Bücherschau des Tages

Neue Bücher in der Bücherschau des Tages

Notizen zu den Buchkritiken des Tages aus FAZ, FR, NZZ, SZ, taz, Zeit, Welt, DLF und DLF Kultur. Täglich ab 14 Uhr.
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Strebsamkeit und Unterordnung

30.01.2023 Als Sensationsfund preist der Dlf Marcel Prousts "Fünfundsiebzig Blätter" mit Skizzen und Überlegungen zur "Recherche" und legt sie allen Proust-Ultras wärmstens ans Herz. Hingerissen ist er auch von Brian Lies' Kinderbuch "So groß wie der Himmel", das die liebenswerte Geschichte von Eddie, dem Fuchs erzählt. Die NZZ freut sich, wenn Lena Andersson in ihrem Roman "Der gewöhnlichste Mensch" das schwedische Volksheim wie ein Kartenhaus einstürzen lässt. Die FAZ lernt von Bruno Schönfelders "Fluch des Imperiums", warum Russland gar nicht funktionieren kann.

Allegorisches Meisterstück

28.01.2023 Der Dlf empfiehlt Marc Sinans musisch-poetischen Roman "Gleißendes Licht" über den Völkermord an den Armeniern. SZ und Dlf Kultur lassen sich gern von Annette Pehnts "Schmutziger Frau" den Boden der Realität unter den Füßen wegziehen. Die NZZ liest verstört Hans-Hermann Klares urgewaltige Biografie über den Juristen und Holocaustüberlebenden Philipp Auerbach. Die FAZ lernt in einem Text-und-Kritik-Band den "Literarischer Journalismus" schätzen.

Ungeheuer in der Dusche

27.01.2023 In der FAZ wünscht sich Christoph Möllers, so erschöpft wie angeregt, eine resümierende Kurzfassung von Gertrude Lübbe-Wolffs Globalgeschichte über die Arbeitsweise von Verfassungsgerichten. Die SZ verbringt mit einer Bande Teenagern den "Winter auf Solupp". Die FR empfiehlt wärmstens Filip Ganczaks Biografie über Jan Sehn, den polnischen Fritz Bauer. Dlf Kultur versteht mit Adom Getachews "Die Welt nach den Imperien", warum eine neue Weltwirtschaftsordnung für die frühen Theoretiker der Dekolonisierung so wichtig war. Die FAZ hätte sich von Getachew wiederum eine ehrlichere Analyse des Scheiterns postkolonialer Entwürfe gewünscht.

Im Stile Jesu Christi

26.01.2023 "Ich bin zu zart für diese Welt", ist der zweite Teil von Manfred Krugs Tagebuch betitelt, Dlf Kultur ist gerührt. Und amüsiert sich königlich mit Joshua Cohens Campusroman "Die Netanjahus". Die taz versinkt fasziniert in Andrea Giovenes Romanreihe um den jungen Adligen Giuliano di Sansevero. Die Welt taucht mit Oliver Hilmes in die "Schattenzeit" des Jahres 1943. Die FR ist starr vor Bewunderung für Maxim Znaks "Zekamerone", den er in belarusischen Gefängniszellen erschuf.

Willkommen in der Hölle

25.01.2023 FAZ und SZ lesen tief beeindruckt Dževad Karahasans Roman "Einübung ins Schweben", der von der Belagerung Sarajevos 1992 erzählt, von den Menschen, die sie aushalten mussten, und einem walisischen Intellektuellen, der dort versagte. Der Dlf schwelgt auf 450 Seiten in den Notizen und Aphorismen Wilhelm Genazinos. Dlf Kultur lernt mit "Miss Money" schlaues Konsumieren. Die FR nervt die Besserwisserei zweier Studierter mit unterschiedlichen Lebenswürfen in dem Roman "Zwischen Welten" des Autorenduos  Simon Urban und Juli Zeh. Dlf Kultur hat das ganze dagegen als Satire amüsiert.

Mama, ich bin verliebt!

24.01.2023 Nur bewundern kann die taz, wie unerschütterlich der belarussische Anwalt Maxim Znak mit seinen Erzählungen "Zekamerone" auch Mut, Humor und Esprit aus dem Gefängnis schmuggelt. Klasse findet sie auch Bastien Vives' Neuerfindung des lässigen Seefahrers Corto Maltese. Die NZZ jubelt über Marlene Streeruwitz' Antiroman "Tage im Mai", der trefffsicher vom Kampf zwischen Boomern und Doomern berichte. Als begnadeten Erzähler feiert die FAZ den koreanischen Autor Cheon Myeong-kwan und seinen Roman "Der Wal". Und die SZ steht ratlos vor der Neuübersetzung von Ernest Hemingways "Wem die Stunde schlägt", aus der Flüche und Schimpfwörter getilgt wurden.

Bildungsroman mit Damenpistole

23.01.2023 Die FAZ stellt neue Kinderbücher vor, ganz und gar hingerissen ist sie von Reto Crameris "Alula", in dem sich zwei Kinder auf Abenteuer durch Garten und Urwald begeben. Als witzig, cool und überraschend feiert die FR Michael Köhlmeiers Roman "Frankie". Der tau gefällt der anarchistische Impuls in Hendrik Otrembas Roman "Benito". der DlfKultur erkennt mit Karl-Heinz Göttert in Massenbewegungen eine Evolution des gemeinsamen Gehens.  Zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag spricht die SZ Erinnerungen von Überlebenden.

Blitzlichtaufnahmen

21.01.2023 Mit Simon Urban an ihrer Seite wächst Juli Zeh über sich hinaus, meint die SZ. FR und taz lernen Wilhelm Genazino in dessen Werktagebücher als Meister der Aphorismen kennen. Die SZ hält Ottessa Moshfegh nach der Lektüre von „Lapvona“ für die „Klassenbeste der US-amerikanischen Gegenwartskultur“, die FAS empfindet nur Ekel angesichts dieser Gewaltorgie. Die taz blickt mit Sebastian Pittelkow und Katja Riedel indes abgestoßen auf die Machenschaften der AfD. Die FAZ liest angeregt Matthias Bormuths Biografie über Martin Warnke. Und Dlf Kultur stellt mit Kolja Reichert 50 Fragen an die Kunst.

Liebesbeweis für die Leser

20.01.2023 Die FR bewundert, wie Donald Antrim dem Denken und Empfinden des Suizidalen nachspürt. Die FAZ staunt, wie Vladimir Jankelevitch Henri Bergsons Denken von innen heraus rekonstruiert. Dlf Kultur folgt Ferdinand von Richthofen mit Marcus Hernig durch dreizehn chinesische Provinzen. Dank Annie Ernaux erhält er Einblick in männliches Geheimwissen.

Lesestoff mit Qualitätsgarantie

19.01.2023 Der Dlf feiert Norwegens Balzac: Die Schriftstellerin Amalie Skram und ihre Tetralogie "Die Leute vom Hellemyr". Die FAZ empfiehlt einen Klassiker der slowenischen Literatur: Drago Jancars Roman "Nordlicht", der vom Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Maribor erzählt. Schon vorbei?, fragt die hingerissene FR enttäuscht nach der Lektüre von Peter Stamms "In einer dunkelblauen Stunde". Die Welt sucht mit Christoph Menke nach einer neuen Freiheit.

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