Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Moralische Zwickmühlen

27.08.2022 Die NZZ fand Existenzphilosophie nie unterhaltsamer als in Charles Lewinskys historischem Roman "Sein Sohn". Die FAZ empfiehlt Leila Aboulelas Erzählungen "anderswo, daheim", die von der Spannung zwischen Privilegien und Benachteiligung, Fremd- und Zuhausesein berichten. Die SZ taucht mit Behzad Karim Khanis Debütroman "Hund, Wolf, Schakal" ein in die Welt der Gangs von Neukölln. Die taz lernt von Armin Falk, "Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein". Die FAS staunt: Joan Didion war eine privilegierte reiche weiße Frau, die die Umbrüche in der amerikanischen Gesellschaft der Sechziger brillant analysieren und beschreiben konnte.

Riesenlibellen und geklaute Meteoriten

26.08.2022 Die FAZ entdeckt in Klaus Englerts Architekturführer Düsseldorf die Zukunft der Stadt, die taz blickt in die Vergangenheit schwuler Architekten. Der Dlf liest Theresia Enzensbergers Roman "Auf See" als Plädoyer für "weibliche Zukunftsentwürfe“. Dlf Kultur stellt sich beim Kiffen mit Joshua Groß in Innsbruck die Frage nach der Echtheit allen Erlebens. Und in Elinor Cleghorns "Die kranke Frau" entdeckt er eine andere, "brachiale" Medizingeschichte.

Niedere Instinkte

25.08.2022 FAZ und Dlf Kultur sind nach Lektüre von Daniela Dröschers "Lügen über meine Mutter" fassungslos, wie tyrannisch das deutsche Patriarchat in den 90ern noch war. SZ und FAZ schwärmen vom Witz und der Kunst der Karikaturistin Marie Marcks, die heute 100. Geburtstag hat. Die NZZ  empfiehlt Norbert Gstreins Roman "Vier Tage, drei Nächte" über ein beinahe inzestuöses Geschwisterpaar als raffinierten Leckerbissen. Dlf Kultur findet bei Thomas Piketty Munition für den Kampf um mehr Gleichheit.

Geheimdienste und sprechende Tulpenzwiebeln

24.08.2022 Die FAZ nimmt ein wenig teil am Boheme-Leben der Meret Oppenheim mit deren Album von 1958: Ein visuelles Fest, meint sie. Mit Erik Fosnes Hansens Goldmachern macht sie Brandenburg unsicher. Die FR birgt einen spanischen Klassiker mit Miguel de Unamunos Roman „Im Nebel“. Der Dlf Kultur verdankt Fabio Genovesi eine melancholische Liebeserklärung an das Geschichtenerzählen, an Riesenkalmare und das Meer. Mit Mariette Navarro gerät er in einen existenziellen Taumel im Tiefwasser.

Dauerkommunizieren

23.08.2022 Die SZ hat ein wenig Mühe mit Norbert Gstreins neuem Roman "Vier Tage, drei Nächte", in dem es nur Worte, aber keine Tatsachen gebe. Dem DlfKultur eröffneten sich immerhin beim zweiten Lesen die Subtilitäten dieser Liebesgeschichte um Macht und Unterwerfung. Die FAZ liest eher unfroh "Die geheime Reise" des Nazikollaborateurs Marcel Jouhandeau. Die NZZ begeistert sich für eine prächtige Biografie des Schweizer Malers Augusto Giacometti. Der Dlf hört mit Nicole Zepter auf über Zonen-Gaby zu lachen.

Planung, Geduld und Pemmikan

22.08.2022 Der Dlf liest verfällt Anthony Burgess' Malaya-Trilogie: Tolle Literatur, wenn auch in fast allen Punkten der postkolonialen Anklage schuldig. Der DlfKultur erinnert mit Miroslaw Wlekly an den britischen Journalisten Gareth Jones, der vom Holodomor in der Ukraine berichtete. Die taz lässt sich von Katharina Hermann an fast vergessene Autorinnen wie Johanna Schopenhauer oder Louise Aston erinnern. Die FAZ liest Kinderbücher und freut sich vor allem über den Umarmungsflashmob, den Konrad Kröterich im Stadtpark organisiert.

Strenges Affektmanagement

20.08.2022 Groß und kraftvoll findet die FAZ Giulia Caminitos Roman "Das Wasser des Sees ist niemals süß", der vom Aufwachsen an den Rändern Roms erzählt. Die SZ mutet sich gern die Härten in Linda Boström Knausgards Roman "Oktoberkind" zu, in dem die Autorin ihre bipolare Störung verarbeitet. Die taz lobt Franziska Gänslers beunruhigendem Klimaroman "Ewig Sommer", und auch Gesuino Némus' sardischen Krimi "Süße Versuchung" kann sie empfehlen. Lisa Eckarts neues Buch teilt die Gemüter: Die SZ moniert Gespreiztheiten und Abiturientenhumor, die FAZ jubelt über Zeremoniell und treffsichere Pointen.

Am Rande des Sagbaren

19.08.2022 Die FAZ geht mit Pawel Salzmans Aufzeichnungen aus der Zeit der Belagerung Leningrads in eine Zone des Daseins, wo das Menschsein sich auf Hunger, Kälte, Erschöpfung reduziert. Die SZ reist mit Daniela Dröscher zurück in die Achtziger und lauscht den Lügen, die der Vater über die übergewichtige Mutter erzählt. Der Dlf erschrickt über die Aktualität von Vladimir Sorokins Erzählung über die Perversionen der russischen Intelligenzija am Ende des 19. Jahrhunderts. Und Dlf Kultur ist sich sicher: Hätte Ruth Rehmanns Büroroman auf der Tagung der Gruppe 47 im Jahr 1959 nicht mit Grass, Böll und Johnson konkurrieren müssen, wäre ihr Buch zum Klassiker geworden.

man könnte gedichte / schreiben

18.08.2022 FAZ und FR lernen mit Doris Runges Gedichten den Gang einer Wasserfrau verstehen. Lob gibts in der FAZ auch für Steffen Schroeders gut recherchierten Roman über Max Planck. Die SZ lernt mit Alex Capus die Schweizer Künstlerin Caroline Welden alias Susanna Faesch kennen, die Sitting Bull porträtierte. Die Zeit tritt mit "Mutabor" ein ins Eifel-Universum Norbert Scheuers. Dlf Kultur empfiehlt Mohsin Hamids Roman "Der letzte weiße Mann".

Vorsichtig optimisch

17.08.2022 Dlf Kultur schaut in die Kristallkugel mit David Christians "Zukunft denken", und sucht mit Julie Völk ein stilles Örtchen für einen Drachen. Die FAZ vergnügt sich mit der Lektüre der Liedtexte von Carsten Friedrich. Die NZZ überblickt mit dem Historiker Ian Morris die langen Linien im Verhältnis Britanniens zum Rest der Welt von der Antike bis heute.

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