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01.10.2022 Vielleicht hätte sich der NSU verhindern lassen, hätte man seinen Vorgänger im Geiste, die sogenannte "Wehrsportgruppe Hoffmann" ernster genommen, überlegt die taz nach Lektüre von Uffa Jensens "Ein antisemitischer Doppelmord". Die FAZ liest gebannt Giles Miltons Geschichte vom "Inferno von Smyrna". Die Welt fällt mit dem Erzählband "Melancolia" unvermittelt in den Erzählkosmos Mircea Cartarescus. Der Dlf verliert sich mit Lara Williams' "Die Odyssee" im gruseligen Alltag einer Angestellten auf einem Kreuzfahrtschiff.

30.09.2022 Mit Bewunderung liest DLf Kultur Ander Izagirres "Der Berg, der Menschen frisst", eine Geschichte Boliviens, seiner Rohstoffe, seiner Menschen und der kolonialen Ausbeutung. Ebenfalls Dlf Kultur empfiehlt Jonathan Moores in der Poe-Tradition stehenden Thriller "Poison Artist". Die FR empfiehlt Volker Reinhardts Biografie des Aufklärers Voltaire, dessen Menschenbild aktueller denn je sei.

29.09.2022 Die NZZ empfängt wertvolle "Lektionen" über das Erinnern aus Ian McEwans gleichnamigem Roman. Die taz amüsiert sich mit Annabelle Hirschs Geschichte der Frauen in 100 Objekten. Die Zeit lernt, wie wandelbar der Begriff des Tyrannen ist. Die FAZ erkennt mit Johannes V. Jensens "Neuen Himmerlandsgeschichten" die Folgen der technischen Moderne in der dänischen Provinz.

28.09.2022 Die FAZ fährt mit Dörte Hansen "Zur See" und gerät aufs Angenehmste in mittelschweres Gewässer. Die FR verbringt mit Ulla Hahn "Tage in Vitopia" und nimmt von Ian McEwan gerne ein paar "Lektionen" mit. Die NZZ prüft Paul Lendvais "Vielgeprüftes Österreich, und dem Deutschlandfunk begegnet mit Gunilla Palmstiernas "Eine Europäische Frau" (und Gattin Peter Weiss').

27.09.2022 Als Lehrstück in großer Kunst empfiehlt die FAZ Uwe Schneedes Geschichte des modernen Selbstporträts "Ich!". Von Nils C. Kumkar lernt sie, dass "Alternative Fakten" nicht auf eine andere Wahrheit zielen, sondern auf die Sabotage der Kommunikation. Die SZ spürt mit Anna Burns und Emilie Pines nach, welche Schäden politische Gewalt und patriarchale Strukturen in einer Gesellschaft hinterlassen. Die FR nickt heftig, wenn Cesar Rendueles "Gegen Chancengleichheit" und für echte Gleichheit plädiert. Der Dlf versinkt mit Antonio Munoz Molinas "Tage ohne Cecilia" in sanfter Melancholie.

26.09.2022 Der Dlf erkennt trotz aller Fantastik, wie tiefsinnig und präzise Juri Andruchowytsch in "Radio Nacht" von den politischen Entwicklungen in der Ukraine erzählt. Lustvoll stürzt er sich auch auf "Die Stadt für alle", die Osamu Okamura, David Böhm und Jiri Franta aus Papierhäusern und Wattewolken errichten. Die FAZ liest Kinderbücher: Ganz hingerissen ist sie von der freundlichen Lakonie, mit der Tom Gauld vom kleinen Holzroboter und seiner Baumstumpfprinzessin erzählt. Als starke Erzählung über das Abschiednehmen lobt sie auch Nikola Huppertz' "Unser Sommer am See".

24.09.2022 Haben Ernst Jüngers "Strahlungen" nachgelassen? FAZ und SZ sind jedenfalls pünktlich zur Stelle, um die wissenschaftliche Edition von Jüngers WK2-Tagebüchern zu begutachten, die SZ sogar in zwei Artikeln. In der FR bewundert Arno Widmann die Kunst, mit der Javier Marias in seinem letzten Roman "Tomás Nevinson" zwischen Essay und Roman schwebt. Die FAS knabbert auf "Kains Knochen" des britischen Rätselmeisters Torquemada herum, erfolglos zwar, aber mit großem Vergnügen.

23.09.2022 Die FAZ schwelgt in einem Band über die Free Music Production, die 40 Jahre lang den Free Jazz nach Berlin brachte. Die NZZ findet die "Medea" auch in der neuen virtuosen Übersetzung von Kurt Steinmann so verwirrend wie je. Dlf Kultur sorgt sich mit Johan Eklöf über "Das Verschwinden der Nacht" und ihre Auswirkungen auf die Tierwelt. Und lässt sich von Chuah Guat Eng in die "Echos der Stille" im Malaysien der 60er Jahre entführen. Die SZ empfiehlt Kinder- und Jugendbücher.

22.09.2022 Die FAZ schwelgt in der Sprachlust, dem Witz und der Eleganz von Ralph Waldo Emersons Tagebüchern. Die SZ lernt in den Tagebüchern von Rafael Chirbes einen von Selbstzweifeln geplagten Autor kennen. Die FR amüsiert sich über einen indischen Woody Allen in Aravind Jayans Roman "Teen Couple Have Fun Outdoors". Dlf Kultur erfreut sich an einem parodistischen Täuschungsmanöver mit Johan Harstads Roman "Auf frischer Tat".

21.09.2022 Unwiderstehlich findet der Dlf Herve Le Telliers kleinen Roman "Ich verliebe mich so leicht" über das vergebliche Liebeswerben eines alternden Mannes. Dlf Kultur erkundet mit Ed Yong "Die erstaunlichen Sinne der Tiere" und blättert beglückt durch ein Kinderbuch über Glenn Gould. Die NZZ feiert ihren Kandidaten für den Deutschen Buchpreis: Jan Faktors Roman "Trottel". Die FR vermisst Peter Kurzeck.