Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Krankengeschichte moderner Subjektivität

13.10.2021 Die FR empfiehlt zwei Bücher über die Auswüchse der Identitätsdebatten: Pascal Bruckner schreibt gegen ein Denken an, dass Menschen in ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft und ihrem Glauben einsperre, Jan Feddersen und Philipp Gessler bemühen sich indes um eine konstruktive Lösung des innerlinken Generationenkonflikts. Die FAZ reist mit Andreas Schwab in Künstlerkolonien von Barbizon bis Taormina. Dlf Kultur lässt sich von Marie N'Diaye eine Aufstiegsgeschichte a la Eribon erzählen. Und die SZ sucht mit J. K. Rowling nach einem verlorenen Kuscheltier.

Mit voller Absicht

12.10.2021 Die NZZ ist zwar nicht einverstanden mit Adam Toozes Gegenwartsanalyse "Die Welt im Lockdown", empfiehlt sie aber nachdrücklich zur Anhebung des Debattenniveaus. Die SZ lernt von Laurenz Lütteken, wie Monteverdi die individuelle Stimme anstelle des polyphonen Gesangs setzte. Die FAZ lässt sich gern von Stephan Thome eine taiwanische Geschichte erzählen. Die taz liest Sandro Veronesis Roman "Der Kolibri" über einen Mann, der sich lieber nicht ändern will.

Die Tochter des Hauses

11.10.2021 Als ultimatives Standardwerk über Krautrock hält die FR Christoph Dallachs "Future Sounds" hoch. Der DlfKultur lässt sich von Marieke Rijnevelds Roman "Mein kleines Prachttier" in die seelischen Abgründe einer niederländischen Bauernfamilie führen. Der Dlf folgt einem realitätshungrigen Visagisten durch Heinrich Steinfests "Amsterdamer Novelle". Sehr instruktiv findet die SZ Magnus Brechtkens Band zur "Aufarbeitung des Nationalsozialismus". Als würdigen Nachfolger der eingestellten Fischer-Reihe lobt sie zudem den neuen Kosmos Welt-Almanach

Die Frage nach der menschlichen Freiheit

09.10.2021 Die FAZ reist mit dem Philosophen Gaspard König in die Labore der KI und denkt mit Ralf Otte über Maschinenbewusstsein und neuromorphe Computer nach. Die FR sucht mit Emma Stonex an der englischen Küste nach drei verschwundenen Leuchtturmwärtern. Die taz notiert mit Hektor Haarkötter, um zu vergessen. Mit Oliver Nachtwey und Nicole Mayer-Ahuja schaut sie auf prekäre Arbeitsverhältnisse. Dlf Kultur blickt mit Anton Kusters' Polaroids auf die Himmel über den 1078 Konzentrationslagern der Nazis. 

Wohliges Stückchen Welt

08.10.2021 Die FAZ erkennt im Buch "Afropessimismus" von Frank B. Wilderson III. einen Meilenstein in den Debatten um Rassismus und Ausgrenzung. Der Dlf labt sich an der der Gelehrsamkeit von Walter Boehlich in dessen Briefen aus den Jahren 1944 bis 2000. Die SZ macht es sich mit einer kreativen Krähe in einer Ecke gemütlich und empfiehlt Kinder- und Jugendbücher. Die taz singt mit Kersty und Sandra Grether Songtexte von Popmusikerinnen der letzen Jahrzehnte. Und Dlf Kultur lernt von Bernhard Maier, dass Missionierung und Ausbeutung stets Hand in Hand gingen.

Schrullige Gestalten in universitären Talaren

07.10.2021 Brillant und subtil findet Christopher Clark in der Zeit Stephan Malinowskis Geschichte der Kollaboration der Hohenzollern mit den Nazis. Außerdem hätte die Zeit Jenny Erpenbeck den Literaturnobelpreis gegönnt. Die FAZ begegnet Wüstenprinzessinnen, tollkühnen Reitern und Sultanen in Marmaduke Pickthalls Reisegeschichten aus dem Orient. Die NZZ staunt über Alexander Goldstein:  Was immer der Autor anfasst, fängt an zu glitzern. Als Buch der Stunde empfiehlt die SZ Dave Eggers "Every". Die taz hebt einen Schatz mit Zeichnungen von Klaus Heinrich. Und Dlf Kultur verdankt Abi Daré ein differenziertes Bild der nigerianischen Gesellschaft.

Der Christus unter den Schriftstellern

06.10.2021 Die FAZ zieht mit Udo Di Fabio Coronabilanz. Der Dlf empfiehlt Cimamanda Ngozi Adichies eindringliches Trauerbuch über den Tod ihres Vaters im Corona-Jahr. Die Welt geht auf die Knie vor Michel Houellebecq. Die taz lässt sich von Douglas Stuart ins Arbeitermilieu im Glasgow der Achtziger entführen. Und Dlf Kultur probt mit Imbolo Mbue in einem afrikanischen Dorf den Aufstand gegen die rücksichtslosen Machenschaften eines amerikanischen Ölunternehmens.

Hinreißend verklatscht

05.10.2021 Die FAZ begegnet den toten Seelen in den Reportagen des schwedischen Autors Stig Dagerman aus der Ruinenlandschaft Deutschland des Jahres 1946. Wie es um die Demokratien steht, erfährt sie bei den Politikwissenschaftlern Armin Schäfer und Michael Zürn: Nicht gut. Die SZ probiert deshalb Christina Lafonts Rezepte für eine „deliberative Demokratie“ aus. Die taz liest Bruce Schoenfelds Biografie der Tennisspielerin Althea Gibson, die1958 als erste Schwarze das Turnier von Wimbledon gewann, als Buch über Rassismus, Klassismus und Sexismus. Dlf folgt atemlos, wenn Nina Bouraoui eine 53jährige Mutter zum großen Befreiungsschlag ansetzen lässt.

Mathematik und Emotion

04.10.2021 Die SZ blickt mit dem Historiker Daniel Hedinger auf die Globalgeschichte des Faschismus anhand der Achse Berlin - Rom - Tokio. Die FAZ empfiehlt heute Krimis, darunter besonders Tade Thompsons hemmungslosen Thriller-Koloss „Wild Card“. Die NZZ lässt sich von Jonathan Franzen mit Wucht an den Weihnachtstisch einer amerikanischen Pastorenfamilie katapultieren. Die FR setzt dem weltabgewandten Maler und Satiriker Heino Jaeger mit Rocko Schamoni ein würdiges Denkmal. Der Dlf lernt mit Dietmar Dath und Lady Gaga im Kino Mitmenschlichkeit. Und Dlf Kultur erfährt von Robert Rauh, warum es keinen Aufstand gegen den Mauerbau gab.

Durchaus smarte Kulturkritik

02.10.2021 Die FAZ amüsiert sich prächtig mit Irene Disches Roman über den französischen Transvestiten, Diplomat, Spion und Fechter Charles Geneviève Louis Auguste André Timothée d'Éon de Beaumont, bekannt auch als Chevalier d'Eon. Jonathan Franzen kann männliche Midlife-Crisis wie kaum ein anderer, loben FAZ und SZ, nur bei der Erzähltechnik verdreht die FAZ die Augen. Wer's eher nüchtern mag, dem empfiehlt sie Philipp P. Metzgers "Wohnkonzerne enteignen!" Die NZZ zieht den Hut vor Omer Bartovs Studie "Anatomie eines Genozids" einer Stadt namens Buczacz. Die taz freut sich über einen Sammelband neuveröffentlichter Briefe zwischen Herbert dem Greisen und Leo dem Weisen.

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