Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Kein charmbefreiter Apparatschnik

17.07.2023 Die FAZ hört Hörbücher: Mit Volker Weidermann begibt sie sich auf maritime Streifzüge. Außerdem empfiehlt sie die Erinnerungen des Holocaust-Überlebenden Carl Lazslo. Die SZ lernt mit Ilko-Sascha Kowalczuks Biografie, dass Walter Ulbricht viel charismatischer war als angenommen. 

Eine Jugend als Satyrspiel

15.07.2023 Michel Houellebecq stößt mit der Rekapitulation seiner Porno-Affäre auf geteilte Meinungen: Der Dlf amüsiert sich, die taz ist peinlich berührt. Lieber stürzt sich die taz auf eine senfgelbe Graphic Novel über Simone de Beauvoir. Zum Meisterwerk kürt die FAZ Amelie Nothombs biografischen Roman „Der belgische Konsul“ über ihren Vater. Die FR empfiehlt einen von Wolfgang Benz herausgegebenen Sammelband zur Geschichte der Ukraine. Die NZZ verdankt Marta Kijowskas Biografie ganz neue Erkenntnisse über die polnische Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska. Und der Dlf schlendert mit Joachim Sartorius durch das sizilianische Syrakus.

Im Sonnenstuhl dämmern

14.07.2023 Die FR liest mit Igal Avidans "Nach dem Bürgerkrieg" ein Porträt der arabischen Oberschicht in Israel. Die Welt erkundet mit Olivia Laing die Einsamkeit von Künstlern in New York. Die SZ erfährt von dem Historiker Jürgen Luh, dass Wilhelm von Preußen 1932  öffentlich dazu aufrief, für Hitler zu stimmen. Außerdem empfiehlt sie Kinder- und Jugendbücher. Dlf Kultur kehrt mit Gabriele Adameşteanu nach langen Jahren nochmal in die rumänische Heimat zurück. Mit Fabian Geier und Sebastian Rosengrün denkt er über ein Menschenrecht auf Digitalisierungsverzicht nach.

Ordnung der Dinge

13.07.2023 Die FAZ lernt mit Stanislaw Baranczaks Schriften aus den Siebzigern, wie man unter Bedingungen des politischen Drucks als Dichter wahrhaftig bleiben kann. Die Zeit lernt von Marina Zwetajewa, dass man ein ekstatisches Genie und zugleich ein menschliches Monster sein kann. Der Dlf lernt von David Chalmer, dass virtuelle Realität sehr real sein kann. Dlf Kultur ergibt sich mit Ulrich Woelk "Mittsommertagen", die in die Vergangenheit einer ehemaligen Linksaktivistin führen.

ChatGPT ist ihm zu woke

12.07.2023 Der FAZ liest mit angehaltenem Atem, wie treffend die legendäre Reporterin Dorothy Thompson Hitler beschrieb und sich trotzdem in ihm irrte. Außerdem begeistert sie sich für die Idee einer fluiden KI. Die FR stöbert fröhlich in Thomas Böhms "Die Wunderkammer des Lesens". Die SZ erkundet mit zwei prächtigen Bildbänden die Geschichte Wiener Zinshäuser. Dlf Kultur liest gefesselt Michael S. Kargs Kulturgeschichte des Knotens.

Maske des Memoirs

11.07.2023 Die SZ genießt die ruhig dahinfließende Prosa in Esther Kinskys Roman "Weiter Sehen", in dem ein altes Kino wieder zum Leben erweckt werden soll. Die FAZ streift in Heinrich Deterings neuem Gedichtband "An der Nachtwand" durch apokalyptische Landschaften und ergründet das Vergebliche des Menschseins. Von Emilienne Malfattos wuchtigem Roman "Möge der Tigris um dich Weinen" lässt sie sich mitreißen. Dlf Kultur geht mit Hans-Jürgen Feldhaus neuem Jugendbuch auf einen durchgeknallten Roadtrip.

Literarisches Himmelfahrtskommando

10.07.2023 Die SZ ist schwer beeindruckt von Peter Wensierskis Buch "Jena-Paradies. Die letzte Reise des Matthias Domaschk", das den bis heute nicht aufgeklärten Tod  des Bürgerrechtlers in Stasi-Haft beleuchtet. Die NZZ begibt sich mit den Erinnerungen des Dichters Egon Bondy auf einen wilden Ritt durch die fünfziger Jahre in Tschechien. Die taz empfiehlt Biljana Jovanovićs unkonventionellen Roman "Hunde und Andere" über eine homosexuelle Liebe in Serbien.

Eine Kathedrale oder zumindest ein Weinkeller

08.07.2023 Bemerkenswert findet die FAZ Elizabeth Duvals Buch "Nach Trans - Sex, Gender und die Linke", das sich auf keines der Klischees der Trans-Debatte einlasse und alle Position fair widerspiegele. Die taz lernt aus Anthony Beevors Buch über den russischen Bürgerkrieg einiges für die unmittelbare Gegenwart. In höchsten Tönen lobt die taz außerdem Tommi Parrishs Graphic Novel "Menschen vertrauen". Die FAZ empfiehlt außerdem noch einen unbekannten Agatha-Christie-Krimi für den Strand.

Dann fangen sie an zu knistern

07.07.2023 Die FAZ staunt, wie fantasiereich Harry Walter Alltagsfotos aus den dreißiger bis fünfziger Jahren in die Gegenwart transportiert. Die FR streift mit Jonathan Garfinkel durch das georgische Künstlermilieu der nuller Jahre. Zu einem der stärksten Debüts des Jahres kürt der Dlf Cecilia Joyce Röskis Sexarbeiterinnen-Roman "Poussi". Außerdem bewundert er die Sprachkraft, mit der Mina Hava die Gewalt im serbischen Gefangenenlager Omarska während des Bosnienkrieges schildert. Die NZZ empfiehlt Ha Jins Biografie des chinesischen Jahrhundertdichters Li Bai.

Prosa mit ADHS

06.07.2023 Der Dlf liest bei Ariel Magnus, wie Nazis und Juden in Argentinien seit 1945 "Tür an Tür" leben.  Die Zeit hüpft mit Tess Guntys
"Der Kaninchenstall" flirrend, assoziations- und überraschungsreich durch den Rust Belt Amerikas. Sehr empfehlenswert findet sie außerdem Cynthia Fleurys "Hier liegt Bitterkeit begraben", eine Theorie des Ressentiments. Die NZZ lernt von Eva von Redecker, dass ein "Bleiberecht" ein Freiheitsrecht ist. FAZ und Welt gehen mit Bodo Kirchhoff in Tunis unter die "Nachtdiebe".

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