Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Das Heitere einer Biene auf Honigsuche

26.01.2022 Die NZZ spürt mit dem Dokumentarroman des chinesischen Autors Liao Yiwu den Anfängen der Pandemie in Wuhan nach. Die FAZ begibt sich mit einem späten Roman von Aharon Appelfeld auf die Flucht durch die Ukraine. Die FR staunt über die Lakonie, mit der Mieko Kawakami vom Mobbing an einer japanischen Schule erzählt. Die taz empfiehlt wärmstens die von Kurt Scharf und Ali Abdollahi herausgegebene Anthologie persischer Lyrik aus dem 21. Jahrhundert. Und Dlf Kultur kann nicht genug bekommen von Monika Helfers Romanen über ihre Verwandtschaft.

Praktische Großherzigkeit

25.01.2022 Grandios findet der DlfKultur William Melvin Kelleys Roman "Ein Tropfen Geduld", der von einem blinden Jazzmusiker in den Südstaaten der Zwanzigerjahre erzählt (hier ein "Vorwort" von Angela Schader). Wie einen Song von Nina Simone genießt die SZ David Chariandys dunkel-poetische Roman "Francis". Der Dlf preist Tiefe und Humor von Abbas Khiders Roman "Der Erinnerungsfälscher". Die Gedichte von Rainer René Mueller sollten Schullektüre sein, meint die FR. Und die FAZ freut sich über die Wiederentdeckung der Reporterin Alice Schalek.

Erhöhte Reaktionsenergie

24.01.2022 Der Dlf schwingt sich mit Alexander Kluges "Zirkus"-Buch ganz ohne Netz von Erlebtem zu Gedachtem. Die FR bewundert, wie Yasmina Reza in ihrem neuen Roman "Serge" Abgründe öffnet, um das Unaussprechliche zu befreien. Die NZZ lässt sich von Monika Bolliger die Levante erklären. Die SZ liest Bücher zum jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, darunter Linda Wolfsgrubers poetisches Bilderbuch "Der Moment, bevor...".

Vor- und Rückblenden

22.01.2022 Die FAZ empfiehlt zwei Romane aus Kanada: Anne-Marie Garats "Der große Nordwesten", eine komplexe, in den 1930ern spielende Familiengeschichte, und Naomi Fontaines "Kleine Schule der großen Hoffnung" über eine junge indigene Lehrerin zwischen den Sprachen und Kulturen Kanadas. Wer China besser verstehen will, dem empfiehlt die FR nachdrücklich Radka Denemarkovas Roman "Stunden aus Blei". Die taz liest mit Grauen Uta von Arnims Buch über ihren Nazi-Großvater, der ein Institut für Menschenversuche in Riga leitete.

Das kurze Leben der Weihnachtsbäume

21.01.2022 Dlf und Dlf Kultur feiern die lakonisch-komische Miniaturprosa der Mary Ruefle (mehr zu Mary Ruefle auch in unserer Tagtigall). Die FAZ würdigt die feinen Unterschiede, die zwei Bände zu Beutekunst zwischen osmanischen und europäischen Raubzügen machen. Die FR lernt von Shumona Sinha, wie Literatur als Schutzwall gegen Gewalterfahrungen dienen kann. Die SZ lässt sich von Lea Schneiders "Scham" ermutigen, Verletzlichkeit zu zeigen.

Rote Wiesen und grüne Lippen

20.01.2022 Eine begeisterte FAZ durchstreift mit drei Kurzromanen von Cesare Pavese das Turin der fünfziger Jahre. Die FR wird mit Gedichten von Ulrike Draesner gleich "hell & hörig". Die SZ lässt sich von David Mendelsohn gern die Geschichte seiner Identitätsfindung erzählen. Wer noch theoretisches Futter zu Identitätspolitik sucht, dem empfiehlt die Zeit Sally Haslangers philosophische Exkursion "Der Wirklichkeit widerstehen". Der Dlf liest mit Entsetzen Stanislav Aseyevs Aufzeichnungen aus einem ostukrainischen Foltergefängnis.

Larven und Spukgestalten

19.01.2022 Die NZZ vertieft sich in zwei Bücher über die Aufklärung: Sabine Appels "Unser Rousseau" und Corine Pelluchons "Das Zeitalter des Lebendigen". Radikalste Gesellschaftskritik liest die SZ in den "Gedanken, Maximen, Reflexionen" des Moralisten Nicolas de Chamfort. Die FAZ empfiehlt einen Band über den "Tatort Polizei", die taz Monika Helfers Vater-Kind-Geschichte "Löwenherz".

Kompromisslos kühl

18.01.2022 Die FAZ erlebt mit Susan Taubes Roman "Nach Amerika und zurück im Sarg" noch einmal das wüste 20. Jahrhundert. Die FR versinkt in der flirrenden Hitze von Juan Rulfos Erzählwerk. Die NZZ huldigt mit Philippe Jaccottet und Fabio Pusterla der Schweizer Dichtkunst. Die SZ verschlingt Ayelet Gundar-Goshens Roman "Wo der Wolf lauert". Und der DlfKultur liest mit angehaltenem Atem Sofi Oksanens Thriller um die paneuropäische Fruchtbarkeitsindustrie.

Das Schlachtenpanorama Mensch gegen Natur

17.01.2022 Der DlfKultur blickt mit Richard Girlings "Der Mensch und das Biest" erschüttert auf die lange Leidensgeschichte der Kreatur.  Von Joke Hermsen lernt er dagegen, kreative Kraft aus der Melancholie zu schöpfen. Die SZ liest Bücher zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Die FAZ fängt heimlich an Pogo zu tanzen, wenn Charly Hübner von seiner ungestümen "Motörhead"-Jugend in Mecklenburg erzählt.

Die Sache mit der Mitmenschlichkeit

15.01.2022 FR und Dlf Kultur empfehlen wärmstens den Briefwechsel zwischen den beiden „Einander-Lesenden“ Christa Wolf und Franz Fühmann. Die FAZ erkennt in Heinz Rudolf Kunzes Autobiografie, wie gut Rock und Intelligenz zusammenpassen. Die taz kann nach der Lektüre von Alba de Cespedes’ verbotenem Notizbuch nicht fassen, wie die kubanisch-italienische Journalistin und Widerstandskämpferin in Vergessenheit geraten konnte. Mit Markus Gabriel erkundet sie die „Macht der Kunst“.

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