Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Weiser Liebreiz

20.09.2021 Molières Pointen zünden immer noch, freut sich die FAZ und labt sich an der Hörspiel-Edition mit Will Quadflieg, Bernhard Minetti und Siegfried Meisner. Außerdem berauscht sie sich an den Götterliedern der Àdda. Betroffen liest die NZZ Annie Ernaux' Buch "Das Ereignis", in dem sie von ihrer illegalen Abtreibung im Jahr 1963 erzählt. Die FR erfährt von Natascha Strobl wie sich Konservatismus radikalisiert. Die SZ lernt bei Alexander Gallus die Revolution von 1918 als offene historische Situation kennen und nickt zu Gesine Schwans Plädoyer für eine humanere Flüchtlingspolitk.

Witz von surrealer Klasse

18.09.2021 Die FAZ blickt so fasziniert wie irritiert mit Sophie Calle auf Brüste und ausgestopfte Katzen. Von Joe Miller erhält sie spannende Einblicke in die Entwicklung des BioNTech-Impfstoffes. Die SZ liest in Terezia Moras Alltagsskizzen von der schmerzvollen Beziehung der Autorin zu Ungarn. Die taz schaut mit Grit Lemke und der Avantgarde von Hoyerswerda in den Achtzigern noch optimistisch in die Zukunft. Der Dlf entdeckt frühe Lyrik und scharfe Mails in einem neuen Michel-Houellebecq-Cahier. Und Dlf Kultur staunt: Sally Rooney kann auch Tiefgang.

Errettung aus dem Schmerzenskäfig

17.09.2021 Die FAZ bricht in Begeisterungsstürme aus mit dem von Luis-Martin Lozano herausgegebenen Frida-Kahlo-Band. Die SZ fiebert mit Uwe Wittstock durch den Winter der Literatur 1933. Außerdem erlebt sie magischen Realismus in Berlin mit Hari Kunzru. Die NZZ lässt sich mit Bachtyar Ali vom Wind durch den Nahen Osten tragen. Dlf Kultur erkennt noch einmal die Kompromisslosigkeit von Christo und Jeanne-Claude mit einem Bildband über die Verhüllung des Arc de Triomphe.

Die Entstehung des modernen Nachlassbewusstseins

16.09.2021 Die Zeit taucht mit Klaus Pohls Roman "Sein oder Nichtsein" ein in die Prä-metoo-Welt der Hamlet-Inszenierung Peter Zadeks 1999. Und sie feiert die Schärfe von Peter Hamms literarischem Geschmack. Die FAZ irrt mit Beppe Fenoglios Roman "Eine Privatsache" durch das letzte Kriegsjahr 1944. Die die Geschichte einer Radikalisierung liest die FR in den Briefen des Suhrkamp-Lektors Walter Boehlich.

Intimhölle von Paradais

15.09.2021 Der Dlf taucht mit Kiran Jarmyschs Roman "Dafuq" ein ins russische Dissidentenmilieu von heute. Die FAZ gewinnt dank Steffen Maus "Sortiermaschinen" interessante Einsichten zu heutigen Grenzen. Von Fernanda Melchor lässt sie sich in ein von Gewalt, Pornos und Drogen gezeichnetes mexikanisches Dorf führen. Die taz lernt Methoden der Noise-Reduktion von Daniel Kahneman. Die SZ sucht bei Wolfgang Streeck vergebens eine überzeugende Alternative zum Kapitalismus und versinkt in John Mairs klassischem Politthriller "Es gibt keine Wiederkehr".

Untergehen in Armanigrau

14.09.2021 Der Dlf lernt von Eva Illouz und Dana Kaplan, wie sexuelles Kapital in der Ökonomie der Affekte wirkt. Der DlfKultur lernt von F.C. Delius "Die sieben Sprachen des Schweigens".  Die FAZ spürt die existenzielle Wucht hinter der burlesken Komik von Jean-Philippe Toussaints EU-Roman "Die Gefühle".

Lob des Alleinseins

13.09.2021 Die FAZ lernt von der Soziologin Elizabeth Currid-Halkett, wie der faire Konsum zur Prestigefrage der gebildeten Stände wurde. Die FR übersteht mit Alix Shulman die "Erfahrungen eines schönen Mädchens" in den siebziger Jahren. Die SZ entwickelt Verständnis für Andreas Voßkuhles harsche Urteile gegen die EU. Der DlfKultur verfällt mit Karl Heinz Bohrers Essays "Was alles so vorkommt" der Erotik des Schönen.

Maximal invasive Einfühlung

11.09.2021 Grandios findet der Dlf, wie Ulf Erdmann Ziegler vom politischen Leben in Berlin zu Beginn der Zehnerjahre erzählt. Die taz begrüßt Dilek Güngörs Roman "Vater und Ich", der sensibel Entfremdung und Sprachlosigkeit thematisiert. Außerdem fragt sie sich, warum die Kritiker Maxim Billers "Falschen Gruß" so umstandslos durchwinken. Die Welt macht den Hype um Sally Rooney nicht mehr mit. Dagegen lobt sie Felicitas Hoppes subtile Meta-Erzählung der "Nibelungen".

Grundformen des Lebens

10.09.2021 Die FAZ schwelgt in vier Bänden mit Vorlesungen von Adorno aus den 50er und 60er Jahren. Dlf Kultur liest zwei anregende Biografien: über den "Schönen Deutschen" Gottfried von Cramm und über den irischen Antarktis-Entdecker und Abenteurer Tom Crean. Die SZ empfiehlt Nadine Schneiders "Wohin ich immer gehe", ein Roman über einen Rumänienrückkehrer. Die FR lernt aus Robin Robertsons Roman "Wie man langsamer verliert", wie gespalten Amerika schon in den 50er Jahren war.

Ausdruck einer Unerlöstheit

09.09.2021 Die Zeit erfreut sich an den charakteristisch melodiösen Sätzen Georg Kleins, der ihr als einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsautoren gilt. Die FAZ lernt mit Sebastian Guhrs Roman über "Mr. Lincoln & Mr. Thoreau" die beiden als junge Käuze kennen. SZ und FAZ tauchen mit Sven Regeners "Glitterschnitter" erneut ein ins Berlin der 80er Jahre. In ein eher unbekanntes Berlin tauchen FR und SZ mit "Nastjas Tränen" von Natascha Wodin. Inspirierend findet die SZ außerdem Gaspard Koenigs Buch über Künstliche Intelligenz, "Das Ende des Individuums".

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