Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Irritierende Schlaglichter

17.06.2023 Der Dlf taucht ein in die unheimlichen Erzählungen von Maylis de Kerangal. Die FAZ liest Fernanda Alfieris Bericht über eine Teufelsaustreibung als Kampf zwischen Religion und Wissenschaft. Mit Penelope Mortimers Roman "Bevor der letzte Zug fährt" betrachtet sie interessiert das in Konventionen erstarrte England der Fünfziger. Die FR amüsiert sich mit Edmund Edels Berlinroman "Der Snob".  Dlf Kultur empfiehlt die Dürer-Biografie von Philip Hoare.

Wie explodierende Pilze im Reagenzglas

16.06.2023 Die Zeitungen empfehlen heute viele Kinderbücher: Die SZ reist mit gleich drei Bilderbüchern zum Mond - besonders gern mit Gosia Herba und Mikolaj Pasinski, die dort einen Elefanten vermuten. Klug und kunstvoll findet die FR, wie Zoran Drvenkar Kinder an das Thema Krieg heranführt. Die FAZ blickt in einem Bildband mit Paul McCartney auf die Beatlemania zurück. Und der Dlf denkt mit Celine Minard über menschliches Leben in tausend Jahren nach.

Letzter Außenposten des Nicht-Konformen

15.06.2023 Gleich zwei große, hierzulande noch unbekannte Romane sind zu annoncieren: Mark Aldanows "Der Anfang vom Ende" von 1943 erzählt von einer sowjetischen Delegation im Paris der 1930er Jahre, die ihren Glauben an den Kommunismus bereits verloren hat - ein unerwartetes Meisterwerk, schwärmt die Zeit. Und Janos Szekelys "Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann" aus den 1950er Jahren erscheint überhaupt zum erstenmal - eine Nacht am Ende des Zweiten Weltkriegs in Ungarn, eine Dreiecksbeziehung und ein Streik der Bauern sind seine Themen, die Szekely mit fast filmisch wirkenden Erzähltechniken evoziert, so der hingerissene Dlf Kultur.

Koboldeskes Spiel

14.06.2023 Der FAZ gewähren Henrike Lähnemann und Eva Schlotheuber mit "Unerhörte Frauen" einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Netzwerke von Nonnen in mittelalterlichen Klöstern. Die Welt lässt sich von Johannes Kleinbeck über die Erfindung des einvernehmlichen Sex aufklären, der so einvernehmlich nicht immer war. Die NZZ taucht mit Eva Vieznaviecs Roman "Was suchst du, Wolf?" in die von Gewalt und Krieg geprägte Vergangenheit von Belarus ein. Die SZ beobachtet mit der Harvard-Professorin Jana Costas gebannt Reinigungskräfte in ihrem Arbeitsalltag.

Griechischer Grillteller

13.06.2023 Höchst beeindruckt ist die NZZ von der Nüchternheit, mit der Yirgalem Fisseha Mebrahtu in ihren Gedichten von Widerstand und Haft in Eritrea erzählt. Berührt liest Silke Scheuermann in der FAZ Erika Schellenbergers einfühlsamen Roman "Alles behalten für immer" über Rilkes Tochter Ruth. Heinz Strunks Geschichten von gescheiterten Existenzen rät die SZ, nur in kleinen Dosen zu genießen. Außerdem verteidigt sie den Liberalismus gegen Raymond Geuss. Der Dlf empfiehlt Katajun Amirpurs kenntnisreiche Analyse "Iran ohne Islam". 

Kluger, sympathischer Zeitgenosse

12.06.2023 Die SZ freut sich, dass Wolfgang Benz den Hitler-Attentäter und lange unbesungenen Helden Georg Elser in einer eleganten Biografie wüdigt. Der DlfKultur rühmt noch einmal die Tagebücher der niederländischen Jüdin Etty Hillesum. Die FAZ liest bei Thomas Hutzschenreuter und Sebastian Jans nach, wem die deutschen Unternehmen gehören. Und die FR jubelt über krakenschwarzen Humor in Ned Beaumans Öko-Thriller "Der Gemeine Lumpfisch".

Feuerfestes Asbestherz

10.06.2023 Die taz lernt bei dem amerikanischen Historiker Charles King das jüdische Leben in Odessa vor dem Holocaust kennen. Außerdem blickt sie mit dem intellektuellen It-Boy Egon Bondy auf das Prag der Nachkriegszeit zurück. Die FAZ lernt Adelbert von Chamisso bei Matthias Glaubrecht als Reiseschriftsteller kennen. Die NZZ erkennt hinter Marina Zwetajewas fürchterlich ehrlichen Aufzeichnungen eine "Berserkerin der Liebe". Der Dlf tanzt mit Marie Vieux-Chauvets sinnlichem Roman über die haitianische Revolution auf dem Vulkan. Und die Welt denkt mit Elliot Page über Gender nach.

Knorrig gut und stürmisch spielerisch

09.06.2023 Der Dlf reist mit Oxana Wassjakinas Debütroman "Die Wunde" an die Ränder der russischen Gesellschaft. Dlf Kultur entdeckt in José Luis González Macías' Atlas der Leuchttürme faszinierende Geschichten von Heldentaten,  Wahnsinn und der absoluten Einsamkeit. Die NZZ verdankt Bodo Hell Spezialwissen über Eibe, Esche, Eiche und Zirbenzapfenlikör. Und die FAZ betrachtet die "Schlachtfelder der Nachkriegsmoderne" in einem Band mit Ansichtspostkarten aus der DDR und der BRD.

Überlebensliteratur

08.06.2023 Die NZZ lernt in Peter Frankopans Globalgeschichte des Klimas: Am Ende wird die Natur die Klimakrise selbst lösen, nur bedeutet das für die Menschheit nichts Gutes. Der Dlf staunt über den schwarzen Humor, mit dem Jose Dalisay vom Schicksal philippinischer Arbeitssklaven erzählt. Mit Toine Heijmans erklimmt er ein letztes Mal einen Achttausender. Dlf Kultur erkundet das Verhältnis zwischen "Künstler und Muse" in Mark Braudes Biografie über Kiki de Montparnasse und Man Ray.

Tanzen im La Plage

07.06.2023 Die FAZ liebt den sarkastischen und hochaktuellen Blick, den Simon Raven schon 1972 in seinem Roman "Wo man singt" auf eine englische Eliteuniversität warf. Die taz schwelgt im Leseglück mit Samuel Hamens Roman "Wie die Fliegen", der die Suche nach einem verschwundenen Teenager mit posthumanistischen Theorien kombiniert. Die Zeit ist beeindruckt von Ewald Fries Geschichte über das bäuerliche Leben seiner Familie. Der Dlf taucht mit Begeisterung in die fantastische Traumwelt Anna Giens ein.

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