Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Fragment eines Monologs

11.05.2023 Die FAZ lässt sich von David Safiers Liebesgeschichte seiner Eltern bewegen. Die NZZ begibt sich mit Mina Hava nach Bosnien auf den Spuren ihrer in die Schweiz emigrierten Familie. Die taz taucht mit Helena Baumeisters Comic "oh cupid" in die Welt der Dating-Apps ein. Die Zeit lässt sich angemessen verstören von Martin Musers Jugendroman "Weil". Dlf Kultur empfiehlt wärmstens Ostap Slyvynskys poetisches Buch über "Wörter im Krieg".

Auch sehr Zärtliches

10.05.2023 FAZ und SZ bewundern die stachelige Poesie der Notizen Ralf Rothmanns. Außerdem begleitet die FAZ in Angelika Overaths Roman "Unschärfen der Liebe" ein unwahrscheinliches Paar auf eine Zugreise nach Istanbul. Die FR liest in Verena Keßlers "Eva", wie inspirierend man über Kinderwünsche oder -nichtwünsche schreiben kann. Die NZZ bewundert Teresa Präauers "Kochen im falschen Jahrhundert" als präzises Buch über den Geschmack der Bourgeoisie im 21. Jahrhundert. Die SZ vertieft sich in die Erinnerungen des ehemaligen Bild-Chefs Kai Diekmann.

Kampftechniken

09.05.2023 Weniger kühl als Annie Ernaux, aber mindestens so wütend wie Virginie Despentes findet die taz Pauline Harmanges Bericht über ihre Abtreibung "Ich muss darüber sprechen". Die FR lässt sich fesseln von Depti Kapoors indischem Sozialdrama "Zeit der Schuld". Außerdem versucht sie mit Anthony McCarten, drei Tage lang der digitalen Überwachung zu entgehen. Die FAZ wirft mit Honorée Fanonne Jeffers' Roman "Die Liebeslieder von W.E.B. Du Bois" einige Gewissheiten über Bord. Der Dlf schwingt sich mit Sylvain Tesson über die Dächer von Paris.

Harte Erfolgsmenschen

08.05.2023 Die FAZ lernt von Dietmar Pieper, dass vor allem hanseatische Kaufleute den deutschen Kolonialismus vorantrieben. Die SZ liest bestürzt Andrea Erkenbrechers Geschichte des Kriegsverbrechens in Oradour. Die taz erfährt von Thomas Flierl und Andreas Butter, dass die DDR zwar erfolgreich Architektur, aber nicht den preußischen Kommunismus exportierte. Die FR entlarvt mit Sarah Chaney die (anderen) weißen Mittelschichtsakademiker als Neo-Normalisten.

Obszöne Grandezza

06.05.2023 Die taz lässt sich von Dennis Cooper einmal mehr in den dunkelsten Sumpf der menschlichen Existenz führen. Die SZ entdeckt mit Joy Williams eine Autorin, die schreibt als wäre "ein Haken schlagender Hase auf der Flucht“. Die Welt erfährt von Lukas Bärfuß: Es ist unmöglich, Mensch zu sein in einem unmenschlichen System. Die FR ist bereits nach dreieinhalb Zeilen ganz bezaubert von Gwendolyn Brooks „Maud Martha“. Als lohnenswerte Wiederentdeckung empfiehlt die FAZ Paul Zifferers Roman „Die Kaiserstadt“ über den Untergang der Habsburger.

Schlupflöcher im System

05.05.2023 Die FAZ erkundet mit der Paläoanthropologin Ella Al-Shamahi die Ursprünge des Handschlags. Die FR entflieht mit Ralf Rothmanns "Theorie des Regens" der Realität. Wie ein "Intrigenstadl" erscheint der Welt bei Katja Hoyer der Machtapparat der DDR. Die SZ fasst mit Sasa Stanisics "Wolf" den Mut, anders zu sein. Und der Dlf stürzt mit Jules Vallès' Jacques Vingtras ins Chaos der Revolution.

Schildkrötenangler im Ozean

04.05.2023 Die FAZ taucht mit Ha Jin begeistert ein in das Leben eines verbannten Unsterblichen und Meisters der Gelage: des Tang-Dichters Li Bai. Die FR liest in Buchi Emechetas Roman "Second-Class Citizen", wie es einer Nigerianerin im London der 1960er Jahre erging. Die Zeit folgt interessiert der Lebensgeschichte der Kommunistin Hertha Gordon-Walcher. Der Dlf liest zwei Bücher zu Einwanderung: Mariusz Hoffmanns "Polnischer Abgang" und Artur Weigandts "Die Verräter", die ursprünglich aus Kasachstan kamen.

Literarische Ménage-à-trois

03.05.2023 Die FAZ erkundet mit Sara Johnsons "Dancing Boy" die Freiheiten eines Bordells in einem links-grün-totalitär regierten Norwegen. Ein begeisterter Dlf empfiehlt Markus Orths' so intelligenten wie unterhaltsamen Roman "Mary und Claire" über die Shelley-Schwestern. Ein dickes Lob geht außerdem an Stefan Györkes geistreiche Gesellschaftskomödie "Die Mütter", die Emanzipation von ihrer chinesischen Nanny gelernt haben.

Instrument der Weltbeziehung

02.05.2023 Die SZ folgt gebannt der grotesken Nahost-Fantasie, die Abtisam Azems in ihrem "Buch vom Verschwinden" durchspielt. Mit Olga Tokarczuk geht sie in einem schlesischen Sanatorium auf Geisterjagd. Die NZZ lernt von Teju Cole, Kunst und Architektur physisch zu erleben. Die Welt fühlt sich wie bei Star Trek, wenn Arik Kershenbaum das Leben hinter Alpha Centauri ausmalt. Die FAZ blickt mit Michel Sterner optimistisch in die nicht-fossile Zukunft. Von gescheiterten Utopien liest sie in Yasmin Sibais Krimi "Punked".

Staunen über die Welt

29.04.2023 Die FAZ liest Marta Kijowskas Biografie über die polnische Literaturnobelpreisträgerin Wisława Szymborska wie ein Gedicht. Von Gabriel Zuchtriegel lässt sie sich nach Pompeji einladen. Die FR empfiehlt einen Band mit Essays und Reportagen aus der ukrainischen Gegenwart. In Blake Baileys glänzender Philip-Roth-Biografie erfährt sie: Nach Roth konnte man die Uhr stellen. Die taz lernt dank Erhard Stackl mit Hans Becker einen der schillerndsten" Akteure im Kampf gegen die Nationalsozialisten kennen.

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