Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Lust am Widerspruch

22.01.2026 Die Zeit liest die von Gabriele Leupold meisterhaft übersetzten Erzählungen Andrej Platonows. Die SZ amüsiert sich prächtig, wenn Stefan Hertmans Gott und Teufel in einem Kunststudenten aufeinandertreffen lässt. Die taz bewundert, wie sich Jegana Dschabbarowa Körper und Sprache zurückerobert. Erschüttert liest die NZZ bei Son Lewandowski von Missbrauch im Leistungssport. Vorbildlich findet die FAZ, wie Klaus Rennert hinter die Kulissen der deutschen Justiz blickt. 

Der Klang des Kinyarwanda

21.01.2026 Die FAZ verkündet mit Scholastique Mukasonga im Ruanda der Dreißiger Jahre eine radikal weibliche Heilsvision. Die FR verfolgt gebannt, wie Mick Herrons neuer Krimi vom Nachbarschaftsdrama in eine düstere Geschichte über den Irakkrieg, Geheimdienst und Militär kippt. Die NZZ lernt Sigmund Freud in den Briefen, die er an seine Verlobte Martha Bernays schrieb, als eifersüchtigen Patriarchen kennen.  Dlf Kultur bescheinigt Pierre Michons Prosa in "Wintermythologien" eine unvergleichliche Wucht

Träume eines See-Elefanten

20.01.2026 Die FAZ bereitet sich mit Ferdinand Gehringer und Johannes Steger auf den militärischen Ernstfall in Deutschland vor. Mit dem Dramaturg Klaus Zehelein, der das Musiktheater umgekrempelt hat, erlebt sie "Unerhörte Augenblicke". Die SZ ruft mit Hermann Vinke die Jugend zum Kampf für die Demokratie auf. Die taz kann mit Patricia Thomas Comic Stimmen und Nöte aus dem "Jugendarrest" vernehmen. Dlf Kultur erfährt aus einem Kinderbuch von Nele Brönner und Michael Stavaric, dass Ameisen nur 1,1 Minuten am Stück schlafen und weiße Haie gar nicht.

Meister des Mäandernden

19.01.2026 Die FAZ ist mit Kai Grehns Hörspiel hautnah beim Prozess gegen Jeanne d'Arc dabei. Die FR lernt von Julian Barnes, wie man dem Tod mit einem Lächeln begegnet. Die taz ist schier überwältigt von Jens Harders Bilder-Geschichte des Universums. Die SZ lernt durch Tara Sullivans Jugendbuch "The Bitter Side of Sweet" die Arbeit auf einer Kakaoplantage an der Elfenbeinküste kennen. "Tax the rich!" ruft die Welt mit Gabriel Zucman. Dlf Kultur erfährt aus Owen Rees' "Eine unerzählte Geschichte der Antike" unter anderem, wie wenig Ovid sein Exil an der Schwarzmeerküste gefiel. 

Ein Element des Rätselhaften

17.01.2026 Die FAS streunt mit einem Autisten, der sich zum Herzenskünstler entwickelt, durch eine postsowjetische Stadtlandschaft, die der lettische Romancier Andris Kalnozols zeichnet. FAZ und NZZ lassen sich nach Paris entführen: Die FAZ mit Felix Philipp Ingold zu den russischen Emigranten der 20er und 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, die NZZ mit Sebastian Smee zu den Impressionisten des 19. Jahrhunderts. Die FR empfiehlt als Mittel gegen Lethargie im Ukrainekrieg den Sammelband "Geteilter Horizont", weil er ihr den Kriegsalltag nahe bringt. Die SZ kämpft mit Kari Leibowitz' Ratgeber "Wintern" gegen den Winterblues. Die taz gruselt sich auf das angenehmste mit Josh Winnings Thriller "Verbrenn das Negativ" und taucht mit Maurice Crul und Frans Leslie ein in die Gesellschaft der Minderheiten europäischer Städte.

Von Bügelbrettern und Papiertütenfaltmaschinen

16.01.2026 Die taz lernt dank Karen van den Berg die unsichtbare Seite der Gegenwartskunst kennen. Die FAZ argumentiert mit Thomas Wagner angeregt gegen Hobbes, Herfried Münkler und andere Fürsprecher des Nationalstaats. Die FR kehrt mit Mascha Kaleko noch einmal nach Berlin zurück. Der Dlf entdeckt mit Konstantin Richters Sachbuch über die "Deutschland AG" den "Wirtschaftsroman, der fehlte". Und der Dlf Kultur bewundert, wie Anke Feuchtenberger mit ihren Comic-Essays nicht nur Themen wie Körperlichkeit und Sprache, sondern auch die Grenzen des Genres auslotet.

Finden Sie Ihre Madeleine!

15.01.2026 Zeit, FAZ, SZ, Dlf und Dlf Kultur feiern den letzten Teil von Leila Slimanis marokkanisch-französischer Familientrilogie: Weltliteratur von Proust'schem Format, jubeln sie. "Partisanenhaft wild" nennt die FAZ zudem Peter Waterhouse' 1500-Seiten-Brocken "Z Ypsilon X". NZZ und Dlf Kultur mäandern ein vermutlich letztes Mal durch das Denken von Julian Barnes. So besorgt wie beeindruckt liest die SZ außerdem Ray Dalios "Weltordnung im Wandel" über Aufstieg und Fall von Nationen.

Zugleich irdisch und göttlich

14.01.2026 Die FAZ schöpft mit Christoph Safferlins Buch "Ohnmacht des Völkerrechts" überraschenderweise Hoffnung für die Menschheit. Die FR geht mit Leila Slimani auf eine Erinnerungsreise nach Marokko. Die taz bechert sich mit Marcel Nobis durch die Kneipenkultur Westberlins. Dlf ergründet mit Bodo Kirchhoff die Liebe und das Verlassen-werden und lernt von Gabriel Zucman, wie eine Reichensteuer gelingen kann. 

Poesie der Nüchternheit

13.01.2026 Die FR lässt sich von Elli Unruh in "Fische im Trüben" zu einer mennonitischen Gemeinde in die kasachische Steppe entführen. Außerdem empfiehlt sie das neue Buch des Soziologen Hartmut Rosa. Die FAZ lernt mit Sandra Funck die 68er-Bewegung nochmal neu kennen, nämlich im Klassenzimmer. Die NZZ vertieft sich in die Memoiren der Pélicot-Tochter Caroline Darian. Die SZ verliebt sich in Barbara Yelins Comic über die Schauspielerin Therese Giehse. Und Dlf freut sich über die "Poetik der Freundschaft" in den Briefen Elsa Morantes an ihre Schriftstellerkollegen. 

Finsterer Witz und nüchterner Realismus

12.01.2026 Die NZZ lobt das neue Buch von Martin Schulze Wessel als "sorgfältig recherchierten" Augenöffner in Bezug auf die deutsch-ukrainischen Beziehungen. Außerdem taucht sie ein in die düster-witzigen Erzählungen von Adam Bodor über die ungarische Minderheit in Rumänien und den Schrecken der Securitate. Die SZ empfiehlt Christoph Safferlings "Ohnmacht des Völkerrechts" mit Einschränkungen. Dlf lernt Johann Gottlieb Fichte bei Harro Zimmermann als Intellektuellen voller Widersprüche kennen. Dlf Kultur widmet sich mit Julian Heisler "Amerikas Oligarchen".  

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