Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Maske des Memoirs

11.07.2023 Die SZ genießt die ruhig dahinfließende Prosa in Esther Kinskys Roman "Weiter Sehen", in dem ein altes Kino wieder zum Leben erweckt werden soll. Die FAZ streift in Heinrich Deterings neuem Gedichtband "An der Nachtwand" durch apokalyptische Landschaften und ergründet das Vergebliche des Menschseins. Von Emilienne Malfattos wuchtigem Roman "Möge der Tigris um dich Weinen" lässt sie sich mitreißen. Dlf Kultur geht mit Hans-Jürgen Feldhaus neuem Jugendbuch auf einen durchgeknallten Roadtrip.

Literarisches Himmelfahrtskommando

10.07.2023 Die SZ ist schwer beeindruckt von Peter Wensierskis Buch "Jena-Paradies. Die letzte Reise des Matthias Domaschk", das den bis heute nicht aufgeklärten Tod  des Bürgerrechtlers in Stasi-Haft beleuchtet. Die NZZ begibt sich mit den Erinnerungen des Dichters Egon Bondy auf einen wilden Ritt durch die fünfziger Jahre in Tschechien. Die taz empfiehlt Biljana Jovanovićs unkonventionellen Roman "Hunde und Andere" über eine homosexuelle Liebe in Serbien.

Eine Kathedrale oder zumindest ein Weinkeller

08.07.2023 Bemerkenswert findet die FAZ Elizabeth Duvals Buch "Nach Trans - Sex, Gender und die Linke", das sich auf keines der Klischees der Trans-Debatte einlasse und alle Position fair widerspiegele. Die taz lernt aus Anthony Beevors Buch über den russischen Bürgerkrieg einiges für die unmittelbare Gegenwart. In höchsten Tönen lobt die taz außerdem Tommi Parrishs Graphic Novel "Menschen vertrauen". Die FAZ empfiehlt außerdem noch einen unbekannten Agatha-Christie-Krimi für den Strand.

Dann fangen sie an zu knistern

07.07.2023 Die FAZ staunt, wie fantasiereich Harry Walter Alltagsfotos aus den dreißiger bis fünfziger Jahren in die Gegenwart transportiert. Die FR streift mit Jonathan Garfinkel durch das georgische Künstlermilieu der nuller Jahre. Zu einem der stärksten Debüts des Jahres kürt der Dlf Cecilia Joyce Röskis Sexarbeiterinnen-Roman "Poussi". Außerdem bewundert er die Sprachkraft, mit der Mina Hava die Gewalt im serbischen Gefangenenlager Omarska während des Bosnienkrieges schildert. Die NZZ empfiehlt Ha Jins Biografie des chinesischen Jahrhundertdichters Li Bai.

Prosa mit ADHS

06.07.2023 Der Dlf liest bei Ariel Magnus, wie Nazis und Juden in Argentinien seit 1945 "Tür an Tür" leben.  Die Zeit hüpft mit Tess Guntys
"Der Kaninchenstall" flirrend, assoziations- und überraschungsreich durch den Rust Belt Amerikas. Sehr empfehlenswert findet sie außerdem Cynthia Fleurys "Hier liegt Bitterkeit begraben", eine Theorie des Ressentiments. Die NZZ lernt von Eva von Redecker, dass ein "Bleiberecht" ein Freiheitsrecht ist. FAZ und Welt gehen mit Bodo Kirchhoff in Tunis unter die "Nachtdiebe".

zwischen tür und / engel

05.07.2023 Der Dlf verfällt den Liebesgedichten Doris Runges. Dlf Kultur durchwandert angeregt das Sonnensystem mit der Illustratorin Aina Bestard. Die SZ lernt in Hugo Lindenbergs Roman "Eines Tages wird es leer sein" mit einem Zehnjährigen, wie man als Familie nach dem Holocaust weitermacht. Die FAZ überlegt mit einer 25-jährigen Studentin in Esther Schüttpelz' "Ohne mich", wie sich Karriere und Systemkritik vereinbaren lassen.

Ringo beim Herumalbern

04.07.2023 Die SZ schwelgt in Paul McCartneys Amateuraufnahmen aus dem Auge des Wirbelsturms der Beatle-Mania. Die FR freut sich über ein weibliches Mehrgenerationenporträt in Annika Reichs Roman "Männer sterben bei uns nicht."  Der Dlf  liest atemlos Giuliano Turones Buch "Geheimsache Italien" über die Verstrickungen der italienischen Politik mit der MafiaDlf Kultur empfiehlt Jen Wangs sensible und märchenhafte Graphic Novel "Der Prinz und die Schneiderin" über einen queeren Königssohn

Die schlimmsten Schlächter

03.07.2023 Die SZ vertieft sich in Anthony Beevors historisches Panorama über die russische Revolution. Die FAZ liest Krimis: Kotaro Isakas Roman "Suzukis Rache"erinnert sie an amerikanische Actionfilme. In Yasmin Angoes Debüt "Echo der Gewalt" verfolgt sie einen blutigen Rachefeldzug, der gerade durch seine Drastik fesselt. Und Yves Raveys "Taormina" überzeugt sie mit tragikomischer Gesellschaftskritik.

Werkseinstellung des Menschen

01.07.2023 Die FAZ empfiehlt eine von Marion Poschmann und Yoko Tawada herausgegebene Anthologie mit japanischer Gegenwartslyrik und entdeckt mit Yuko Tsushimas „Räume des Lichts" einen feministischen Klassiker japanischer Literatur. Die taz lernt in Reiner Möckelmanns Studie „Transit Istanbul-Palästina“ ein bisher wenig bekanntes Kapitel des Zweiten Weltkriegs kennen. Einen mächtigen Gesellschaftsroman liest die Welt mit Tess Guntys Debütroman „Der Kaninchenstall“. Donat Blum und Valentin Moritz verdankt sie eine Bestandsaufnahme heutiger Männlichkeit.

Kostümiert als Herzdame

30.06.2023 Die NZZ kann dank Jens Balzers Enzyklopädie der Neunziger den eigenen generationellen Gang vor die Hunde nachvollziehen. Die FAZ schwelgt lieber in den frühen französischen Fotografien der Contessa di Castiglione, die für ein Jahr die Geliebte Napoleons III. war. Dlf Kultur verliert sich in Anuradha Roys Roman über die Liebesgeschichte zwischen einem Hindu und einer Muslima im Indien der 1980er Jahre.

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