Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Moral, Glaube, Konsum

13.09.2022 Als atemberaubend intelligent feiert der Dlf Thomas Hürlimanns monströs-skurrile Internatsgeschichte "Der Rote Diamant". Berührt verfolgt der DlfKultur, wie sich in Heinz Helles "Wellen" Glück und Unglück im Leben eines Vaters ablösen. Die FAZ folgt Said freudig ins Teheran der Fünziger, von David Mitchells "Utopia Avenue" lässt sie nach anfänglichem Widerstand ins wilde London der Sechziger mitreißen.

Überheblich, wehleidig, sprühend

12.09.2022 Der Dlf erlebt mit Angela Steidele den Ideenwettstreit der Aufklärung aus der Sicht von Bachs Tochter Dorothea. Der DlfKultur streift mit Musa Okwonga durch Berlin. Die FR schärft ihren reaktionären Verstand mit den "Notas" von Nicolas Gomez Davila. Und die SZ verfolgt erwartungsfreudig, wie Dirk von Petersdorff in seiner Novelle "Gewittergäste" die Krisen wolkenhoch über Brandenburg auftürmt.

Otto Normalpublikum

10.09.2022 Einen neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit untersucht Jürgen Habermas in seinem jüngsten Band, ausgelöst durch das Internet, dass den geregelten Diskurs zerstöre. Die taz geht d'accord und wünscht sich mit dem Philosophen eine Ordnung der digitalen Öffentlichkeit. Für Dlf Kultur geht Habermas in seiner Analyse nicht weit genug. Die FAZ dagegen findet seinen Öffentlichkeitsbegriff ein wenig realitätsfern. Außerdem: Ganz schwindelig wird der FR auf dem Karneval, den Juri Andruchowytschs "Radio Nacht" entfesselt. Die taz liest Interviews mit Pier Paolo Pasolini

Unersetzbarkeit der Kunst

09.09.2022 Die FAZ lernt in Harald Jähners "Höhenrausch",  in Krisenzeiten einen klaren Kopf zu bewahren. Mit Silke Kipper lauscht sie dem Gesang des Fliegenschnäppers. Die Welt reitet mit Gaspard Koenig auf den Spuren Michel de Montaignes bis nach Rom. Dlf Kultur entdeckt mit Thomas Wagner anti-hierarchische Gemeinschaften auf der ganzen Welt. Der Dlf feiert mit Julia Deck, Eliten, Rappern und Gelbwesten ein katastrophal Fest in einem französischen Schloss. Und die SZ empfiehlt Kinder- und Jugenbücher über Außenseiter.

Das Antennenfeld wird nicht mehr bestellt

08.09.2022 Die FR erliegt dem Charme der untergehenden Bourgeoisie, die Thomas Melle in "Das leichte Leben" beschreibt. Die FAZ liest mit Scholastique Mukasongas Memoir "Frau auf bloßen Füßen" auch eine kurze Geschichte der Tutsi. Und findet eine überraschende Leichtigkeit in den neuen Gedichten von Durs Grünbein. Der in Paris lebende Raharimanana denkt nach über "Zurückkehren", in diesem Fall nach Madagaskar, und dies in einem wunderbar flirrenden Text, lobt Dlf Kultur. Enttäuscht ist hingegen die SZ von Jennifer Egans neuem Zukunftsroman "Candy Haus": Wo sind die radikalen Perspektiven, fragt sie.

Ins Dakota-Territorium

07.09.2022 Die SZ kann sich nicht helfen: Der neue Robert Galbraith aka J.K. Rowling übt einen unwiderstehlichen Sog auf sie aus. Die NZZ ist schwer beeindruckt von der Lebensgeschichte der Malerin Susanne Carolina Faesch, die Alex Capus zu einem Roman verarbeitet hat. Dlf bewundert die literarische Energie, mit der Lize Spit in "Ich bin nicht da" eine Depression verarbeitet. Dlf Kultur durchstöbert zusammen mit dem Philosophen Emanuele Coccia heimische Keller, Dachböden und Kleiderschränke um herauszufinden, was ein Zuhause ausmacht.

Der gute Sex ist nahe

06.09.2022 Die SZ feiert die Wiederentdeckung der italienischen Schriftstellerin Goliarda Sapienza, die sie mit ihrem epischen Prunkroman "Die Kunst der Freude" ebenso beeindruckt wie mit tiefenscharfen Fresken aus dem Gefängnis. Der Dlf erkennt die Doppelbödigkeit in Louise Nealons autobiografischem Roman "Snowflake". Die FR begeistert sich für Behzad Karim Khanis Neukölln-Roman "Hund, Wolf, Schakal. Der DlfKultur flieht mit Leona Stahlmann in die norddeutsche Marsch. Und die taz sehnt sich mit Rasmus Engler und Jan Müller zurück in Hamburgs Indieszene der neunziger Jahre.

Ekstatische Wahrheit

05.09.2022 Der Dlf feiert Jean Malaquais' Marseiller Emigrantenroman "Planet ohne Visum", in dem sich jüdische Flüchtlinge, russische Dissidenten, italienische Künstler, Marseiller Arbeiter und französische Aristokraten tummeln.Die FAZ verschlingt Oliver Bottinis Oberliga-Thriller "Einmal noch sterben" rund um den BND-Informanten Curveball. Auch Chuah Guat Engs malaysischen Krimi "Echos der Stille" liest sie gern. Benjamin Lahusens Studie zur NS-Justiz "'Der Dienstbetrieb ist nicht gestört'" lässt der SZ die Haare zu Berge stehen.

Obszönes und Absurdes

03.09.2022 Die Welt erlebt mit Juri Andruchowytschs Ex-Revolutionär die blutigen Revolten in der Ukraine und ihre Folgen. Mit Lauren Groffs Nonne Marie begibt sie sich auf einen Selbstermächtigungstrip durch Frankreich. Dlf Kultur gibt sich mit Sara Mesa Obsessionen in der spanischen Provinz hin. Die taz lässt sich von Julia Friese brutal ungefiltert über Mutterschaft aufklären. Die FR streift mit Oksana Sabuschkos "Schwestern" quer durch die Ukraine. Und in der FAS muss Jürgen Kaube Omri Boehms radikalem Universalismus in einigen Punkten widersprechen.

Markant privat

02.09.2022 Die FAZ flaniert mit dem von Maria Antonella Pelizzari und Arden Sherman herausgegebenen Fotoband durch ein Jahrhundert in Harlem. Mit Volker Hagedorn begegnet sie Freud, Mahler und anderen Größen der Jahre 1900 bis 1918. Die NZZ lässt sich von Omri Boehm über Identitätspolitik aufklären. Die FR lauscht gebannt, wenn ihr Michel Friedman in Form eines "atonalen Langgedichts" vom Gefühl des Fremdseins erzählt. Und die SZ empfiehlt Lesern mit starken Nerven Christian Friedrich Laukhards Berichte aus dem "Fußvolk".

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