Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Einfühlsam, fast balladesk

21.08.2023 Die FAZ lauscht Hartmut Rosas kleiner Soziologie des Heavy-Metals, die von echter Liebe zum Genre zeugt. Außerdem hört sie gespannt zu, wie George Tabori von seinem bewegten Leben erzählt. Die SZ liest Nikolai Epplées Buch über Russlands (Nicht-)Aufarbeitung des Stalinismus und möchte es gerne zum Standardwerk erklären. Dlf Kultur taucht mit Julia Korbiks origineller Graphic Novel in das Leben Simone de Beauvoirs ein. Der Dlf empfiehlt Drago Jankars Roman "Als die Welt entstand" über das Aufwachsen im Slowenien der sechziger Jahre.

Donnerwurmig und wüstenstumm

19.08.2023 Taz und SZ sind sich einig: Deniz Utlus Roman „Vaters Meer“ ist eine Wucht. Die Welt ist glücklich darüber, wie gut sich Tobias Rüther in seiner Wolfgang Herrndorf-Biografie in den Schriftsteller hineinversetzen kann. Die FAS empfiehlt Richard Fords lang erwarteten Roman „Valentinstag“. Die FAZ tanzt mit Tobias Bleek durch die Musikgeschichte der Goldenen Zwanziger. Der Dlf irrt mit Elif Batumans Protagonistin in „Entweder/Oder“ durch Harvard und schwirrt in Julia Willmanns Kinderbuch mit Schwebfliege Lilly durch die Welt. Dlf Kultur will mit Kohei Saito und Karl Marx den Kapitalismus beenden.

Zarte Neutralität

18.08.2023 Die taz lauscht gebannt, wenn Tijan Sila ihr von einer Kindheit in einem Sarajevoer Plattenbauviertel erzählt. Der Dlf lässt sich derweil von Jaap Robben die Geschichte einer traumatischen Mutterschaft in den Niederlanden der Sechziger erzählen. Keiner beschreibt Familiendramen so witzig wie Maxim Biller, meint Dlf Kultur. Als poetischen Lobgesang auf die Neugier und das Meer - und perfekte Strandlektüre preist er außerdem Patrik Svenssons "Chronistin der Meere". Und die FAZ lässt sich von Benno Gammerl in die queere Emanzipationsbewegung vom Kaiserreich bis heute einführen.

Verführerische Alleskönnerin

17.08.2023 Die Zeit ist ordentlich beeindruckt vom Debütroman der Schauspielerin Valery Tscheplanowa, "Das Pferd im Brunnen", der von drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen erzählt. Dlf freut sich über eine kommentierte Neuausgabe von Robert Walsers Taugenichts-Roman "Geschwister Tanner". Die Welt empfiehlt die Erinnerungen des Wirtschaftswissenschaflers Moriz Julius Bonn, einem Verteidiger der Vernunft im Zeitalter der Extreme. Die FR lernt mit Jan Costin Wagners Roman "Einer von den Guten" den ersten pädophilen Kriminalermittler der Literaturgeschichte kennen.

Fast rabiate Liebeserklärung

16.08.2023 Die FAZ liest mit Vergnügen in Susanne Stephans "Der Held und seine Heizung" über Brennstoffe in der Literatur. Die NZZ ist mächtig beeindruckt von Maxim Billers Roman "Mama Odessa". Die SZ jagt mit Heinz Strunk durchs Käsiland. Die taz empfiehlt zwei Bände mit neuer Literatur aus Afrika

Kleinfamilientraum und blutjunge Tinder-Liebhaber

15.08.2023 Die FR spürt in Hilary Mantels Erzählungen die ganze Enge und Bigotterie einer Kindheit und Jugend im Norden Englands. Der Dlf bewundert, wie Cécile Wajsbrot in ihrem autobiografischen Roman "Mémorial" die Geister einer dunklen Vergangenheit beschwört. Dlf Kultur preist Beliban zu Stolbergs komplexen Erstlingsroman "Zweistromland" über den kurdischen Widerstand. Die FAZ verfolgt mit Johannes Willms' Biografie Liebschaften und Abstieg des Sonnenkönigs.

Meisterin der Lichtbildnerei

14.08.2023 Die FR begibt sich mit Seishi Yokomizos raffiniertem Krimi "Mord auf der Insel Gokumon" auf Spurensuche ins Japan der Nachkriegszeit. Nicht so bekannt, aber umso brillanter ist Ivo Andrics' böser Balkan-Roman über ein maßlos geiziges Fräulein, jubelt die NZZ . Die SZ empfiehlt nachdrücklich Michael Thumanns Analyse des Putin-Regimes. Eckhardt Köhns Band mit Porträtfotografien des Aktivisten Franz Pfemfert ist ein Fest für alle Fotografie-Liebhaber, frohlockt die taz.

Das Prinzip Wunderkammer

12.08.2023 Amerikanische Gebrauchslyrik vom Feinsten empfiehlt die FAZ mit Diane Seuss' "Frank: Sonette". Die FR erinnert an den von Stalin ermordeten ukrainischen Autor Dovid Bergelson, der in seinen Erzählungen das Jahrhundert der Extreme eingefangen hat. Die SZ lernt aus Kohei Saitos "Systemsturz" das der Kapitalismus unreformierbar ist, wüsste aber noch gern, was danach kommen soll. Die taz lernt in Tobias Rüthers Biografie Wolfgang Herrndorfs den Autor auch als Maler kennen. Dlf Kultur erlebt mit Maria Borrelys "Mistral" eine stürmische erste Liebe in der Provence. Und empfiehlt die "Gesammelten Gedichte" der großen Wislawa Szymborska.

Rufe der Kuchenbäcker

11.08.2023 Die FAZ lernt in einem Band mit Gesprächen zwischen Wolfgang Rihm und Peter Trawny, dass es Stille nicht gibt. Das wird die NZZ vermutlich unterschreiben, die in Kai-Ove Kesslers "Geschichte des Lärms" etwa erfährt, dass sich Theodor Lessing den Lärm als Rache der Handwerker an den Verrichtern der Geistesarbeit dachte. Die taz schwelgt derweil mit Simon Reynolds in musikalischen Zukunftsvisionen. Die SZ empfiehlt Kinderbücher, die sich mit Autismus, Außenseitertum und Einsamkeit beschäftigen. Und die NZZ verdankt Helmut Böttiger Essays über Czernowitz eine "Lebensgeschichte osteuropäischer Urbanität".

Gemeinschaft der Einsamen

10.08.2023 Die FAZ lässt sich von Alphonse Daudet in die Fabriken des 19. Jahrhunderts führen, wo der junge Jack zugrunde geht. Die SZ liest erschüttert Nicola Lagiogias Roman "Die Stadt der Lebenden" über einen realen brutalen Mord in der schwulen Partyszene Roms. Die taz wartet mit Tom Kromer während der großen Depression auf Nichts. Die Zeit begibt sich mit Anthony Powell in der Zwischenkriegszeit auf die alkoholbeschwingte Suche nach einen verschwundenen Autor.

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