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23.07.2022 Die FAZ folgt Felix Philipp Ingold in "völlig irrer Faszination" auf die "Zeitinsel", wo ihr Onassis, Antonioni, Eurydike und Jesus begegnen. Patrick Modianos neuer Roman "Unterwegs nach Chevreuse" kommt bei SZ und Welt eher mittelgut an. Die taz muss zugeben, dass ihr Wolfram Lotz imponiert mit seiner zwischen Größenwahn und Selbstironie schillernden "Heiligen Schrift I". Mit Ernesto Laclaus Klassiker "Die populistische Vernunft" lernt sie, dem rationalen Handeln Affekte entgegenzusetzen. In Sergii Rudenkos Selenski-Biografie verirrt sie sich allerdings im Dickicht Kiewer Innenpolitik.

22.07.2022 Die NZZ versteht die Gegenwart besser nach der Lektüre von Stefan Creuzbergers Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen. Fasziniert ist sie auch von der Aktualität von Josef Winklers Roman aus den frühen 1980ern über eine als Kind aus der Ukraine geflohene Kärtner Bäuerin. Die FAZ verdankt Marie Luise Knotts Doppelporträt Hannah Arendts und Ralph Ellisons großen Lesegenuss. Die SZ reiht Andreas Schäfers "Die Schuhe meines Vaters" ein in die Tradition großer Vater-Texte. Und Dlf Kultur entschlüsselt Hieroglyphen mit Edward Dolnick.

21.07.2022 Eine lebendigere, gegenwärtigere Tausendundeine Nacht gab es nie, jubelt die FAZ über Claudia Otts Übersetzung. Die NZZ versinkt im Gesamtkunstwerk Meret Oppenheimer. Die Zeit empfiehlt Keiichirō Hiranos Krimi als perfekte Lektüre für unsere von "identitätspolitischen Spiegelfluchten faszinierte Zeit". Die SZ lernt von Saidiya Hartman, dass Versklavung und Rassismus auch nach dem offiziellen Ende der Sklaverei in den USA fortbestanden. In Claire Keegans Roman "Kleine Dinge wie diese" bewundert sie, wie sich ein Einzelner gegen die Macht der katholischen Kirche in Irland stemmt. Und Dlf Kultur erinnert sich mit Sigrid Nunez an die Kindheit.

20.07.2022 Die FAZ lässt sich Iwan Bunins "Prosa der Eile" schmecken. Die SZ bewundert, wie "wagemutig poetisch" Ralf Rothmann geschichtliche Wahrheiten einkreist. Die FR erkennt die unveränderte Aktualität von Ann Petrys Roman aus dem Jahr 1953 über Rassismus und Sexismus. Und Dlf Kultur schwelgt in Noemi Harnickells Orchideenbuch und lernt allerhand über Sternorchidee und Sphinxfalter.

19.07.2022 NZZ und Dlf Kultur machen Zeitreisen mit Durs Grünbein und begegnen dem Dichter auf ganz neuen Schaffenshöhen. Die FAZ liest gebannt und mitfühlend Tash Aws Geschichte eines von der Globalisierung ausgebooteten malaiischen Arbeiters, der mordet. Die SZ feiert ein Fest der Laute und Rhythmen mit Robert Macfarlanes verlorenen Zaubersprüchen. Die FR blickt mit Femi Kayode in die patriarchalische nigerianische Gesellschaft. Die Welt empfiehlt einen Band mit Graphic Novels über die Kinder des Holocaust. Und die taz folgt Ralf Rothmann sehnsüchtig in die Nachkriegszeit.

18.07.2022 Richtungsweisend scheint der SZ Rebecca Cliffords Band mit Fallgeschichten von Kindern des Holocaust. Die taz versinkt in einem Sammelband mit Comics von indigen Aktivistinnen. Dlf Kultur lernt von Alex von Tunzelmann, dass es sich beim Stürzen von Denkmälern um eine Kulturtechnik handelt. Der Dlf setzt sich mit dem Philosophen Matthew B. Crawford ans Steuer. Und die FAZ empfiehlt heute Hörbücher, darunter besonders Sergej Gerassimows Kriegsjournale aus der Ukraine: Ein künftiger Klassiker der Antikriegsliteratur, meint sie.

16.07.2022 Die taz versinkt in den berückend schönen japanischen Landschaften, die Catherine Meurisse in "Nami und das Meer" entwirft. Vergnügt liest sie auch die "Kulturgeschichte des Bettes" von Brian Fagan und Nadia Durrani. Very sophisticated findet die FAZ den Flirt, von dem Markus Grundtners in seinem Debütroman "Die Dringlichkeit der Dinge" erzählt. Mit George Saunders lernt sie von russischen Romanciers lesen, schreiben und leben. Und der DlfKultur lernt im "Buch vom Dreck", dass Schmutz und Hygiene zusammengehören.

15.07.2022 Die FAZ empfiehlt gleich zwei Bände der amerikanischen Kulturwissenschaftlerin Saidiya Hartman, die helfen, Erfahrungen schwarzer Frauen während der Great Migration zu verstehen. Der Dlf lässt sich von Rebecca Solnits Essays mühelos von Orwells Naturliebe zum Spanischen Bürgerkrieg bis zu Lügenbaronen wie Trump und Putin führen. Die SZ stürzt sich mit Linde Faas in ein Wimmelbild des Regenwalds. Und Dlf Kultur schätzt das Buch des Kunsthistorikers Wolfgang Ullrich dafür, dass es eine Wende in der Kunst auf den Begriff bringt, ohne gleich kulturpessimistisch zu werden.

14.07.2022 Die Zeit kniet nieder vor Ralf Rothmann, der sie mit seinen Romanen über die deutsche Nachkriegszeit immer wieder moralisch und stilistisch herausfordert. Nicht weniger inbrünstig empfehlen FAZ und Dlf Kultur Norbert Scheuers zarten, rätselhaften neuen Eifel-Roman "Mutabor". Die SZ erfährt von Jürgen Gottschlich und Dilek Zaptcioglu-Gottschlich, wie tolldreist sich deutsche Archäologen und Politiker bei den Schätzen des Osmanischen Reichs bedienten. Dlf Kultur birgt mit Grete Weils knappem Roman über die Vertreibung der Juden aus Amsterdam ein Kunstwerk der besonderen Art.

13.07.2022 Die FAZ empfiehlt die unbestechlich feinen Gedichte des Litauers Tomas Venclova. Die FR seziert mit Essays von Rachel Cusk den Alltag und andere Unhöflichkeiten. Die NZZ lernt bei Ulrike Ackermann anschaulich die Abgründe der Woke-Kultur kennen. Außerdem bewundert sie, wie kühn Georgi Gospondinov populistische Sehnsüchte zerlegt. Die SZ kann sich den widerspenstig-poetischen Alltagsnotizen von Peter Handke nicht entziehen. Und der Dlf Kultur denkt mit Rebecca Solnit über Orwell, Liebe und Botanik nach.