Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Mama, ich bin verliebt!

24.01.2023 Nur bewundern kann die taz, wie unerschütterlich der belarussische Anwalt Maxim Znak mit seinen Erzählungen "Zekamerone" auch Mut, Humor und Esprit aus dem Gefängnis schmuggelt. Klasse findet sie auch Bastien Vives' Neuerfindung des lässigen Seefahrers Corto Maltese. Die NZZ jubelt über Marlene Streeruwitz' Antiroman "Tage im Mai", der trefffsicher vom Kampf zwischen Boomern und Doomern berichte. Als begnadeten Erzähler feiert die FAZ den koreanischen Autor Cheon Myeong-kwan und seinen Roman "Der Wal". Und die SZ steht ratlos vor der Neuübersetzung von Ernest Hemingways "Wem die Stunde schlägt", aus der Flüche und Schimpfwörter getilgt wurden.

Bildungsroman mit Damenpistole

23.01.2023 Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, ganz und gar hingerissen ist sie von Reto Crameris "Alula", in dem sich zwei Kinder auf Abenteuer durch Garten und Urwald begeben. Als witzig, cool und überraschend feiert die FR Michael Köhlmeiers Roman "Frankie". Der tau gefällt der anarchistische Impuls in Hendrik Otrembas Roman "Benito". der DlfKultur erkennt mit Karl-Heinz Göttert in Massenbewegungen eine Evolution des gemeinsamen Gehens.  Zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag spricht die SZ Erinnerungen von Überlebenden.

Blitzlichtaufnahmen

21.01.2023 Mit Simon Urban an ihrer Seite wächst Juli Zeh über sich hinaus, meint die SZ. FR und taz lernen Wilhelm Genazino in dessen Werktagebücher als Meister der Aphorismen kennen. Die SZ hält Ottessa Moshfegh nach der Lektüre von „Lapvona“ für die „Klassenbeste der US-amerikanischen Gegenwartskultur“, die FAS empfindet nur Ekel angesichts dieser Gewaltorgie. Die taz blickt mit Sebastian Pittelkow und Katja Riedel indes abgestoßen auf die Machenschaften der AfD. Die FAZ liest angeregt Matthias Bormuths Biografie über Martin Warnke. Und Dlf Kultur stellt mit Kolja Reichert 50 Fragen an die Kunst.

Liebesbeweis für die Leser

20.01.2023 Die FR bewundert, wie Donald Antrim dem Denken und Empfinden des Suizidalen nachspürt. Die FAZ staunt, wie Vladimir Jankelevitch Henri Bergsons Denken von innen heraus rekonstruiert. Dlf Kultur folgt Ferdinand von Richthofen mit Marcus Hernig durch dreizehn chinesische Provinzen. Dank Annie Ernaux erhält er Einblick in männliches Geheimwissen.

Lesestoff mit Qualitätsgarantie

19.01.2023 Der Dlf feiert Norwegens Balzac: Die Schriftstellerin Amalie Skram und ihre Tetralogie "Die Leute vom Hellemyr". Die FAZ empfiehlt einen Klassiker der slowenischen Literatur: Drago Jancars Roman "Nordlicht", der vom Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Maribor erzählt. Schon vorbei?, fragt die hingerissene FR enttäuscht nach der Lektüre von Peter Stamms "In einer dunkelblauen Stunde". Die Welt sucht mit Christoph Menke nach einer neuen Freiheit.

Pochiert eine Delikatesse

18.01.2023 Virtuos findet die SZ, wie Peter Stamm mit schelmischer Offenheit das Genre der Autofiktion zerpflückt. Von Andreas Ammer erfährt sie von der lebenslangen Einsamkeit der Auster. Die FAZ lauscht gebannt, wenn ihr Hendrik Otremba die Geschichte eines Amoklaufs erzählt. Die NZZ staunt über die Aktualität von Carlo Masalas wiederaufgelegten Analysen zu Staatszerfall, Migration, Terrorismus und Pandemien. Und DlfKultur lernt dank Lone Frank die Formel der Liebe kennen.

Kunstvoll-literarische Willkür

17.01.2023 Augenöffnend findet die FAZ Philip Bloms Geschichte der menschlichen Herrschaft über die Natur. FR und SZ verschlingen Raphaela Edelbauers Roman "Die Inkommensurablen", der von drei Jugendlichen in Wien bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs erzählt. Die SZ stellt auch die ukrainische Autorin Sofia Andruchowytsch vor und lernt mit Marion Fourcades "Zählen, benennen, ordnen" die Kunst der systematischer Bewertung. Der DlfKultur bewundert die nüchternen, wahrnehmungsgenauen Notizen der Dichterin Marina Zwetajewa "Ich sehe alles auf meine Art".

Aus dem Ehe- und Bildungsleben

16.01.2023 Auch in der Hörbuchfassung rühmt die FAZ Gabriele Tergits Roman "Effingers" als fahrlässig unterschätztes Jahrhundertpanorama. Außerdem freut sie sich über Meike Rötzers Mut, Kleists "Penthesilea"-Drama in ein mächtiges Hörstück zu verwandeln. Die FR feiert Jean Staffords soghafte Erzählungen "Das Leben ist kein Abgrund". Der DlfKultur entdeckt auch in Sofi Oksanens frühem Roman "Baby Jane" das Talent der Autorin zur Schonungslosigkeit. Und die SZ lernt von Barbara F. Walter, warum immer mehr Staaten an den Rand des Bürgerkrieges geraten.

Raum für Tiefsinn

14.01.2023 Achtziger Jahre, Drogenpartys, Serienmorde: Es geht eigentlich zu wie immer in Bret Easton Ellis' neuem Roman "The Shards". Die Kritiker sind teils begeistert, teils nicht so. In der FAZ staunt der Theologe Jörg Frey über Roberto Calassos "Buch aller Bücher", in denen der Autor, höchst gelehrt, die Leben Sauls und Davids in "ungeschönt realistisch Miniaturen" verwandelt. Die FR empfiehlt einen Band der Zeitschrift Osteuropa über die Ukraine. Die SZ verliebt sich in einen kleinen Roman von Sofi Oksanen, und der Deutschlandfunk bespricht drei Bücher über das Jahr 1923.

Das Ausbleiben des Winters

13.01.2023 Yuval Noah Harari kann die Geschichte des Homo sapiens auch Kindern nahebringen, freut sich die SZ. Von Dolly Parton und James Patterson lässt sie sich gern blenden und mit Ales Steger vertreibt sie die Kälte. Dlf Kultur liest Martin Mulsows Geschichte des Ideentransfers während der Frühaufklärung wie einen Krimi, prallvoll mit Wissen. Der Dlf staunt, wie Frank Witzel anhand eines Details in einer Derrick-Folge zum Fortleben des deutschen Nationalsozialismus vordringt. Die FAZ empfiehlt Christoph Menkes so scharfsinnige wie verrückte "Theorie der Befreiung".

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