Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Das Antennenfeld wird nicht mehr bestellt

08.09.2022 Die FR erliegt dem Charme der untergehenden Bourgeoisie, die Thomas Melle in "Das leichte Leben" beschreibt. Die FAZ liest mit Scholastique Mukasongas Memoir "Frau auf bloßen Füßen" auch eine kurze Geschichte der Tutsi. Und findet eine überraschende Leichtigkeit in den neuen Gedichten von Durs Grünbein. Der in Paris lebende Raharimanana denkt nach über "Zurückkehren", in diesem Fall nach Madagaskar, und dies in einem wunderbar flirrenden Text, lobt Dlf Kultur. Enttäuscht ist hingegen die SZ von Jennifer Egans neuem Zukunftsroman "Candy Haus": Wo sind die radikalen Perspektiven, fragt sie.

Ins Dakota-Territorium

07.09.2022 Die SZ kann sich nicht helfen: Der neue Robert Galbraith aka J.K. Rowling übt einen unwiderstehlichen Sog auf sie aus. Die NZZ ist schwer beeindruckt von der Lebensgeschichte der Malerin Susanne Carolina Faesch, die Alex Capus zu einem Roman verarbeitet hat. Dlf bewundert die literarische Energie, mit der Lize Spit in "Ich bin nicht da" eine Depression verarbeitet. Dlf Kultur durchstöbert zusammen mit dem Philosophen Emanuele Coccia heimische Keller, Dachböden und Kleiderschränke um herauszufinden, was ein Zuhause ausmacht.

Der gute Sex ist nahe

06.09.2022 Die SZ feiert die Wiederentdeckung der italienischen Schriftstellerin Goliarda Sapienza, die sie mit ihrem epischen Prunkroman "Die Kunst der Freude" ebenso beeindruckt wie mit tiefenscharfen Fresken aus dem Gefängnis. Der Dlf erkennt die Doppelbödigkeit in Louise Nealons autobiografischem Roman "Snowflake". Die FR begeistert sich für Behzad Karim Khanis Neukölln-Roman "Hund, Wolf, Schakal. Der DlfKultur flieht mit Leona Stahlmann in die norddeutsche Marsch. Und die taz sehnt sich mit Rasmus Engler und Jan Müller zurück in Hamburgs Indieszene der neunziger Jahre.

Ekstatische Wahrheit

05.09.2022 Der Dlf feiert Jean Malaquais' Marseiller Emigrantenroman "Planet ohne Visum", in dem sich jüdische Flüchtlinge, russische Dissidenten, italienische Künstler, Marseiller Arbeiter und französische Aristokraten tummeln.Die FAZ verschlingt Oliver Bottinis Oberliga-Thriller "Einmal noch sterben" rund um den BND-Informanten Curveball. Auch Chuah Guat Engs malaysischen Krimi "Echos der Stille" liest sie gern. Benjamin Lahusens Studie zur NS-Justiz "'Der Dienstbetrieb ist nicht gestört'" lässt der SZ die Haare zu Berge stehen.

Obszönes und Absurdes

03.09.2022 Die Welt erlebt mit Juri Andruchowytschs Ex-Revolutionär die blutigen Revolten in der Ukraine und ihre Folgen. Mit Lauren Groffs Nonne Marie begibt sie sich auf einen Selbstermächtigungstrip durch Frankreich. Dlf Kultur gibt sich mit Sara Mesa Obsessionen in der spanischen Provinz hin. Die taz lässt sich von Julia Friese brutal ungefiltert über Mutterschaft aufklären. Die FR streift mit Oksana Sabuschkos "Schwestern" quer durch die Ukraine. Und in der FAS muss Jürgen Kaube Omri Boehms radikalem Universalismus in einigen Punkten widersprechen.

Markant privat

02.09.2022 Die FAZ flaniert mit dem von Maria Antonella Pelizzari und Arden Sherman herausgegebenen Fotoband durch ein Jahrhundert in Harlem. Mit Volker Hagedorn begegnet sie Freud, Mahler und anderen Größen der Jahre 1900 bis 1918. Die NZZ lässt sich von Omri Boehm über Identitätspolitik aufklären. Die FR lauscht gebannt, wenn ihr Michel Friedman in Form eines "atonalen Langgedichts" vom Gefühl des Fremdseins erzählt. Und die SZ empfiehlt Lesern mit starken Nerven Christian Friedrich Laukhards Berichte aus dem "Fußvolk".

In Worten wohnen

01.09.2022 Die FAZ  freut sich mächtig über den achten Band aus Peter Kurzecks Riesenromanprojekt - das Beste, was der Autor geschrieben hat, meint sie. Außerdem bewundert sie den gnadenlosen Biss, mit dem Dirk von Petersdorff das deutsche Doppelhaus-Milieu zerlegt. Die FR lässt sich anstecken vom "sprudelnden Geist" der Gedichte von Ernest Wichner. Die Zeit begleitet Werner Herzog durch ein Leben im Extrem. Und Dlf Kultur verdankt Emma Rothschilds Roman "Eine Hochzeit in der Provinz"einen differenzierten und spannenden Beitrag zur Kolonialgeschichte.

Arroganzheitsdenker

31.08.2022 Die FAZ bewundert den Realitätsgehalt in Uwe Dicks "Sauwaldprosa". Und von Holger Stromberg lernt sie "Zukunft kochen" mit klimafreundlichen Rezepten. Die FR erliegt dem Thrill von Dorothy Hughes Noir-Klassiker "Ein einsamer Ort". Die NZZ schwärmt von den unvergessliche Porträts in den vom Exil geprägten Lebenserinnerungen der Schauspielerin Hertha Pauli. Die SZ empfiehlt R. B. Bardis utopischen Roman "Der Kaiser, die Weisen und der Tod.

Das Drama und das Unglaubliche

30.08.2022 Die NZZ folgt Werner Herzog freudig durch das große Abenteuer seines Lebens, um von ihm das Staunen und Schreiben zu lernen. Die FAZ liest vergnügt Zakiya Dalila Harris' Roman "The Other Black Girl" über eine stockende Verlagskarriere. Der SZ gefallen die Ruhe und die Präzision, mit der Marta Orriols von einer Frau erzählt, die sich gegen ein Kind entscheidet. Der Dlf bewundert Thomas de Quinceys für seine ironische Melancholie. Und der DlfKultur studiert Affektpsychologie mit Jan Böttchers "Rosen-Experiment".

Eigenwillige Ansichten

29.08.2022 Der Dlf versinkt mit Andrea Giovenes "Autobiografie des Giuliano di Sansevero" freudig in der Melancholie Süditaliens. Die taz schwärmt von der programmatischen Offenheit in den Entwürfen des Gestalters Otl Aicher. Der DlfKultur feiert dreißig Jahre nach ihrem Erscheinen Ruth Klügers Jugenderinnerungen "weiter leben". In der NZZ bleibt Hans Christop Buch rätselhaft, warum das Nachkriegsfrankreich so nachsichtig mit Marcel Jouhandeau war.

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