Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Obwohl sie selbst beim ersten Date ein Buch liest

07.02.2022 Der DlfKultur macht uns mit der englischen Autorin Aphra Behn bekannt, die bereits 1688 mit ihrem Roman "Oronooko" gegen Sklaverei und Kolonialismus anschrieb. Der Dlf preist die dänische Dichterin Inger Christensen, die Fiobonacci-Reihen zum Klingen bringen konnte. Die taz übt mit Robin Wall Kimmerers „Geflochtenes Süßgras“ indigene Ökologie. Die FR wappnet sich mit Natan Sznaiders "Fluchtpunkte der Erinnerung" für kommende Diskussionen. Elizabeth Wetmore lehrt die FAZ, einen großen Bogen um die texanische Ölstadt Odessa zu machen.

Trutzburgen moderner Ichbildung

05.02.2022 In der taz empfiehlt Jochen Becker Ulrich Wüsts Fotobuch "Stadtbilder" mit präzisen Erkundungen der zerfallenden DDR-Städte. Außerdem liest Katharina Granzin Roy Jacobsons "Die Kinder von Barrøy", den vierten Teil einer norwegischen Familiensaga.  Katharina Teutsch lässt sich in der FAZ von Angelika Meiers "Auflösung des Hauses Decker" faszinieren. In der SZ tröstet sich Jörg Magenau mit den Tagebüchern Manfred Krugs.

Offene Bekenntnisse

04.02.2022 Die FAZ lernt im letzten Band der Vorlesungen einen so extemporierten wie volkstümlichen Adorno kennen. Von Karel Čapek lernt sie, was der Gärtner im Winter so treibt. Dlf-Kultur begibt sich so erschüttert wie berührt mit Percival Everett auf die Spuren entführter mexikanischer Frauen. Außerdem staunt er über die Sinnlichkeit und Präzision, mit der Gert Loschütz in seinem dreißig Jahre alten Roman von Flucht, Verlust und Erinnerung erzählt.

Stählerne Direktheit

03.02.2022 Einzigartig findet die SZ Jon Fosses Roman "Ich ist ein anderer" und sprachmächtig wie Beckett. Die Zeit liest interessiert das brutal ehrliche Manifesto Bernadine Evaristos "Warum ich niemals aufgebe". Die FAZ schwärmt von den "One Hundred Poets", die Jürgen Partenheimer sich malerisch anverwandelt hat. Der dlf staunt über schonungslose Offenheit in Daniel Schulz' Debütroman "Wir waren wie Brüder" über eine Jugend in der Wendezeit. FAZ und Zeit empfehlen außerdem Manfred Krugs Tagebucheinträge in "Ich sammle mein Leben zusammen".

Spezialistinnen der Einsamkeit

02.02.2022 Die FAZ vertieft sich in eine fiktive Autobiografie des genialen estländischen Linsenschleifers Bernhard Schmidt. Die SZ lernt aus Alba de Cespedes' Roman "Das verbotene Notizbuch", wie Mutterliebe in Hass umschlagen kann. Dlf Kultur ist hin und weg von "Brummps", einem Mistkäfer mit Identitätsproblemen, weil er unter Ameisen aufwächst. Dlf empfiehlt Sara Pines Erzählband "Damenbart".

Paris Bar ist überall

01.02.2022 Die FAZ versinkt mit Jonas Mekas' Tagebüchern im New York der siebziger Jahre. Den Ruf der Vernunft vernimmt der Dlf in John McWhorters Streitschrift "Die Erwählten" gegen den neuen Antirassismus. Nicht zu verwechseln mit Thomas Manns fast vergessenem Roman "Der Erwählte", den der DlfKultur zu einem seiner schönsten kürt. Die NZZ lässt sich mit dem neuen Naturkunden-Band "Faultiere" gut gehen. Die SZ gönnt sich einen Abend mit Michel Würthle. Und die taz liest famose Comic-Thriller mit Witz und Karacho-Action.

Elegant noch in den längsten Sätzen

31.01.2022 Der Dlf preist Radka Denemarkovas Roman "Stunden aus Blei" über eine tschechische Schriftstellerin in Peking. In der NZZ lobt Hans Christoph Buch noch einmal Bei Daos Jugenderinnerungen "Das Stadttor geht auf".  Ein Paradebeispiel der Geschichte von unten sieht die SZ in Michael Wildts "Zerborstener Zeit". Der DlfKultur empfiehlt Richard Rohrmosers nüchterne Bilanz der "Antifa".

Überschreiben ist quälend

29.01.2022 Die FAZ liest bewundernd Guido Mosellis Weltabschiedswerk "Dissipatio", in dem das Ende der Menschheit auf leisen Flügelschwingen daherkomme. Der DlfKultur folgt dem Kartografen Edward Brooke-Hitchings angstfrei durch alle Zwischenreiche, Himmel und Höllen. Die taz verschlingt Sofi Oksanens Leihmütter-Roman "Hundepark" wie einen Thriller. Und die FR lässt sich von Manfred Krugs Tagebüchern in die Vergangenheit schleudern.

Literatur als helfende Hand

28.01.2022 Die SZ bewundert, wie Yasmina Reza das Grauen der irdischen Existenz in Unterhaltung verwandelt. Außerdem empfiehlt sie Kinder- und Jugendbücher: Von Marie Pavlenko lässt sie sich ein typisch französische „Kirsche auf der Torte aller Katastrophen“ kredenzen, mit George Lester findet sie als Drag Queen zu sich selbst. Die FAZ frischt mit Johann Jakob Spreng ihre „Kraft- und Sprüchwörter“ auf. Und der Dlf lauscht Liebling Kreuzberg, wenn Manfred Krug in seinen Tagebüchern Feinde disst.

Figur mit Selbstzweifeln

27.01.2022 Großes Lob in FAZ und Dlf Kultur für Abbas Khiders Roman "Der Erinnerungsfälscher", dessen Hauptfigur mit ihren Selbstzweifeln dem Leser sehr nahe kommt. Die Zeit verbeugt sich vor Liao Yiwus Dokumentarroman "Wuhan" der für sie wahrhafte Dichtung und Geschichtsschreibung zugleich ist. Außerdem lernt sie von David Graebers und David Wengrows Menschheitsgeschichte "Anfänge", was wahre Freiheit ist. Die NZZ ruft nach Lektüre eines Bandes über den "neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit" nach einer Ethikkommission zur Bekämpfung des digitalen Wildwuchses.

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