Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Casablanca des Nordens

05.08.2021 Die FAZ begeistert sich für Daniel Birnbaums spannenden Spionageroman "Dr. B.", der Birnbaums Großvater und den Verleger Gottfried Bermann Fischer ins schwedische Exil 1939/40 begleitet. Die SZ blättert hingerissen durch Alexander Brauns Buch über den Comic-Avantgardisten Will Eisner. Die Zeit empfiehlt Per Leos "Tränen ohne Trauer" als unbedingt lesenswerten Beitrag zur Debatte um die deutsche Erinnerungskultur. Dlf  lobt die Gesellschaftsanalyse in Joseph de Wecks Biografie des französischen Präsidenten Emmanuel Macron.

Offene Textwunden

04.08.2021 Die FAZ bekommt dank Dominik Graf und Lisa Gotto große Lust, sich osteuropäische Filme aus der Zeit des "Kalten Kriegs" anzuschauen.  Die SZ geht mit Lavinia Branistes ruppiger Sonia der verdrängten Ceaușescu-Zeit nach. Die taz lernt dank Antje Maria Warthorst endlich den Zeichner hinter Erich Kästner kennen: Walter Trier. NZZ und Dlf Kultur  lesen melancholische Gedichte von Yari Bernasconi und Matthias Göritz. Außerdem lässt sich Dlf Kultur von Naomi Klein kindergerecht erklären, wer schuld am Klimawandel hat.

Durch Ruhestand erledigt

03.08.2021 Die FAZ taucht ein in eine literarische Collage zur Geschichte von St. Petersburg. Von Markus Materna lernt sie, wie sich die NS-Juristen nach Kriegsende gegenseitig exkulpierten und ohne Hindernisse in der BRD weiter Karriere machten. Die NZZ schwankt zwischen Faszination und Entsetzen bei der Lektüre von David G. Marwells Mengele-Biografie. Die SZ blättert sich tief beeindruckt durch die Fotos, die Gilles Peress 1972 am Bloody Sunday in Derry, während des Massakers der britischen Armee an irischen Zivilisten, aufgenommen hat. Geradezu prophetisch für die Corona-Epidemie findet die taz Ling Mas Zombieroman "New York Ghost".

Clowneske Kollisionen

02.08.2021 Die FAZ staunt, wie Sergej Lebedew in seinem Nervengift-Roman verdrängte russische Geschichte in „schwebende“ Literatur verwandelt. Die SZ empfiehlt zwei neue Bücher über Rechtsextreme in Polizei und Bundeswehr. Die FR lässt sich von Fritz Pleitgen eine unmögliche Geschichte über die Mächtigen erzählen. Die NZZ macht mit Leopold Tyrmands Hochstapler „Filip“ Frankfurt unsicher. Der Dlf liefert mit Ferdinand Schmalz Tiefgekühltes während der Hundstage aus und blickt mit Judith Schmidt auf die Saisonarbeit. Und Dlf Kultur denkt mit Jean-Pierre Wils über Sterbehilfe nach.

Dandys in räudigem Tweed

31.07.2021 Lola Lafons "Komplizinnen" ist der Roman einer Tänzerin. Und laut Welt zeigt er nicht nur inhaltlich, sondern auch formal interessant, wie Ausbeutung in dieser Welt funktioniert.  Die FAZ liest mit Schaudern Milton Rokeachs Bericht über "die drei Christi aus Ypsilanti", das Protokoll eines überaus fragwürdigen psychiatrischen Experiments. Die taz amüsiert sich mit Till Raethers West-Berlin-Roman "Treue Seelen".  Der Deutschlandfunk liest Gedichte von Juliane Liebert.

Hase mit Hörnern

30.07.2021 Die FAZ kämpft mit Petra Reski in Venedig leidenschaftlich gegen Touristen in Radlerhosen und Gondolieri mit Dünkel. Außerdem zündet sie ein geistiges Feuerwerk mit Moritz Rudolphs "Weltgeist als Lachs". Die NZZ hält Sulaiman Addonias Roman über das Leid in einem sudanesischen Lager für ein kleines Wunder. Dlf Kultur findet Trost in Marilyn und Irvin D. Yaloms Reflexionen über Leben und Tod. Die SZ hat viel Spaß mit Annalena McAfees biestiger Rentnerin im "Blüttenschatten". Außerdem empfiehlt sie Jugendsachbücher.

Frohes Neues Scheusal, liebe Genossen

29.07.2021 Jean Genet ließ in Essays und Interviews seinem Hass auf die westliche Welt freien Lauf: Die FAZ muss bei der Lektüre ganz schön schlucken. Lew Rubinstein ging die Sache in seinem Kalender anders an: Er kommentierte die Ereignisse seiner Zeit mit Witz und in Form einer Collage. Außerdem wirft die FAZ mit Nadine Schneiders Roman "Wohin ich immer gehe" einen gründlichen Blick auf Rumänien. Die FR lässt sich von Alida Bremers Roman "Träume und Kulissen" eine Brücke nach Kroatien bauen.

Die Namen von Mördern

28.07.2021 In der FR lauscht Nico Bleutge den wundersamen Versen von Valzhyna Mort: "Musik für die Toten und Auferstandenen". So bedeutsam wie menschlich berührend findet Dlf Kultur den Briefwechsel von Günter Eich und Rainer Brambach, die sich versichern: "Nichts und niemand kann dich ersetzen." Die SZ empfiehlt die Neuauflage von Roberto Espositos "Immunitas" als Buch der Stunde. Die FAZ holt tief Luft und taucht ein in Boris Luries Collagewerk "Haus von Anita", mit dem Lurie seine KZ-Erfahrungen und die Konsumgesellschaft der 60er verarbeitete. Dlf empfiehlt Tomer Gardis "Eine runde Sache".

Männer in den Wechseljahren

27.07.2021 Die SZ erliegt Egon Christian Leitners aktiver Humanität und seinem wilden Denken, während sie sich durch seinen 926 Seiten fetten Sozialstaatsroman "Ich zähle jetzt bis drei und dann ist Frieden" gräbt. Die FAZ betrachtet den Kalten Krieg mit Eric Burtons Hilfe durch die Brille Tansanias. Der Dlf blickt mit Ewald Hetrodt auf das schwarz-grüne Politiklabor in Hessen. Lob gibt es auch für Maarten 't Harts Roman "Der Nachtstimmer" über einen Kirchenorgelstimmer auf Liebespfaden.

Der hinzu erdachte Pfau

26.07.2021 Die SZ liest Michael Wolffs Trump-Buch "77 Tage", weil der Autor so fesselnd zu schildern weiß, warum Trump sich für übervorteilt hält und die Republikaner weiterhin kontrolliert. Dlf Kultur empfiehlt einen von David Ranan herausgegebenen Band über aktuelle politische Schlagwörter und die von ihnen ausgeübte "Sprachgewalt". Die NZZ empfiehlt Fatima Daas' Roman "Die jüngste Tochter" über eine gläubige Muslimin, die auch noch lesbisch ist. Die FAZ liest neue Kinderbücher.

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