Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Urlaub vom Fortschreiben

10.04.2021 Rumena Bužarovskas Stories "Mein Mann" lehren die Welt die Komplizinnen des Patriarchats zu fürchten. Die FAZ bewundert, wie viel Schrecken Jenny Offill hinter der Leichtigkeit des amerikanischen Alltags zu verbergen weiß. Von Jakob Noltes "Kurzem Buch über Tobias" lässt sich die SZ gern etwas technophilen Futurismus gefallen. Mit dem indigenen Autor Richard Wagamese blickt sie in Kanadas "Gefrorenen Himmel". Die taz genießt die ruhige Prosa in Eva Schmidts Erzählungen "Die Welt gegenüber". Und der DlfKultur beginnt nach Nastassja Martins Erlebnissen mit Rentierzüchtern in Kamtschatka an die Seelenverwandschaft von Mensch und Tier zu glauben.

Der Duft von frischem Heu

09.04.2021 Die FAZ glotzt amüsiert mit Gerhard Stadelmaier dem Tanz der Virologen im TV zu. Die FR liest mit leuchtenden Auge, wie sich Arnold Stadler und Peter Handke in der Kneipe treffen. Die NZZ begleitet Handke derweil bei der "literarischen Teufelsaustreibung". Der taz klirren die Ohren durch Sahra Wagenknechts "Pfeifton der Rechthaberei". Die Welt lernt in Asal Dardans "Betrachtungen einer Barbarin" viel über strukturellen Rassismus. Dlf Kultur empfiehlt Stefan Matuscheks Geschichte der Romantik und die SZ stellt neue Jugendbücher vor.

Strenge Zärtlichkeit

08.04.2021 Die FAZ lässt sich von Dorothee Kimmich durch die Niemandsländer der Literatur führen. Die FR lässt sich von Bill Francois die Eloquenz der Sardine erklären. Die SZ lässt sich von Tim Parks die konzeptuelle Besinnungslosigkeit Heidelberger Naturwissenschaftler vorführen. Die Zeit lernt von Dan Diner, wie erst Multiperspektivismus die Komplexität des Zweiten Weltkriegs verständlich macht.

Selbst die messer haben das stechen satt

07.04.2021 Die SZ verortet Charlie Kaufmans überintellektuellen, universell-eschatologischen Romankomplex "Ameisig" in den olympischen Höhen von James Joyce und Arno Schmidt. Die NZZ besucht mit dem Architektenpaar Julia Jamrozik und Coryn Kempster "Kinder der Moderne". Mit Hingabe versenkt sie sich außerdem in einen Band mit Klassikern der Soziologie, die noch intellektuelle Distanz zum eigenen Milieu aufbrachten. Der Dlf empfiehlt Jenny Offils Roman "Wetter" wegen seiner Darstellung des Alltags einer jungen Amerikanerin. Die taz freut sich über den Humor und die Bildlichkeit von Juliane Lieberts "liedern an das große nichts".

Schaurig-schöne Schwerelosigkeit

06.04.2021 Der DlfKultur folgt gebannt Joseph Andras' Bericht "Kanaky", der dem Aufstandvon 1988 in Neukaledonien gegen die französische Kolonialmacht nachgeht. Ernüchtert liest die SZ Omer Bartovs "Anatomie eines Genozids". Die NZZ erkennt in Heinrich Blüchers "Versuchen über den Nationalsozialismus" den Dialog mit Hannah Arendt. Die FR lässt sich die Versöhnlichkeit in Heike Dukens Roman "Denn Familie sind wir trotzdem" gefallen. Und die FAZ tanzt mit Simone Buchholz am "River Clyde" auf dem Grat des Lebens.

Hoch und gespannt

03.04.2021 Die FAZ reist mit Sören Urbansky an die Ufer des Amur und entdeckt mit dem Gedichtband "Springer Innen" des 2014 verstorbenen Skispringers Alvaro Maderholz ein kleines Juwel abseits des Bekannten. Die taz liest Asja Bakićs dystopische Kurzgeschichten als verkappte Exilliteratur der bosnisch-kroatischen Autorin. Wer die Sprache des Totalitarismus verstehen will, dem empfiehlt die Welt Fang Fangs Roman "Weiches Begräbnis". Dlf Kultur vertieft sich in "Die nicht sterben", einen schillernden Schauerroman von Dana Grigorcea.

Wohltuende Erdung

01.04.2021 Die SZ lässt sich von Hedwig Richter über die Ambivalenzen im Kaiserreich aufklären. Im Dlf-Kultur erkennt Jürgen Zimmerer die postkoloniale Welt von heute wieder in Dan Diners Beschreibungen des Zweiten Weltkriegs. Die FR verliebt sich in die jungen argentinischen Nerds in Pola Oloixaracs Roman "Wilde Theorien". Die FAZ steckt mit den kafkaesken Erzählungen von Park Min-gyu in einer koreanischen U-Bahn fest. Und NZZ und SZ hätten auf die Übersetzung von Amanda Gormans „The Hill We Climb“ lieber verzichtet.

Idealistischer Patriotismus

31.03.2021 Die FAZ lässt sich von Jochen Hörisch das Hand-Motiv in der deutschen Literatur erklären. Die FR hat eine Riesengaudi mit Franzobels Roman über einen grandios misslungenen spanischen Eroberungszug in Amerika. Die NZZ empfiehlt Elif Shafaks Essay "Hört einander zu!" als Plädoyer für offenere Ohren. Die SZ amüsiert sich mit den Schnappschüssen des Fotografen Volker Hinz. Dlf Kultur lernt mit Turit Fröbes Band "Eigenwillige Eigenheime" auch Bausünden zu schätzen.

Der Versuch, Google Earth zu hacken

30.03.2021 taz und FAZ erkunden mit Amanda Gorman Inaugurationsgedicht "The Hill We Climb" die Höhen amerikanischer Rhetorik. Die FAZ versinkt auch beglückt in Anthony Powells Roman "Die Ziellosen". Die SZ unterhält sich ganz prächtig und keinesfalls unter Niveau mit Pola Oloixaracs Satire auf die akademische Linke "Wilde Theorien". Kein gutes Haar lässt sie an Hermann Parzingers Abriss der Kulturzerstörungen "Verdammt und vernichtet".

Ungeahnte Beweglichkeit

29.03.2021 Bewegt liest der DlfKultur Dulce Maria Cardosos Roman "Die Rückkehr", der von der Vertreibung einer portugiesischen Siedlerfamilie aus Angola erzählt. Feinfühligkeit und genaues Beobachten würdigt er auch in Helge-Ulrike Hyams' Bericht "Denk ich an Moria" und Elisa Diallos Rückblick "Französisch verlernen". Kühn findet der Dlf Vitomil Zupans Partisanenroman "Menuett für Gitarre (zu 25 Schuss)". Die SZ liest in dem Sammelband "Klasse und Kampf" nach, wie es ist, in Deutschland arm zu sein.

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