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04.02.2023 Die Welt liest berührt und beglückt Clemens J. Setz' Roman "Monde vor der Landung", der ihr das wahre irdische Leben im Inneren des Planeten eröffnet. In den Essays der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja vermisst sie eigentlich nur ein paar Zeilen zur Ukraine. Die taz lässt sich von der französischen Philosophin Veronique Zanetti die "Spielarten des Kompromisses" darlegen. Mit Jacques Tardis "Adele-Comics" versinkt sie in verträumten Noir-Zeichnungen von Paris. Die FAS gerät mit Jan Carsons "Firestarter" zwischen die Fronten digitaler Brandstifter in Nordirland.

03.02.2023 Die NZZ liest David Graebers Studie über Piraten als alternative Geschichte des Westens. Die FAZ zieht Siegfried Kohlhammer vor, der ganz ohne Seeräuberromantizismus auskommt. Die FR folgt mit Ha Jin den Lebensetappen des chinesischen Dichters Li Bai in Versen. Und der Dlf Kultur ist nach einer poetischen LSD-Erkundungstour mit Anuschka Roshani ganz berauscht.

02.02.2023 FAZ und Dlf erleben mit Raphaela Edelbauers drei "Inkommensurablen" die letzten 36 Stunden in Wien vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die FR durchlebt mit Solvej Balles Roman "Über die Berechnung des Rauminhalts" ein Jahr lang ein und denselben Tag. Die Zeit streift mit Maria Bakhareva über "Märkte in aller Welt". Außerdem wünscht sie Maxim Znaks aus dem Gefängnis geschmuggelten "Zekamerone" so viele Leser wie möglich.

01.02.2023 Die FAZ bewundert, wie eigenwillig, messerscharf und rau Dinçer Güçyeter vom Schicksal der ersten Arbeitsmigranten in der BRD erzählt. Von Adrian Daub lässt sie sich über die Anfänge der Cancel-Culture-Bewegung in den USA aufklären. Die SZ kriecht mit Gregory Salle in die Seelen von Luxusyacht-Besitzern. Und Dlf Kultur lässt sich von den fünfzehn federleichten Porträts verführen, die Ann Mbuti von schwarzen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen hat.

31.01.2023 In der FAZ feiert Jochen Schimmang die unteutonische Eleganz, mit der Gabriele Weingartner ihren Helden Leon Saint Clair in einem Luxushotel in Chur auf Wolfgang Hildesheimer treffen lässt. Für ein Meisterwerk hält die taz auch Joshua Cohens Campusroman "Die Netanjahus", der mit viel Witz von der jüdischen Diaspora in den USA erzählt. Die NZZ staunt, wie spielend Randall Kenan in "Einfall der Geister" Leichtigkeit und Düsternis verbindet. Fasziniert und verstört liest der Dlf Anna Kavans Geschichten aus der Psychiatrie. Und die FR kann nicht genug bekommen von Ian Rankins alterndem Ermittler John Rebus.

30.01.2023 Als Sensationsfund preist der Dlf Marcel Prousts "Fünfundsiebzig Blätter" mit Skizzen und Überlegungen zur "Recherche" und legt sie allen Proust-Ultras wärmstens ans Herz. Hingerissen ist er auch von Brian Lies' Kinderbuch "So groß wie der Himmel", das die liebenswerte Geschichte von Eddie, dem Fuchs erzählt. Die NZZ freut sich, wenn Lena Andersson in ihrem Roman "Der gewöhnlichste Mensch" das schwedische Volksheim wie ein Kartenhaus einstürzen lässt. Die FAZ lernt von Bruno Schönfelders "Fluch des Imperiums", warum Russland gar nicht funktionieren kann.

28.01.2023 Der Dlf empfiehlt Marc Sinans musisch-poetischen Roman "Gleißendes Licht" über den Völkermord an den Armeniern. SZ und Dlf Kultur lassen sich gern von Annette Pehnts "Schmutziger Frau" den Boden der Realität unter den Füßen wegziehen. Die NZZ liest verstört Hans-Hermann Klares urgewaltige Biografie über den Juristen und Holocaustüberlebenden Philipp Auerbach. Die FAZ lernt in einem Text-und-Kritik-Band den "Literarischer Journalismus" schätzen.

27.01.2023 In der FAZ wünscht sich Christoph Möllers, so erschöpft wie angeregt, eine resümierende Kurzfassung von Gertrude Lübbe-Wolffs Globalgeschichte über die Arbeitsweise von Verfassungsgerichten. Die SZ verbringt mit einer Bande Teenagern den "Winter auf Solupp". Die FR empfiehlt wärmstens Filip Ganczaks Biografie über Jan Sehn, den polnischen Fritz Bauer. Dlf Kultur versteht mit Adom Getachews "Die Welt nach den Imperien", warum eine neue Weltwirtschaftsordnung für die frühen Theoretiker der Dekolonisierung so wichtig war. Die FAZ hätte sich von Getachew wiederum eine ehrlichere Analyse des Scheiterns postkolonialer Entwürfe gewünscht.

26.01.2023 "Ich bin zu zart für diese Welt", ist der zweite Teil von Manfred Krugs Tagebuch betitelt, Dlf Kultur ist gerührt. Und amüsiert sich königlich mit Joshua Cohens Campusroman "Die Netanjahus". Die taz versinkt fasziniert in Andrea Giovenes Romanreihe um den jungen Adligen Giuliano di Sansevero. Die Welt taucht mit Oliver Hilmes in die "Schattenzeit" des Jahres 1943. Die FR ist starr vor Bewunderung für Maxim Znaks "Zekamerone", den er in belarusischen Gefängniszellen erschuf.

25.01.2023 FAZ und SZ lesen tief beeindruckt Dževad Karahasans Roman "Einübung ins Schweben", der von der Belagerung Sarajevos 1992 erzählt, von den Menschen, die sie aushalten mussten, und einem walisischen Intellektuellen, der dort versagte. Der Dlf schwelgt auf 450 Seiten in den Notizen und Aphorismen Wilhelm Genazinos. Dlf Kultur lernt mit "Miss Money" schlaues Konsumieren. Die FR nervt die Besserwisserei zweier Studierter mit unterschiedlichen Lebenswürfen in dem Roman "Zwischen Welten" des Autorenduos Simon Urban und Juli Zeh. Dlf Kultur hat das ganze dagegen als Satire amüsiert.