eines musikalischen Wunderkindes erzählt. Dlf Kultur versenkt sich mit Marc-Antoine Mathieus kafkaeskem Comic "Deep me" in den Kopf eines Wachkomapatienten.

Berechnende Empathie

07.08.2023 Die FR reist mit Stephan Lohses Roman "Das Summen unter der Haut" zurück in den Sommer des Jahres 1977 und erlebt eine zarte Teenager-Liebe. Die FAZ ergründet mit Angela Sainis neuem Buch die Ursprünge patriarchaler Herrschaft. Die taz springt mit Manuele Fiors Graphic Novel aus dem Berlin der Nachwendezeit ins Ägypten der 1920er Jahre. Die SZ empfiehlt einen Band zur Demokratiegeschichte der Weimarer Republik.

Anführer der Kaninchen

05.08.2023 Die FAS freut sich über die Neuübersetzung von Richard Adams hochaktuellem Umwelt-Roman "Unten am Fluss". Die FAZ liest mit Spannung Julia Ebners Buch über Verschwörungtheorien. Die taz feiert den "galligen Sarkasmus", mit dem Guillaume Paoli über den Niedergang der Menschheit schreibt. Die SZ ist schwer beeindruckt von Yevgniy Breygers Gedichtband "Frieden ohne Krieg".

An einem denkbar unwirklichen Ort

04.08.2023 Die FAZ begibt sich auf Zeitreise mit drei Romanen, die erst Ende August erscheinen: Ilija Trojanow führt uns mit einer KI-Figur durch die Epochen, Stephanie Bart denkt sich in "Erzählung zur Sache" in die Ideenwelt von Gudrun Ensslin hinein. Dlf Kultur blickt derweil mit  Annika Joeres und Susanne Götze in eine finstere Zukunft ohne Wasser. Mit  McKenzie Warks autofiktionaler Erzählung über eine Transition wandelt er auf dem schmalen Grat zwischen Pornografie und Philosophie und mit Kim Chakanetsa und Mayowa Alabi reist er bis Nollywood.

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