Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Panoptikum einer durchdrehenden Gesellschaft

14.03.2022 Die SZ blickt mit der Moskau-Kennerin Catherine Belton noch einmal in die Verflechtung westlicher Politik und Geschäftemacher mit dem System Putin. taz und Dlf Kultur sind sich nicht einig über Heike Geißlers Roman „Die Woche“: Ein mit der Gegenwart abrechnendes Manifest liest die taz, eine wenig originelle Performance erlebt Dlf Kultur. Die FR zieht sich mit einem Kongressband und einigen Aussteigern auf den Monte Veritá zurück. Und die Welt trifft sich mit Eberhard Geisler auf einen Döner und verortet sich selbst in einem „Stück türkisch-deutscher Geschichte“.

Nackt wie eine Glühbirne

12.03.2022 FAZ, SZ und taz annoncieren zum Hundertsten von Jack Kerouac zwei glänzende Neuübersetzungen: In „Die Dharmajäger“ streben sie in meditative Höhen, mit dem „Engel der Trübsal“ kommen sie nicht ganz nüchtern wieder unten an. Außerdem versucht die taz mit Stanislaw Assejews Texten aus dem Donbass Russlands Angriff auf die Ukraine zu verstehen. Die FAS spürt den Schock, wenn ihr Lea Ypi vom Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der Diktatur in Albanien erzählt. Mit Wolfgang Ullrich blickt sie auf die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie.

Euphorie, Illusionen, Lügen und Intrigen

11.03.2022 Die FAZ lässt sich von der Anglistin Michele K. Troy die spannende Geschichte des Albatross Verlags schildern, der englischsprachige Literatur an der Zensur der Nazis vorbeischleuste. Die SZ empfiehlt gleich zwei gänzlich unterschiedliche Biografien über Wolfgang Rihm: Von Frieder Reininghaus lässt sie sich den Komponisten gesellschaftspolitisch einordnen, mit Eleonore Büning öffnet sie eine Schatztruhe an Erinnerungen. Außerdem liest sie Jugendbücher und bewundert, wie Sara Barnard von Mobbing erzählt. Und der Dlf empfiehlt doppelbödige Sofalektüre mit Louise de Vilmorins „Belles Amours“.

Schwelgereien und sublime Genüsse

10.03.2022 Die FAZ ist hin und weg von Tania Blixens "Babettes Gastmahl" in der ersten vollständigen deutschen Übersetzung von Ulrich Sonneberg. Zwischen Schockstarre und Bewunderung liest sie, wie Tatiana Salem Levy von einer Mutter erzählt, die ihren Kindern von ihrer Vergewaltigung berichtet. Die Zeit folgt den "leuchtenden Gedanken" von Lea Ypi, die sich in "Frei" an das Aufwachsen unter Enver Hoxha erinnert. Die FR staunt, wie prophetisch Amanda Cross schon 1971 über Feminismus, Umweltverschmutzung und Verschwörungstheoretiker schrieb. Und die NZZ dringt mit dem Philologen Jonas Grethlein in die Tiefenschichten der Ilias vor.

Einladung zum denkenden Schweifen

09.03.2022 Die SZ flaniert mit dem Promifotografen Roger Fritz über den "Boulevard der Eitelkeiten" und trifft Dolly Dollar am Strand von Rio. Die FR stürzt sich derweil mit Hektor Haarkötter in die kreativen Schatzkammern da Vincis, Lichtenbergs, Luhmanns und Wittgensteins. Die FAZ lässt sich dank Ursula Krechels quecksilbriger Wahrnehmung auf das Abenteuer des Erkennens ein. Und Dlf Kultur blickt mit Laurie Penny voller "Gerechtigkeitsliebe" in die feministische Zukunft.

Aus weiblicher Schalkperspektive

08.03.2022 Die FR bekommt Appetit, wenn die japanische Autorin Asako Yuzuki in ihrem eigensinnigen Roman eine Serienmörderin von Butter schwärmen lässt. Die FAZ begibt sich mit Miklos Meszöly auf „Spurensicherung“ und entdeckt eine sehr eigene Erkenntnisform. Die SZ ergötzt sich an den Scherzgedichten der Johanna Charlotte Unzer aus dem 18. Jahrhundert. Und Dlf Kultur liest berührt, wie sich Scholastique Mukasonga an ihre Mutter erinnert, die dem Völkermord an den Tutsi zum Opfer fiel.

Gedankengestöber

07.03.2022 Dlf Kultur lässt sich von den Reimen Judith Zanders in dämmernde Wälder, Märchen und DDR-Geschichte verschleppen. Wärmer als Sally Rooney findet er Imogen Crimp, die in ihrem Debütroman von der Liebe einer jungen Gesangsstudentin erzählt. Die SZ empfiehlt nachdrücklich Rita Süssmuths Plädoyer für mehr Gleichberechtigung. Die FR lacht und weint bei der Lektüre von Orhan Pamuks Roman „Die Nächte der Pest“. Und die FAZ staunt über Mathijs Deens Wattwanderer-Wissen im neuen Krimi „Der Holländer“.

Erlösung vom Ich-Zwang

05.03.2022 FAZ und taz lauschen Katerina Poladjans "Zukunftsmusik", einem Roman über eine Kommunalka des Jahres 1985, als die Perestroika noch anderes versprach als Krieg. Bei Joga soll man nichts wollen, doch Emmanuel Carrère will in "Yoga" sehr viel, freuen sich SZ und Welt. Der Deutschlandfunk ist tief beeindruckt von Tatiana Salem Levys "Vista Chinesa", dem Protokoll einer Vergewaltigung. FAZ und taz befassen sich außerdem mit der extremen Rechten in den zwanziger Jahren.

Katzen wissen zu leben

04.03.2022 Dlf und Dlf Kultur folgen Emmanuel Carrère gern vom Yoga-Retreat in die rauhe Wirklichkeit: Carrere ist wie Houellebecq, nur frischer und berührender, meint der Dlf Kultur. Die FR verdankt Laetita Colombani bewegende Einblicke in die Lage der Frauen in indischen Provinzen. Die NZZ annonciert mit "Future War" das derzeit aktuellste Buch zur Sicherheitsarchitektur Europas. Dlf Kultur stellt derweil schaudernd fest, wie aktuell auch Christiane Hoffmanns Buch über die Flucht ihres Vaters aus der Ukraine ist.

Wunder Sprache

03.03.2022 DIe FAZ bewundert den Mut, den Kim Hye-jin mit ihrem Roman "Die Tochter" über zwei Generationen von Frauen im heutigen Südkorea beweist. Die SZ entdeckt in Doron Rabinovicis Roman "Die Einstellung" eine grundsätzliche Erzählung über die Macht der Bilder. Von Stine Pilgaard lässt sie sich in den Mikrokosmos einer dänischen Volkshochschule entführen. Die FR verdankt Vladimir Sorokin ein erhellend dunkles Bild Russlands und seiner „ideologischen Leere“. Und der Dlf Kultur reist mit Gideon Defoe durch 48 ausgestorbene Staaten.

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