8007 Bücherschauen - Seite 1 von 801

08.05.2026 Die FAZ legt mit Maylis de Kerangal Schicht um Schicht die Geschichte von Le Havre frei. Viel Spaß hat sie mit dem phlegmatischen Hans im Glück, den Jens Sparschuh als Restaurantkritiker durchs Nachwende-Berlin schickt. Die NZZ kommt Elena Ferrante in deren Essays so nahe wie nie zuvor. Der Dlf amüsiert sich mit in Fernando Aramburus „Fabula“ über zwei ungeschickte Anti-Helden, die für ein unabhängiges Baskenland kämpfen. Und Dlf Kultur lässt sich von dem Germanisten und Kulturhistoriker Albrecht Koschorke Anfänge und Widersprüche des Liberalismus erörtern.

07.05.2026 Die FAZ folgt Simeon Elias Hüttel gebannt durch die Kulturgeschichte des Vampirs, der sich im Westen zunächst gegen das Christentum durchsetzen musste. Bewegt folgt sie außerdem dem Lebensweg des im Irak geborenen jüdischen Theatermachers David Mouchtar Samorai. Die SZ begleitet mit Jan Jekal Brecht, Schönberg und andere deutsche Exilanten nach Hollywood. In der Zeit plädiert die Strafrechtlerin Elisa Hoven mit Ronen Steinke dafür, dass auch demokratiefeindliche Äußerungen von der Meinungsfreiheit geschützt sind. Und der Dlf Kultur freut sich, dass John Fowles’ „postmodern gebrochener“ Bildungsroman „Magus“ nun ungekürzt auf Deutsch vorliegt.

06.05.2026 Die FAZ freut sich über zwei Erzählungen von Alma Hirschel, die auch ein neues Licht auf das Werk ihrer Tochter Ruth Klüger werfen. Die FR streift mit Tobias Bütow, Corine Defrance und Ulrich Pfeil durch "63 Orte der deutsch-französischen Geschichte". Die SZ wundert sich, dass in Olivier Guez' Buch über Gertrude Bell nur aus der Perspektive der Kolonisatoren erzählt wird. Dlf Kultur schwärmt von Galit Dahan Carlibachs Roman "Waisenkind", in dem die Heldin Avital gegen eine unbarmherzige Gesellschaft ankämpfen muss.

05.05.2026 Die taz ist beeindruckt von Yavuz Ekincis Roman "Die, deren Träume zerbrochen sind", in dem der junge Kurde Ismail auf der Suche nach seinem Bruder sich selbst findet. Die NZZ sieht in Andris Kalnozols Roman "Kalender" über einen autistischen Jungen ein großes Außenseiterporträt. Die FAZ lernt von Dieter Henrich, was echte Dankbarkeit ist. Mit Adrian Daub widmet sie sich dem Machthunger der Tech-Giganten aus dem Silicon-Valley. Die SZ nimmt mit Gabriele von Arnim Abschied von politischen Gewissheiten.

04.05.2026 Die FAZ verspricht Hochspannung mit Helena Falks neuem Krimi, in dem einer Köchin nur fünf Tage bleiben, um den Mörder ihrer reichen Auftraggeber zu finden. Mit Susanne Kaiser geht sie Cybermobbern an den Kragen. Dlf und NZZ vollziehen mit Susanne Heim erschüttert nach, wie viele Länder ihre Grenzen für jüdische Menschen auf der Flucht vor den Nazis schlossen. Die SZ lobt Ryan Gingeras Globalgeschichte über die Mafia als "luzide Gesamtschau", hätte sich in manchen Punkten aber mehr Tiefe gewünscht.

02.05.2026 Der Deutschlandfunk bestaunt Juan Gómez Bárcenas gleichermaßen persönliches wie makrohistorisches "Opus Magnum" "Alles andere ist Luft", das zugleich ein Roman ist, aber auch die Geschichte eines Dorfes in Kantabrien - bis zurück vor Christus. Die taz lernt mit Nikolaus Lelle und Tom Uhlig Antisemitismus zu definieren, wenn auch ex negativo. Die Welt liest mit Faszination Sebastian Haffner über die deutsch-russischen Beziehungen. Die FAZ genießt, anders als übrigens die taz, Sharon Dodua Otoos "So, in etwa, ist es geschehen" als Provokation.

30.04.2026 Die Literaturkritiker sind offenbar schon ins lange Wochenende verschwunden. Die FR amüsiert sich aber vorab noch prächtig, wenn Nicolas Mahler Handke, Koeppen, Beckett und Co. beim Scheitern und Schimpfen über die Schulter blickt. Die NZZ liest interessiert Sam Apples Biografie des schwulen jüdischen Krebsforschers Otto Warburg, der unter den Nazis unbehelligt weiterarbeiten konnte. Im letzten Roman des kürzlich verstorbenen Portugiesen Antonio Lobo Antunes blickt der Dlf aus 23 Perspektiven auf das Leben von Júlio de Melo Fogaça, einen vergessenen homosexuellen politischen Häftling der Salazar-Diktatur.

29.04.2026 Wie in einem Bosch-Gemälde fühlt sich die FAZ, wenn sie mit Irene Sola und einer Frauensippe auf einem katalanischen Landsitz den Tod der Matriarchin erwartet. Von Beschreibungsgenie Robert Seethaler lässt sie durch Sackgassen der Gesellschaft führen. Die NZZ begegnet dank Slobodan Snajder derweil den Bewohnern der ältesten Straße Zagrebs. Die SZ kürt Christoph Möllers Buch über öffentliche Kunstfreiheit zum neuen Standardwerk. Die Zeit liest berührt, wie Tupoka Ogette den Rassismus in der DDR erlebte. Als eindringliches Leseerlebnis würdigt der Dlf Kultur Thomas Medicus' Roman über den Selbstmord seines Vaters.

28.04.2026 Die FAZ lässt sich von Bojan Pancevski die ganze brisante Geschichte der Nordstream-Sprengung erzählen. Eine äußerst streitbare Nacht verbringt sie mit Ethan Taubes und seinem Vater Jacob. Einen letzten Weckruf vernimmt die NZZ, wenn Jana Puglierin auf eine bessere europäische Sicherheitspolitik drängt. Der Dlf erfährt von Rainer Hermann, wie lange die Hamas den 7. Oktober plante. Immerhin die FR schöpft noch Hoffnung mit musikalischen Gedichten von Anja Bachl.

27.04.2026 Die FAZ empfiehlt heute eine ganze Reihe Kinderbücher. Am besten gefallen ihr Arne Rautenbergs Gedichte über Erdbeermilch trinkende Muthasen und Heinz Janischs Lyrikband, in dem Pferde über Wolken reiten. Die FR lässt sich im neuen Roman von Charles Lewinsky von einem Hollywood-Insider in 40 Therapiestunden von Doris Day und dem Trauma des Holocaust berichten. Die SZ lernt von Jörg Lau, dass die USA schon vor Trump kein Freund Europas mehr waren. Die NZZ bewundert die Worte, die Judith Schalansky in ihren Poetikvorlesungen aus Marmor meißelt. Und die Welt bekommt dank Dave Goulson Appetit auf sehr kleine Fische.