Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Leuchtfeuer im Konjunktiv

13.05.2022 Die SZ staunt, wie heiter und dicht Yade Yasemin Önder von einer jungen Bulimikerin und ihrem 400 Kilo schweren Vater erzählt. Die FR bekommt Gänsehaut angesichts der Aktualität von Ingo Schulzes Bericht von einer Podiumsdiskussion 2016 im ukrainischen Charkiw. Die FAZ bewundert, wie der amerikanische Fotograf Mitch Epstein den Umgang mit Eigentumsrechten in North Dakota oder an der Grenze zu Mexiko einfängt. Der Dlf experimentiert mit Endre Kukorelly im Ungarn zwischen 1944 und 1995. Und Dlf Kultur probiert mit Slata Roschal "153 Formen des Nichtseins".

Wassermänner, Rabbatze und Mord

12.05.2022 Die FR begeistert sich für Yade Yasemin Önders Sprachkunstwerk "Wir wissen, wir könnten, und fallen synchron". Die FAZ  lacht sich scheckig mit Juhani Karilas Roman "Der Fluch des Hechts" aus der nordfinnischen Pampa, der Krimi, Fantasy und Lovestory vereinigt. Lob gibt es auch für  Michael Kempes Leibniz-Biografie. Nur: Wo bleibt der Sex, fragt die FR. SZ und Zeit verheddern sich hoffnungslos in Uwe Tellkamps neuem Roman "Der Schlaf in den Uhren".

Idee der Rebellion

11.05.2022 Die FAZ begrüßt die Wiederauflage von C.L.R. James' Klassiker über die Revolution von Haiti und liest im Anschluss interessiert Sudhir Hazareesinghs Biografie des Revolutionärs Toussaint Louverture. Gerbrand Bakker folgt sie gebannt bei der "fortschreitenden Selbstentblößung". Die FR erinnert sich mit Gedichten von Ulrike Almut Sandig an das Kinderlied-Wesen Zippelonika. Zornig und brillant wie Jelinek wird die NZZ von Heike Geissler daran erinnert, dass die Klage eine literarische Form sein kann. Und die SZ kann Delphine de Vigans Social-Media-Krimi nicht aus der Hand legen.

Schnitte ins Gelände

10.05.2022 Ein wenig überraschend lobt Micha Brumlik in der taz James Lindsays und Helen Pluckroses Streitschrift "Zynische Theorien" gegen identitätspolitischen Dogmatismus für argumentativen Reichtum und Scharfsinn. Der Dlf liest bei Nathaniel Rich über die Versumpfung Louisianas und giftige Stoffe in Funktionsjacken. Die SZ wünschte sich, Eltern würden ihren Kindern Christian Schultz-Gersteins Essays und Kritiken vermachen. Die FAZ kommt mit Katharina Adlers Roman "Iglhaut" voll auf ihre Kosten. Und der DlfKultur beobachtet fasziniert, wie Jürgen Nendza mit der Sprachschaufel das lyrische Wortfeld bestellt.

Schön-scheußliche Sinnestäuschungen

09.05.2022 Die SZ reist mit Franziska Davies und Katja Makhotina zu den "Offene Wunden Osteuropas" und fragt sich, warum Orte wie Blagowschtschina und Korjukiwka  nicht zu unserer Erinnerungskultur gehören.  Der Dlf feiert eine Edition mit den Essays des bestürzend gebildeten Schriftstellers Max Hermann-Neiße. Der DlfKultur folgt dem finnischen Fotografen Perttu Saksa zu den Ölfeldern Nigerias. Die FR lernt von Silke Kipper, woher die Romantik der Nachtigall rührt.

Mut zum Optimismus

07.05.2022 Die Welt lernt von Keiichiro Hiranos "Das Leben eines Anderen", wie sehr Romane einem Identitätsschwindel gleichen. Etwas traurig winkt sie ab bei Uwe Tellkamps neuem Roman "Der Schlaf in den Uhren": hochpoetisch, aber so fremdenfeindlich. SZ, Welt und Dlf Kultur versinken in Sibylle Bergs Dystopie "RCE". Die FAZ liest zwei Bücher, die sich kritisch mit dem Konzept der Genderidentät und ihren Tabus auseinandersetzen. Die taz amüsiert sich mit Asa Larssons Thriller "Wer ohne Sünde ist". Der Dlf bleibt "nachts wach" mit der Pflegerin Berthe Arlo.

Chopin-Platten als Wurfwaffen

06.05.2022 Die FAZ träumt mit Nicklas Brendborg davon, sich wie die kleine Qualle Turritopsis immer neu zu regenerieren. Die FR verdankt dem Historiker Michael Wildt einen Reichtum an Erkenntnissen über die deutsche Geschichte zwischen 1918 und 1945. Die SZ kämpft mit Zoran Drvenkas süßen Schlampen gegen kriminelle Banden. Wahrhaftige Kunst ist für sie Eckhart Nickels "Spitzweg". Der Dlf begibt sich mit Re Soupault auf eine Radreise durch die Fünfziger. Und Dlf Kultur hebt Hamid Ismailov in den "literarischen Olymp".

Mehr Nackte, die tanzen

05.05.2022 NZZ und FR sind uneins über Sibylle Bergs "RCE": Ein Blockbuster-Feuerwerk zündet die FR, die NZZ fragt: "Ist das noch Kitsch, oder ist es schon unfreiwillige Selbstparodie?" Der neue Handke entzweit indes FAZ und SZ: Schön kauzig findet die SZ das Bändchen, während die FAZ aufatmet: "Das neue Buch von Peter Handke kommt ohne Pilze aus." Zeit und Dlf lassen sich mit Eckhart Nickel und Carl Spitzweg auf einen prickelnden Flirt mit dem Biedermeier ein. Döblin wäre begeistert, glaubt die FAZ nach der Lektüre von Andrea Roedigs Roman über das Zerbrechen einer Metzgersippe.

Von der Kosmologie bis zu Rihannas Nagellack

04.05.2022 Nach dreißig Romanen entdeckt die FAZ Percival Everett, der ihr in "Erschütterung" die Geschichte eines Kontrollverlusts erzählt. Die FR hört nochmal genau hin, wenn Joachim Bessing, Annette Humpe und andere 33 fast perfekte Pop-Songs auf Ohrwurmtauglichkeit prüfen. Die SZ lässt sich auf das Experiment ein, alles zu lesen, was Wolfram Lotz innerhalb eines Jahres in endloser Detailfülle niedergeschrieben hat. Wertvoll findet der Dlf Shulamit Volkovs Beitrag zur deutschen Geschichte aus jüdischer Sicht. Und Dlf Kultur macht sich mit Stephen Walker auf den Weg ins All.

Schmerzhafter Rausch

03.05.2022 Der DlfKultur freut sich, dass Kathy Ackers lange indexierter Roman "Bis aufs Blut" endlich auf Deutsch zugänglich wird: Ein Roman wie eine SM-Session. Die FR liest in Annekathrin Kohouts Kulturgeschichte der "Nerds" nach, wie sich technikaffine Soziopathen in Erfolgsmenschen wandelten. Der Dlf übt das geistige Flanieren mit Lilian Peters Essays "Mutter geht aus". Beeindruckt liest die FAZ, wie  Khaled Khalifa in "Keiner betete an ihren Gräbern" ein gesellschaftliches Panorama Aleppos entfaltet.

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